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    In der Religion sein Glück finden: Zwei Katholische Priester und ein buddhistischer Mönch sprechen über das Glück.  (iStock)

«Wissen, wie man’s richtig macht!»

Die einen vertrauen auf moderne Glücksratgeber, die anderen auf jahrtausendealte Traditionen der Glückssuche: Zwei katholische Priester und ein buddhistischer Mönch sprechen über das Glück.
Vaduz. 

Jeder will es, und am liebsten zu jeder Zeit: glücklich sein. Das Streben nach Glückseligkeit ist ein universelles menschliches Verlangen. Das sagte schon Aristoteles: «Denn das Glück wählen wir stets um seiner selbst willen und niemals zu einem darüber hinausliegenden Zweck.» Doch wie geht das überhaupt, glücklich sein? 
«Was wirklich glücklich macht»,  «Die 4 Happiness-Typen» oder «Am Arsch vorbei geht auch ein Weg»: Versprochen wird auf Buchcovern und in Klappentexten viel. Bei der Masse an alljährlich publizierten Glücksratgebern überrascht es jedoch, dass kaum jemand auf die Frage, ob er denn glücklich sei, mit einem eindeutigen Ja antwortet. Wenn man sich die Freiheit des modernen Menschen in Mitteleuropa und seine schier unendlichen Entfaltungsmöglichkeiten vergegenwärtigt, muss das für Erstaunen sorgen. Während viele also mit Hilfe der Spiegel-Bestsellerliste dem Glück häppchenweise nachhecheln, verlassen sich andere wiederum auf jahrtausendealte ganzheitliche Traditionen der Glückssuche: die Religionen. 

Buddhismus als Suche nach dem ­dauerhaften Glück
Helmut Gassner ist buddhistischer Mönch und administrativer Leiter des Klosters Letzehof in Frastanz. Beinahe 20 Jahre lang war der gebürtige Bregenzer ausserdem Dolmetscher des Dalai Lama im deutschsprachigen Raum. Wer ihn im Kloster aufsucht, steigt zuerst eine steile Treppe hinauf, es geht dann vorbei am Meditationssaal zu seinem Arbeitsplatz auf dem Dachboden, wo Gassner Besucher empfängt. Mit dem Glück beschäftigt er sich tagtäglich. «Denn der Buddhismus hat nur einen Inhalt: den Weg zum Glück», sagt er. «Die Mehrheit der Menschen ist gefangen in einem Zustand des Unglücklichseins.» Obwohl es einem materiell gut gehe, sei man ständig unzufrieden, mal mit dem Essen, den Nachbarn und dann wieder mit dem Wetter oder der Politik.  Die kurzen Glücksmomente, die man trotzdem verspüre, seien flüchtiger Art. 
«Alle Erfahrungen von Glück, die wir machen, sind Einflüsse von aussen auf unseren Körper und Geist. Gedanken treten auf, die ein Empfinden von Wohlbehagen auslösen. Das ist ein vergängliches, instabiles, unreines Glück», sagt er. Man könne sich aber Gedanken darüber machen, ob es nicht auch etwas gäbe, das darüber hinausreiche. Etwas, das eben dauerhaft sei. Für Gassner hätten tiefgreifende Zweifel den Anstoss für seine eigene Suche dargestellt. Auf die Fragen, die er als junger Mensch gehabt habe, habe die Kultur, in der er aufgewachsen sei, keine Antworten gegeben. So habe er sich dem Buddhismus zugewendet. Gassner spricht ruhig und klar. Er gestikuliert kaum, hört seinem Gegenüber aufmerksam zu und würzt seine Sätze mit Humor.
In der Lehre des Buddhismus wird das Nirwana als Daseinszustand beschrieben, in dem alle Faktoren, die Leid auslösen, aus unserem Geist entfernt worden sind. Das, was in uns Leid auslöst, sind Funktionen des Geistes wie Hass, Eifersucht, Stolz oder Gier. Auf die Frage, ob dieses Glück somit von morgens bis abends anhalte, muss Gassner herzhaft lachen: «Ja, sogar in der Nacht.» 

