• Stebler Parfümerei, Chur
    Parfümeur Patrick Stebler lädt ein, besondere und exklusive Düfte kennenzulernen.  (Tatjana Schnalzger)

Der Alchemist der Düfte

Wenn Parfümeur ­Patrick Stebler von Düften und Gerüchen spricht, kommt er sofort ins Schwärmen. Düfte lösen Emotionen aus, bringen Erinnerungen zurück und hinter jedem edlen und natürlichen Duft gibt es eine Geschichte. Der Geruchssinn ist einer der stärksten Sinne. Trotzdem nimmt jeder Mensch Düfte ganz anders wahr. Erinnerungen und zwei Düfte aus dem Bünd­nerland gibt es seit rund einem Jahr im Flakon. Seither sind die Eigenkreationen und Nischenparfüms «Odur Pinus» und «Odur Ervas» erhältlich, welche Stebler zusammen mit einem Jugendfreund und Duftfreak entwickelt und kreiert hat.
Vaduz. 

Die Industrie und Maschinerie der Fashion-Parfüms ist gross. Es gibt insgesamt etwa 4000 Düfte. Davon sind rund 300 gute Düfte und von diesen 300 gibt es zwischen 20 und 30 ausgezeichnete Düfte, mit denen sich renommierte Parfümeure eine goldene Nase verdienen. «Die Nase ist das wichtigste Organ für den Parfümeur, welches er jeden Tag trainieren muss, um edle und sinnesweckende Düfte kreieren zu können», sagt Patrick Stebler, Inhaber der Parfümerie Stebler. Doch mit den herkömmlichen, synthetisch hergestellten Fashion-Parfüms hat der Churer Parfümeur wenig am Hut. Ihn interessieren ausschliesslich Nischenparfüms, denn seine eigenen Duftkreationen fallen auch in diese Sphäre. Vielen Menschen sind Nischenparfüms eine unbekannte Welt. Wenn man sich jedoch auf das Abenteuer einlässt und in diese Welt eintaucht, entdeckt man Düfte, die die Sinne anregen, Emotionen auslösen oder einen in einen ganz anderen Augenblick oder Lebens­abschnitt versetzen. 

Erinnerung und Geborgenheit wecken
Die Redensart «jemanden nicht riechen können», kommt nicht von ungefähr. Für Patrick Stebler ist der Geruchssinn der wichtigste überhaupt, weil er ganz unbewusst wahrgenommen wird. «Ein Duft ist zwar nicht lebensnotwendig und trotzdem weiss ich, dass Düfte die intensivste Form der Erinnerung sind», sagt der Churer Parfümeur. Nebst der Welt der Düfte kann nur noch die Musik so starke Erinnerungen an gewisse Momente wecken. 

Gerüche und Düfte sind stark an Erfahrungen und Erinnerungen gekoppelt. Ein lieblicher Rosenduft erinnert vielleicht an die Grossmutter, Lavendelduft an eine launenhafte Tante, weiss er. Die sogenannten Kuscheldüfte sind sowohl bei Damen wie auch bei Herren sehr beliebt. «Einer der wichtigsten Inhaltsstoffe im Kuschelduft ist Vanille, ein Duft, der Geborgenheit suggeriert, da jeder Säugling von Geburt an in Kontakt mit Vanillin kommt, weil dieser Inhaltsstoff in der Muttermilch enthalten ist.» Das Riechen und Wahrnehmen der Düfte ist sehr in­dividuell, weil jeder jeden Duft anders einordnet. Das «richtige» Parfüm zu verschenken, ist meist ein erfolgloses Unterfangen. Es spielt nämlich eine signifikante Rolle, wer den Duft trägt, für welche Gelegenheit man ihn trägt oder in welcher Jahreszeit. «Auch das Alter, die Kultur und die Religion sind bei der Wahl des Parfüms zentral, oder ob man in einem kühleren Land lebt oder in heisseren Gegenden. In Nordeuropa parfümieren sich die Leute eher dezent, sind dementsprechend auch zurückhaltender. In südlicheren Regionen und im Orient parfümieren sich die Leute dagegen sehr stark.» 

Stebler Parfümerei, Chur

Im Reich der Düfte bei Parfümeur Patrick Stebler in Chur.

