• Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein
    Chefredaktor Patrik Schädler im Interview mit S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein.  (Daniel Schwendener)

«Ich würde nicht grundlegend etwas ­anders machen»

Im traditionellen Interview auf dem Schloss erklärt Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein im Interview mit Chefredaktor Patrik Schädler, welches seine persönlich prägendsten Momente und Schlüsselerlebnisse in den vergangenen 50 Jahren für waren, und welche Herausforderungen insbesondere unser Land dahin gebracht hat, wo es heute steht.
Vaduz. 

Durchlaucht, in diesem Jahr konnten Ihre Eltern ihre goldene Hochzeit feiern. Sie werden im nächsten Jahr 50 Jahre alt. Für die meisten Menschen ein Zeitpunkt, um einen Blick zurückzuwerfen. In 50 Jahren gibt es mehrere Momente, in denen eine grundlegende Veränderung eintritt – sogenannte Wendepunkte. Welches waren für Sie persö

nlich in dieser Zeit die prägendsten Veränderungen oder Schlüsselerlebnisse?
Erbprinz Alois: Aus persönlicher Sicht waren die Hochzeit mit meiner Frau und die Geburt unserer Kinder entscheidende Momente. Ein weiterer solcher Moment, der aber schon eher in das berufliche hineingeht, war die Übernahme der Amtsgeschäfte vom Fürsten.

Wenn man Ihren Lebenslauf anschaut, dann fällt einem Ihre Ausbildung an der Offiziersschule in England auf. Gab es in ­dieser Zeit prägende Ereignisse?
Für viele Menschen ist ja die Zeit vor der Familiengründung prägender für den Verlauf der eigenen Lebenslinien.Die Ausbildung, die ich gewählt habe, hat mich sicher auch geprägt, insbesondere die Zeit damals in der Offiziersschule in Sandhurst und danach beim Regiment. Das war für mich eine Gelegenheit, eine ganz andere Lebensweise und eine ­andere Kultur kennenzulernen. Aber auch in sehr jungen Jahren Erfahrungen beim Führen von Leuten zu machen, hat mir später sehr geholfen. Das Studium in Rechtswissen­schaften und die Arbeit in der Privatwirtschaft waren auch prägend und haben mir das Verständnis für das Juristische und die wirtschaftlichen Abläufe mitgegeben.

Sie haben Ihr Studium angesprochen. Gab es irgendein Thema oder eine Vorlesung, die Ihnen in besonderer Erinnerung geblie­ben ist oder sie gar geprägt hat?
Ja. Ich hatte Völkerrecht als Freifach gewählt und dort einen Professor gehabt, der gleich in der ersten Vorlesung gesagt hat: «Sie müssen wissen, Völkerrecht ist das Recht des Stärkeren.» Später habe ich dann realisiert, dass dieser Satz gerade aus Sicht eines Kleinstaates viel Wahres an sich hat.

Als Erstgeborener war Ihre Rolle bereits seit Geburt bestimmt. Dadurch konnten Sie viele Entscheidungen nicht aus eigenen Stücken treffen. Gibt es Dinge, die Sie gerne gemacht hätten? Sprich Wendepunkte oder Momente, in welchen Sie gerne völlig frei entschieden hätten, in welche Richtung sich Ihr Leben entwickelt?
Eine solche vorbestimmte Rolle hat seine Vor- und Nachteile. Bei mir war es glücklicherweise so, dass ich die Aufgabe des Staatsoberhauptes immer schon als spannend und sehr ­abwechslungsreich empfand und mich dafür interessiert hatte. Höchstwahrscheinlich hätte ich ohnehin eine Laufbahn im ­juristischen oder wirtschaftlichen Bereich gewählt. Ausserdem musste ich mich aufgrund der vorbestimmten Rolle auch nie um meine Karriere Sorgen machen. Ein Nachteil dieser Rolle ist, dass man von jung auf stärker unter Beobachtung steht und es dadurch schwieriger ist, gemeinsam mit Kollegen über die Stränge zu schlagen. Allerdings habe ich dies persönlich nicht als grosse Einschränkung empfunden, weil ich von meinem Typ her auch nie ein grosses Bedürfnis in diese Richtung hatte.

Wenn man im Leben an einen Wendepunkt kommt, kann das Resultat auch eine Umkehr sein. An welchen Punkten würden Sie heute rück­blickend umkehren oder anders entscheiden, wenn Sie könnten?
Wenn ich mir die grossen Wendepunkte anschaue, dann würde ich nicht etwas grundlegend anders machen. Aber ­natürlich findet man immer irgendwelche Bereiche, wo man im Nachhinein schlauer ist. 

Wenden wir uns dem Land Liechtenstein zu. Vor fünfzig Jahren sah unser Land noch völlig anders aus und zwar in allen Bereichen. Heute kann man sagen, dass insbesondere in dieser Zeit der Aufstieg vom Bauernstaat zum wohlhabenden Wirtschaftsstandort und Finanzplatz stattgefunden hat. Heute wird dieser rasante Aufstieg von vielen auch kritisch ­gesehen, da er dazu geführt habe, dass sich viele Liechten­steiner nur noch über das Materielle und den Wohlstand ­identifizieren – und damit auch die Angst, diesen Wohlstand zu verlieren. Wie sehen Sie das?
In meinen Gesprächen stosse ich auch immer wieder auf dieses Thema. Es ist auch nicht ungewöhnlich. Andere Nationen und Kulturen, die durch ähnliche Entwicklungen gingen, hatten ähnliche Herausforderungen. Die alten Wurzeln gehen verloren und es braucht Zeit, bis neue gefunden werden. Rein materielle Kriterien sind keine guten und nachhaltigen Wurzeln. Das Vermögen kann schnell einmal weg sein – spätestens jedoch am Ende des Lebens. Obwohl der Wohlstand auch grosse Vorteile mit sich gebracht hat, hat er viele nicht glücklicher gemacht. (sap)

Lesen Sie das vollständige Interview im diesjährigen Staatsfeiertagsmagazin.

11. Aug 2017 / 14:26
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