• Christoph Frommelt beim Aufbau der Fürstenkrone auf Tuass.
    Christoph Frommelt beim Aufbau der Fürstenkrone auf Tuass.  (pd)

Der Entfacher der Feuerkrone

Seit 1970 hat er kein einziges Mal das Anzünden der Feuerkrone auf Tuass verpasst. Man kann sagen: Christoph Frommelt ist eins geworden mit dieser feurigen Tradition am Staatsfeiertag. Die grösste Freude des Organisators ist es, dabei zu sehen, wie der Funke Leidenschaft für dieses alte Brauchtum auf die junge Generation überspringt.
Schaan. 

Knapp sechs Jahre war er alt, als ihn sein Vater Anton Frommelt zum ersten Mal mit zum Aufbau der Feuerkrone genommen hat – und damit seine Faszination für dieses Ritual entfachte. «Der 15. August war ein riesiger Spass für uns Kinder», erinnert sich Christoph Frommelt. «Allein die Fahrt in die Lawena war toll, wenn wir hinten auf der Ladefläche sitzen durften. Am Nachmittag rutschten wir auf Schindeln den Hang hinunter – bis es eindunkelte und wir mithelfen durften, die Feuer zu entzünden.» Die gleiche Begeisterung, die er damals spürte, sieht Christoph Frommelt heute in den Augen der zahlreichen Helfer und Kinder leuchten. «Es ist wunderbar, mit welch unglaublichem Elan sich die jungen Menschen dafür engagieren», sagt er. «Das ist nicht selbstverständlich in unserer schnelllebigen Zeit, in der viele den Bezug zu Traditionen verlieren.» Um die Feuerkrone bis ins Land leuchten zu lassen, werden auf Tuass jährlich 110 Feuerstellen mit insgesamt 1200 Wachsfackeln errichtet. «Es waren mein Vater und Eugen Frick, die 1956 zum ersten Mal die Feuerkrone mit Messgeräten absteckten», weiss Christoph Frommelt. «Ihre Vermessung hat bis heute Gültigkeit.» Feierlicher Anlass für die Bergrettung, die Tradition der Feuerkrone an diesem Standort neu aufleben zu lassen, war damals der 50. Geburtstag von Fürst Franz Josef II. sowie das 150-Jahre-Souveränitäts-Jubiläum.

Ein langjähriges Ritual

Er ist ein Traditionsfreund und ein Geschichtsinteressierter. Geht es um die Herkunft der Brauchtümer am Staatsfeiertag, weiss Christoph Frommelt viel zu erzählen: «Der Ursprung der Feuerkrone führt eigentlich gar nicht auf den Staatsfeiertag zurück, sondern auf die damalige politische Situation im Land. Die erste Feuerkrone in Liechtenstein brannte bereits 1933, sieben Jahre vor Einführung des Staatsfeiertags. Die Pfadfinder wollten damals mit der Feuerkrone und den Höhenfeuern ein Gegengewicht zu den Hakenkreuz-Feuern setzen, welche die nationaldeutsche Bewegung und die Hitlerjugend im ganzen Land entzündeten.» Die Feuer waren also ursprünglich eine patriotische Kundgebung und eine Demonstration gegen die aggressiv auftretende nationaldeutsche Bewegung. Erst 1941 bewilligte die Regierung dem Pfadfindercorps, Höhenfeuer auch zu Ehren des Fürstengeburtstages zu veranstalten.
Seit 1954 liegt die Verantwortung und Organisation der Höhenfeuer, der Feuerkrone und des Fackelzugs über den Fürstensteig in den Händen der Bergrettung. «Ich bin seit 25 Jahren der Organisator der Krone, sehe mich deswegen aber nicht als Chef auf dem Platz», gibt sich Christoph Frommelt bescheiden. «Ich bin ein kleines Zahnrad im gesamten System. Das kleine Mädchen, welches ein Feuer anzündet, leistet einen mindestens so wichtigen Beitrag wie ich.»
Der Ablauf ist bereits Tradition: Drei Tage vor dem Staatsfeiertag transportiert die Bergrettung die rund 1200 Wachsfackeln an ihren Bestimmungsort. So ist das Material schon auf Tuass, wenn sich die Bergretter und freiwilligen Helfer am Stichtag in Triesen versammeln, um gemeinsam zum Kohlplatz zu fahren. Von dort aus geht es zu Fuss weiter. «In Tuass angekommen, mähen wir die Feuerstellen aus, platzieren in deren Mitte einen Pfahl und ste-cken rund 12 Fackeln rundherum», erklärt Christoph Frommelt.
Dabei war die Bestimmung dieser Feuerstellen in den Anfangsjahren um einiges einfacher. «Als Brennmaterial vermischten wir damals Sägemehl und Nitrolack-Reste», erzählt Christoph Frommelt. «Die dadurch entstandenen Brandlöcher waren im Folgejahr noch deutlich sichtbar.» Seit 1990 das Nitro-Gemisch aus umwelttechnischen Gründen durch Wachsfackeln ersetzt wurde, sieht man diese Bodenverletzungen nicht mehr. «Das bedeutet, man muss die Eck-
punkte genau kennen – was ich zum Glück tue. Hier zählt die Erfahrung», sagt Christoph Frommelt. Um 21 Uhr erhält dann jeder der Helfer einen Feuerstab und pünktlich um 21.15 Uhr brennt die gesamte Feuerkrone – zeitgleich mit den Höhenfeuern und den Fackeln der Fürstensteig-Wanderer. «Es ist jedes Mal ein ehrfürchtiger Moment», schwärmt der Schaaner. «Und die Stimmung ist immer super, wenn alle Helfer anschliessend gemeinsam Richtung Tal fahren, wo uns das Land traditionsgemäss ein Abendessen spendiert.»

