• Daniela Schwendener und ihr Therapiehündin Ambra vor Ort bei den Kindern.  (Daniel Ospelt)

Mit allen Sinnen um den Menschen bemüht

Mit ihrer Therapiehündin Ambra besucht Daniela Schwendener regelmässig ältere oder kranke Menschen und Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen. Dabei war am Anfang alles andere als klar, dass aus der Buchserin und dem Strassenhund aus Griechenland ein Dreamteam werden würde.
Buchs. 

Es war die Ungewissheit, die sie am meisten quälte. In jeder freien Minute suchte sie, Tag und Nacht. Sie suchte in den Wäldern, auf den Feldern, verteilte Flyer, redete mit Bauern, Jägern, dem Wildhüter, Spaziergängern, den umliegenden Tierheimen. Keiner hatte Ambra gesehen. Seit die Hündin heuer im Oktober beim Spaziergang am Walenstadtberg an einen elektrischen Schafzaun geriet und vor lauter Schreck davonlief, war sie wie vom Erdboden verschluckt. «Alle waren überaus hilfsbereit und überzeugt, dass Ambra nicht weit sein könne. Das gab mir Trost und Hoffnung», erinnert sich Daniela Schwendener. Sechs lange Tage und Nächte vergingen, bis der erlösende Anruf kam: Ambra war wieder da, es ging ihr gut …

Alle Sinne fördern
Zwei Wochen später, Freitagmorgen: Hund und Frauchen haben sich von den Strapazen erholt, sodass sie – wie immer seit zweieinhalb Jahren – gemeinsam den Kindergarten des Heilpädagogischen Zentrums HPZ in Schaan besuchen. In dieser sonderpädagogischen Tagesschule werden Kinder und Jugendliche mit besonderen Lernbedürfnissen gefördert. Es dauert einen Moment, bis Ruhe einkehrt. Nach der Begrüssung darf ein Kind nach dem anderen einen Gegenstand aus Daniela Schwendeners Rucksack klauben. Ein Mädchen packt Ambras Decke aus, sagt: «Ich rolle für Ambra die Decke aus.» Im Rucksack versteckt sind auch noch Leckerlis, eine Bürste, ein Plüschhund und vieles mehr. Alle dürfen einen Gegenstand aus dem Rucksack holen und dabei Ambra erzählen, was sie gerade machen. «Sprachlich beeinträchtigte Kinder lernen über das Tier, sich besser auszudrücken und exakte sprachliche Anweisungen zu geben, was ihr Selbstvertrauen stärkt», weiss Daniela Schwendener, die hauptberuflich als Betreuerin in der Wohngemeinschaft Alpenhof in Walenstadtberg arbeitet. Später dürfen die Kinder Ambra streicheln oder kämmen, was für manche eine grosse Herausforderung darstellt. «Dieser Körperkontakt ist zum Teil ganz schwierig für die Kleinen. Doch durch diese und viele weitere Übungen lernen die Kinder allmählich, sich zu spüren und Ängste abzubauen.» Daniela Schwendener spricht ruhig, lächelt, lobt, hat für alle ein offenes Ohr. Auch Ambra scheint sich wohlzufühlen. Geduldig lässt sie sich anfassen, streicheln, kämmen. Sie achte in ihren Lektionen immer darauf, den Menschen als Ganzes zu sehen und alle Sinne zu fördern. Die Aufgabe erfordere viel Geduld und das Glück liege oft in den ganz kleinen Schritten. Doch wenn sich – so wie neulich – ein Bub, der lange Zeit nicht reden wollte, plötzlich aufrecht vor Ambra hinstelle und von sich aus von eins bis zehn zähle, dann seien das unvergessliche Momente des Glücks. «Ich war so überwältigt, dass ich auf dem Heimweg anhalten und Freudentränen vergiessen musste.»

Daniela Schwendener mit Therapiehund HPZ Schaan 151106

Die Hündin Ambra geht auf die Kinder ein und unterstützt bei der Therapie.

Weder schön noch gepflegt
Seit bald vier Jahren gehen die Schäfer-Bordercollie-Hündin Ambra und Daniela Schwendener gemeinsam durch dick und dünn. Dabei sah es auf den ersten Blick nicht danach aus, als würde aus den beiden ein Dreamteam werden. Nachdem die erfahrende Hundehalterin ihren 14-jährigen italienischen Strassenhund Sämi – Ambra’s Vorgänger – im Dezember 2011 einschläfern musste, wollte sie zuerst keinen neuen Hund mehr anschaffen. Sämi wurde damals in einer Institution von Menschen mit vorwiegend psychischen Problemen eingesetzt, noch ohne Ausbildung. Bei einem Spaziergang dem Rhein entlang fand er 2003 einen Mann, der seit zwei Wochen als vermisst galt. (db)

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30. Nov 2015 / 10:12
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