Natürliche und synthetische Duftmoleküle
Die vielen Düfte, die in den unterschiedlichsten Flakons um die Gunst der Kunden ringen, unterscheiden sich in Qualität und Intensität. Dies hat damit zu tun, wie viele Anteile verschiedener Inhaltsstoffe zu einem Parfüm verarbeitet worden sind. Als Vergleich: Der Riechstoffanteil in einem Eau de Toilette beträgt rund 7 Prozent, in einem After Shave sind es etwa 3 Prozent, in einem Eau de Parfum 9 Prozent, in einem herkömmlichen Fashion-Parfüm rund 12 Prozent und in einem edlen und teuren natürlichen Parfüm, da­runter finden sich auch viele Nischenparfüms, etwa 43 Prozent. In einem Fashion-Parfüm stecken etwa 60 bis 80 Inhaltsstoffe, viele dieser Stoffe sind jedoch billige synthetische Duftmoleküle. «Die synthetischen Duftmoleküle ändern sich nicht. Daher riechen alle gleich, wenn sie ein Fashion-Parfüm einer Marke tragen. Zudem verpufft der Duft in wenigen Stunden.» Wer zu einem Nischenparfüm oder einem edlen Parfüm greift, erhält durch die natürlichen Inhaltsstoffe und den pH-Wert seiner Haut seinen ganz persönlichen Duft, der auch nach zwei Tagen noch angenehm duftet. Jedes Parfüm, ob Nischen- oder Fashion-Produkt, setzt sich immer aus natürlichen und synthetischen Duftmolekülen zusammen. «Ein authentischer und wunderbarer Duft ist beispielsweise «Acqva di Sale» von Profumum Roma. Dieser Duft, der nach Meer und Ferien duftet, besteht aus nur 3 bis 5 Inhaltsstoffen. Die Konzentration der essenziellen Ölen ist mit 43 Prozent sehr hoch, wodurch dieser Duft besonders lange auf der Haut hält.» Das Parfüm soll Erinnerungen an schöne Momente in den Ferien am Meer und an die trockene Landschaft im Mittelmeerraum wecken. 

Eine ganz besondere Duftkreation aus dem Bündnerland
Nicht ans Meer, sondern an einen nebelbehangenen Herbsttag und das feuchte Moos auf dem Waldboden in Graubünden sollte die eine Duftkreation von Patrick Stebler erinnern. Die Idee zu diesem Duft entstand, als er mit seinem Jugendfreund und Duftfreak die Nischenduftmesse in Florenz besuchte. Nach fast zweieinhalb Jahren intensiver Entwick­lungsphase reiften zwei authentische Bündner Düfte heran – «Odur Pinus» und «Odur Ervas». «Odur ist romanisch und heisst Geruch. Pinus bedeutet Arve. Der besondere Duft nach Herbst hat in seiner Kopfnote Zitrone, Bergamotte, in der Herznote Arvenholz und Patschuli und in der Fussnote Myrrhe, Sandelholz und Ambra.» Der etwas andere Duft, «Odur Ervas», was Kräuter bedeutet, soll an einen sonnigen Badetag am Caumasee erinnern, als die beiden Duftfreunde noch Jugendliche waren. 

Ein Duft, egal ob natürlich oder komplett synthetisch, besteht immer aus einer Kopf-, einer Herz- und einer Fussnote. Die Kopfnote besteht aus leichtflüchtigen Düften wie Zitrone, Bergamotte oder Orange und sind nach Auftragen des Duftes rund fünf Minuten dominant. In der Herznote finden sich blumige Düfte wie Lavendel, Rosa oder Jasmin und sind zwei Stunden dominant. Die Fussnote hat eine Dominanz von vier Stunden und besteht aus Hölzern oder Harz wie Patschuli, Weihrauch oder Ambra, das heute synthetisch hergestellt wird und ursprünglich aus dem Ausscheidungssekret des Pottwals gewonnen wurde.

Auf diesen Duft fahren alle ab
Ein ganz besonderer Duft, der alle anzieht und bei allen äusserst beliebt ist, heisst «Molecule No. 1». «Der Duft ist rein synthetisch hergestellt, besteht aber nur aus einem einzigen Duftmolekül. Selbst nimmt man den Duft kaum wahr, und doch zieht man das ganze Umfeld an, wird von wildfremden Menschen auf der Strasse angesprochen.» Der Duft ist patentiert und wirkt wie ein Pheromon. Wer diesen Duft trägt, der wird nicht nur wahrgenommen, sondern den kann man auch sehr gut riechen. (lb)

01. Dez 2018 / 08:06
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
hierbeimir_Logo_basic
Zu gewinnen ein Gutschein im Wert von 20 Franken von hierbeimir
18.06.2019
Facebook
Top