«Ich mag Holz, wenn es naturbelassen ist»

Wo Quirin Schächle arbeitet, fallen Späne – nicht im übertragenen Sinne, sondern wortwörtlich. Der ­Möbelschreiner hat sich auf Unikate aus Massivholz, bevorzugt aus heimischem, spezialisiert. Mit seinem Familienunternehmen brandmal erfüllt er die Wünsche und Träume der Kunden, bleibt seinen Grundsätzen dabei aber treu: auf heimisches Material zu setzen und das Holz möglichst komplett zu verwenden.
Magazin. 

Wenn sich Quirin Schächle an die Arbeit macht, vergisst er schnell alles um sich herum. Dann gibt es für ihn nur noch Holz und seine Werkzeuge. Mit langen ruhigen Bewegungen hobelt er, schleift und nimmt sich für jeden Arbeitsschritt ausreichend Zeit. «Wenn ich arbeite, bin ich völlig in meine Tätigkeit vertieft.» Was schliesslich daraus entsteht, sind keine Möbel vom Fliessband, sondern Unikate. Tische, Bänke – im Moment arbeitet er gerade an einem Bett. Wichtig ist ihm, dass der Charakter des Holzes bestehen bleibt. «Ich mag Holz, wenn es naturbelassen ist und wenn man die Maserung sehen kann.» Besonders formfreie Möbelstücke, wie Tische mit natürlich geschwungenen Kanten, kleinen Unebenheiten und Astwölbungen, sind Quirins Leidenschaft. In seiner kleinen Werkstatt feilt er an jedem Möbelstück so lange, bis alles stimmt. «Ich bin bei einer grösseren Schreinerei eingemietet und kann so deren Maschinen nutzen. Weil ich ja ein Zwei-Mann-Betrieb bin, brauche ich nicht mehr Platz.» Die Zusammenarbeit ermöglicht auch grössere Aufträge zu übernehmen und auf die grossen Maschinen zurückzugreifen.

Quirin Schächle in Ruggell

Quirin Schächle stellt divere Möbel aus Holz her. Jedes davon ist ein Unikat.

Der Lohn für die harte Arbeit
Täglich, von 6 Uhr früh bis 18 Uhr abends ist Quirin Unternehmer und Möbelschreiner. Vor und nach der Arbeit aber vor allem Papa und Ehemann. «Wenn ich mich nicht zurücknehmen würde, könnte ich 24 Stunden am Tag arbeiten – zu tun gibt es genug. Dann würde aber meine Familie zu kurz kommen.» Dennoch, viel Zeit bleibt nicht. Morgens und abends, wenn die Kinder im Bett sind, sitzt Quirin am Computer, schreibt Mails und kümmert sich um die organisatorischen Aufgaben. So kann er sich unter tags auf das Handwerk konzentrieren und nach getaner Arbeit Zeit mit seiner Familie verbringen. Dann spielt er mit Puppen, zeichnet oder liest seinen Kindern vor.

Die Leidenschaft zu Holz ist auch bei seinem eigenen Haus zu sehen. Die Familie Schächle wohnt in einem Holzblockhaus, wie sie eigentlich in Alaska oder Kanada zu finden sind. Wer das Haus betritt, riecht ganz deutlich die Natur, das Holz und Harz. Das Interieur und die Möbel stammen alle von ihm selbst und ergänzen sich in unterschiedlichen Braun- und Weisstönen. Ein grosser Tisch aus Nussbaum steht mitten im hohen und offenen Wohnraum, die Lampen, Regale und den Couchtisch hat Quirin ebenfalls selbst aus Holz gefertigt. «Der Baum, aus dem ich den Esstisch gemacht habe, stand früher genau da, wo das Haus jetzt steht. Wir mussten ihn für das Haus fällen», erklärt er, während seine Tochter zu seinen Füssen mit ihrer Puppe spielt. Die Inspiration für seine Möbel findet Quirin überall im täglichen Leben. «Mich faszinieren aber auch Arbeiten von anderen Schreinern. Ich bin viel herumgereist und habe mir andere Techniken angeschaut, habe viel gesehen und gelernt.» 

Es wäre schade, das Holz wegzuwerfen
Das Holz für seine Möbelstücke bekommt Quirin von Menschen, die sich bei ihm melden und ihm das Holz überlassen. Aber auch im Forstwerkhof Eschen-Nendeln kennt man Quirin. «Das Liechtensteiner Holz lagere ich oft bei mir zu Hause. Kirschbaum, Eichen, Eschen und Nussbaum – der Vorrat reicht für einige Schränke. Es dauert aber auch lange, bis es trocken genug ist, in der Regel braucht man technische Hilfsmittel, um das zu erreichen.» Und wie lange braucht Quirin für ein Möbelstück? «Das ist ganz unterschiedlich. In meinem Esstisch stecken sicher zwei Wochen Arbeit.» Dieser ist jedoch auch etwas ganz Besonderes. Er besteht aus 36 Einzelteilen und ist zusammengesteckt – nichts wurde geleimt oder verschraubt. 

Quirin Schächle in Ruggell

In aufwändiger Arbeit entstehen handgefertigte Tische, Stühle, Betten oder Kommoden.

Für seine Kunden bearbeitet er die Möbel je nach Wunsch: eingefärbt, geölt oder ­lackiert, mit klaren Linien oder formfrei. Er achtet jedoch stets darauf, möglichst viel vom Holzbrett zu verwenden. «Es wäre einfach zu schade, das tolle Holz wegzuwerfen oder zu verfeuern. Die potentiellen Reste gebe ich einem Bekannten und ­dieser macht daraus Salz-, Pfeffer- und Muskatnussmühlen.» (lat)

22. Nov 2019 / 11:26
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