• Alexandra Milesi in Grabs
    Alexandra Milesi in ihrem Kräutergarten in Grabs. Von hier stammen die herrlich duftenden Kräuter, die sie in ihrem Laden verkauft.  (Daniel Schwendener)

Mit dem Wissen der Vergangenheit in die Zukunft schreiten

Sie ist Biologin mit fundierter wissenschaftlicher Ausbildung und hat sich ganz der alten Heilkunde verschrieben: Ein Gespräch – nicht nur über die sinnlichen Düfte der Weihnachtszeit – mit Alexandra Milesi aus Grabs.
Grabs. 

Wer ihr zusieht, wie sie sich bewegt in ihrem üppigen Naturgarten; wer ihr zuhört, wie sie über Pflanzen und Kräuter redet, deren Wirkungen und vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten; wer sich den Düften in ihrem Laden «Wurzelwerk» in Grabs hingibt, der versteht, wie wichtig Menschen wie Alexandra Milesi sind. Menschen, die altes Wissen weitergeben, um damit in die Zukunft zu gehen. Es ist ein wunderschöner Tag im Frühherbst, die Sonne taucht Häuser und Wiesen in goldenes Licht. Fast mutet es seltsam an, sich bei diesem milden Prachtwetter über die Weihnachtszeit zu unterhalten, über Zimtstangen, Anis, Tannennadeln – Duftkompositionen, die an Weihnachten Hochkonjunktur feiern. So erzählt sie stattdessen, während wir in ihrem Kräutergarten am Fusse des Staudnerbergs von Beet zu Beet schlendern, dass vieles von dem, was sie heute tut, früher gang und gäbe war. «Pflanzen sammeln und konservieren oder Wurzeln ausgraben zu Nahrungs- oder Heilzwecken gehörte zum Repertoire jeder ‹guten› Hausfrau.» Und weil es «sehr, sehr schade wäre», wenn dieses alte Wissen verloren ginge, hat sich Alexandra Milesi genau auf dieses Wissen spezialisiert. «Denn», sagt sie, «wir wissen nicht, wann wir es wieder brauchen.»

Alexandra Milesi in Grabs

Im Wurzelwerk in Grabs gibt es viele regionale Produkte aus Alexandra Milesis Garten.

1966 im «lieblichen Taubertal» geboren, bildete sie sich als junge Frau zur biologisch-technischen Assistentin aus, schrieb sich danach an der Technischen Universität Berlin ein und schloss 1996 mit dem Dipl. Ing. in Biotechnologie ab. 1997 zog sie in die Schweiz, nach Grabs, wo sie sich zur Pilzkontrolleurin und Naturführerin weiterbildete. Eben erst beendete sie den Lehrgang Ethnobotanik an der UZH. Seit 15 Jahren betreibt sie auch ihren Laden «Wurzelwerk». Hier verkauft sie Kulinarisches aus dem Garten, Liköre und Konfitüren, Kräutertees und Kräuteröle, Salben oder hausgemachte Naturseifen und Floristik, vieles davon von kreativen Werdenberger Frauen in liebevoller Handarbeit gefertigt. Aber auch Workshops und Kurse können im Wurzelwerk besucht werden: zum Beispiel der Räucherkurs «Dem Duft lauschen», oder «Die spinnt ja!», ein Kurs, bei dem aus Wolle feiner Zwirn gesponnen wird, oder «Papier schöpfen aus Altpapier, Zellstoff und Kräutern», und vieles mehr. Hauptberuflich ist die Frau mit dem ungestümen Haar aber als Work­shop-Leiterin und Referentin für verschiedene Institutionen in der Schweiz und Liechtenstein tätig, so auch für die Kräuterakademie in Salez. «Das Erhalten und Weitergeben von altem Wissen und Handwerkskünsten ist mein Anliegen, der Garten mein Zuhause», sagt sie und lächelt. 
Dass die alte Heilkunde und Handwerkskunst boomt, kann Alexandra Milesi aus erster Hand bestätigen. Wobei es längst mehr sei als ein Trend, halte er nun doch seit mehr als zehn Jahren an. «Es ist weniger eine Rück­wendung zu früher. Es geht vielmehr darum, aus der Vergangenheit zu lernen und dieses Wissen mitzunehmen in die Zukunft.» Auch das Konsumverhalten trage dazu bei und werde mehr und mehr infrage gestellt. «Wir Menschen tendieren wieder dazu, Dinge selber herzustellen», sagt sie. Alexandra Milesi möchte deshalb auch eine weitere Botschaft vermitteln: «Mich würde es freuen, wenn wir Menschen wieder etwas mehr Abstand zum ganzen Weih­nachts- und Konsumstress nehmen, und uns stattdessen öfters mit einem feinen, hausgemachten Punsch und einem Räucherwerk hinsetzen würden, um uns auf uns und das Wesentliche zu besinnen.» (db)

01. Dez 2018 / 09:59
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