Doch das verlangt eine Schulung, und zwar ein Geistestraining. Der Dalai Lama nennt den Buddhismus eine Wissenschaft des Geistes. Wenn man den Geist durch Meditation entwickle, so Gassner, könnten die Geistesgifte entfernt werden und man gelange an einen Punkt, an dem man die Wirklichkeit fehlerlos wahrnehme. Normalerweise versperre einem die eigene Vorstellung vom Ich den Zugang. «Das Zentrum aller Überlegungen, die eigene Person, ist uns  Menschen schleierhaft. Solange diese Basis nicht richtig verstanden wird, wird die Wahrnehmung fehlerbehaftet sein. Vielfach sind unsere Auffassungen darüber, was wir selber sind, blosse Projektionen.»   

Geht nicht um Mode, sondern um die Wahrheit
Der katholische Priester Johannes Maria Schwarz durchquerte 26 Länder und legte 13 969 Kilometer in 499 Tagen zurück, um Gott und dem Glück ganz nah zu sein. Seine Reise führte ihn von Liechtenstein bis Jerusalem. Der junge Priester fällt hierzulande auf: kahlgeschorenes Haupt, Vollbart und oft zu Fuss mit Rucksack unterwegs. Ein Hipster, könnte man meinen. 
Doch mit Mode hat sein gewählter Lebensstil nichts zu schaffen. Er ist auf der Suche nach der Wahrheit: «Dort, wo sich der Mensch nach der höchsten Wahrheit und nach dem höchsten Gut ausstreckt, betritt er nicht nur den Weg des Glücks, sondern auch den Weg der Religion. Denn die höchste Wahrheit und das höchste Gut ist Gott selbst», sagt Priester Schwarz recht feierlich. Er hat bereits mit 20 Jahren eine erste Pilgerreise nach Santiago de Compostela unternommen. «Es war wunderbar, einfach zu gehen ohne Rucksack und Geld, und einfach auf Gott zu vertrauen», sagt er. 
Der christliche Glaube lehre, dass diese höchste Wahrheit und dieses höchste Gut für den Menschen in Christus erreichbar geworden sei, aber nicht aus der eigenen schwachen und gefallenen Natur heraus, sondern aus der Gnade. Flüchtiges Glück gebe es zwar in dieser Welt, das vollkommene finde man aber erst bei Gott. Und Schwarz zitiert aus dem Gedächtnis Augustinus: «Unruhig ist unser Herz, bis es ruht, O Gott in dir.» 
Das sieht auch der Nendler Kaplan Michael Wimmer so: «Ein dauerhaftes Glücksgefühl ist in dieser Welt wohl kaum möglich. Aber beim Glück geht es nicht nur um das Gefühl. Dauerhaftes Glück gibt es nicht, ohne dass man sich andauernd um das Glück und das innere Wachstum bemüht. Es ist ein lebenslanger Weg und nicht, wie man vielleicht hoffen würde, ein einmal erreichter Zustand.»

Künstliches Paradies heisst künstliche Glückseligkeit
Wäre es da nicht viel einfacher, sich gleich den künstlichen Paradiesen hinzugeben: Drogen, Glücksspiel und Fernsehkonsum? Helmut Gassner erklärt: «Momentane Empfindungen von Wohlbehagen treten wahrscheinlich auf. Doch es bleibt ein vergängliches Glück. Man wurstelt immer so ein bisschen am Glück herum, doch was bleibt am Ende des Lebens? Nichts.» Priester Schwarz meint: «Ein künstliches Paradies schenkt eben nur eine künstliche Glückseligkeit.» 
Welche Zweifel gibt es im Leben eines Gläubigen? «Ich zweifle weniger an der Existenz Gottes oder seiner Lehre, vielmehr aber, ob ich dem entsprechen kann», sagt Wimmer. Auch Priester Schwarz empfindet die eigenen Schwächen und Unvollkommenheiten als schmerzhaft und demütigend. «Ich weiss, dass ich nicht so bin, wie ich sein sollte. Und ich zweifle, dass ich jemals so werde, wie ich sein müsste. Glücklich kann ich darüber nicht sein. Doch auch hier ist es der Glaube, der tröstet und Hoffnung schenkt.» 
Treffen sich in der Suche nach dem Glück also die verschiedenen Religionen? Ja, natürlich. Aber vielmehr müsste man ergänzen, dass alle Bemühungen des Menschen sich darin vereinen. «Man muss halt wissen, wie man es richtig macht», fasst der buddhistische Mönch Gassner zusammen. (rpm)

13. Aug 2019 / 10:10
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