Die Fürstenkrone auf Tuass wird bei Einbruch der Dunkelheit entzündet.

Viele Erinnerungen

40 Staatsfeiertage verbrachte Christoph Frommelt auf Tuass. Eigentlich wären es 41 gewesen, hätte man nicht die Feuerkrone einmal aufgrund des Wetters abgesagt. «Es war das einzige Mal, dass ich den Abend im Vaduzer Städtle verbrachte«, erinnert sich der Bergretter. «Als es dann um 21 Uhr zu regnen aufhörte und der Himmel aufriss, ärgerten wir uns enorm. Wir schworen uns, das würde uns nicht mehr passieren. Seither versammeln wir uns jedes Jahr auf Tuass – egal, wie schlecht die Wettervorhersage auch sein mag.»
In so vielen Jahren haben sich zahlreiche Erlebnisse im Gedächtnis von Christoph Frommelt eingebrannt. «Als Kinder rutschte uns einmal eine Nitro-Kanne den Hang hinunter», erzählt er schmunzelnd. «Das löste eine grosse Aufregung aus, weil wir nicht wussten, was das für einen Effekt haben würde. Zum Glück ist nichts passiert.» Grundsätzlich sei es in seiner Jugend wilder zu und her gegangen. «Mein Onkel zelebrierte einen Feuertanz und sprang über das Feuer – nicht ungefährlich» lacht der 51-Jährige. «Und die Älteren zogen sich gerne in die Hütten zurück, wo sie den einen oder anderen Schnaps über den Durst tranken.»
Während er die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Feuerkrone stets selbst im Auge behalten konnte, bereiteten ihm die Höhenfeuer schon mehr Kopfzerbrechen. «Es ist nicht ungefährlich, in der Nacht bei schlechten Wetterbedingungen unterwegs zu sein», sagt Christoph Frommelt. «Als Bergrettungs-Chef trägt man die Verantwortung für rund 30 Bergretter. Da gilt es, das Risiko abzuwägen.» Einen Unfall gab es allerdings nie – nur den einen oder anderen Zwischenfall. «Einmal kam ein Bergretter nicht mehr zurück und wir schickten einen Suchtrupp los», erinnert sich Christoph Frommelt. «Gefunden haben wir ihn schliesslich in einer Hütte. Er hatte ein Mädchen mitgenommen und die Romantik der Stunde genutzt. Damit wurde er natürlich zum Gespött der ganzen Truppe.» Ein anderes Mal löste eines der bengalischen Feuer oberhalb der Sücka einen Brand aus – einen unterirdischer Brand. «Die Fackel, welche in den Steinen steckte, entzündete das Moos darunter. Wir mussten die Stelle mithilfe der Feuerwehr grossflächig aufschaufeln.» (ne)

Lesen Sie das vollständige Porträt von Christoph Frommelt im aktuellen Staatsfeiertagsmagazin.

14. Aug 2015 / 06:00
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