• Erbprinz Alois
    Erbprinz Alois beim Interview auf dem Schloss.  (Elma Korac)

«Damit der Lebensbaum Liechtenstein auch künftig blüht, braucht es weitere Reformen»

«Damit der Lebensbaum Liechtenstein weiterhin blüht», sind nach Ansicht von Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein weitere Reformen notwendig. Dabei sollten Regierung und Landtag vor allem das Ziel verfolgen, «den Staatshaushalt auszugleichen, unsere Sozialversicherungssysteme finanziell nachhaltig zu gestalten und unser Bildungssystem weiter zu verbessern».

Durchlaucht, das diesjährige Staatsfeiertagsmagazin des «Liechtensteiner Vaterlands» ist dem Thema «Lebensbaum Liechtenstein» gewidmet. Welche Symbolik verbinden Sie ganz persönlich mit dem Baum?
 
Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein: Persönlich sehe ich den Baum eher von der praktischen Seite. Bäume erfreuen das Auge und das Gemüt. Sie sind aber auch ein lebensnotwendiger Teil unserer Umwelt und überdies ein wichtiger Rohstoff.
 
Haben Sie allenfalls einen Lieblingsbaum, der Ihnen aufgrund bestimmter Eigenschaften besonders zusagt?
 
Nein.
 
Mit Blick auf den Guts- und Forstbetrieb Wilfersdorf und den Forst Kalwang haben Bäume bzw. Holz auch eine wirtschaftliche Bedeutung für das Fürstenhaus. Weshalb setzt das Fürstenhaus auf solche Betriebe?
 
Das Fürstenhaus ist schon seit Jahrhunderten in der Forstwirtschaft tätig. Heute führen wir diese Tradition weiter und sehen die Forstwirtschaft gleichzeitig auch als eine gute Möglichkeit der unternehmerischen Diversifikation.
 
Wenn wir in der Symbolsprache bleiben, was sind für Sie die Wurzeln, der Stamm, die Äste und die Krone des «Lebensbaums Liechtenstein»?
 
Wenn man den Baum auf den staatlichen Bereich als Symbol anwenden möchte, fällt mir spontan die Rechtsordnung ein. Die Wurzeln sind die allgemeinen Rechtsgrundsätze, der Stamm ist die Verfassung, die Äste sind die verschiedenen Gesetze und die Krone sind dann die Verordnungen und sonstigen Rechtsvorschriften, die von diesem Rechtsgebilde ausgehen.
 
Welche Bedeutung hat das Fürstenhaus bzw. die Monarchie im Hinblick auf das Wachsen und Gedeihen des «Lebensbaums Liechtenstein»?
 
Das Fürstenhaus hat eine wichtige Rolle, was das Wachsen und Gedeihen Liechtensteins betrifft. Es ist dabei aber auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Volk bzw. dessen Vertretern angewiesen.
 
Durchlaucht, am 15. August 2004 wurden Sie von Ihrem Vater zur Vorbereitung der Thronfolge als Stellvertretendes Staatsoberhaupt eingesetzt. Wenn Sie nun die vergangenen zehn Jahre Revue passieren lassen, sind Sie dann zufrieden mit dem Erreichten?
 
Ja.
 
Gibt es politische Agenden, bei denen Sie im Rückblick sagen, dass es da und dort besser hätte laufen können?
 
Es gibt vor allem Agenden, bei denen ich mir erhofft hätte, dass wir schneller Fortschritte erzielen. Allerdings musste ich feststellen, dass die Geschwindigkeit in der Politik viel langsamer ist als im Bereich der Wirtschaft. Im Unterschied zum Unternehmen müssen viel mehr Personen in die Entscheidungsfindung eingebunden werden, weil eine breitere Akzeptanz nötig ist und Fehlentscheidungen nicht nur ein einzelnes Unternehmen sondern einen ganzen Staat treffen. Wenn nicht die Umstände drängen, kann es lange dauern, bis genügend Personen von der Richtigkeit und Wichtigkeit einer Sache überzeugt sind. So habe ich beispielsweise gleich zu Beginn der Übernahme der Aufgaben des Staatsoberhauptes das Thema Staatsaufgaben angesprochen. Die Zeit dafür, sich darüber vertiefter Gedanken zu machen, scheint in der Politik aber erst heute reif zu sein.

Die vermögensrechtliche Entflechtung von Kirche und Staat auf Gemeindeebene dürfte demnächst abgeschlossen werden können. Damit wäre eine wichtige Voraussetzung für den Abschluss des Konkordats gegeben. Allerdings stösst das Konkordat nach wie vor auf Widerstand. Wie sehen Sie die Chancen, dass die auf den drei Säulen Staatsvertrag, Verfassungsänderung und Religionsgemeinschaftengesetz beruhende Lösung bald einmal definitiv verabschiedet werden kann?
 
Meiner Ansicht nach bestehen vor allem bei einem noch etwas geänderten Konkordat Chancen. Die Regelung der Aufenthaltsbewilligung für Geistliche im bisherigen Entwurf könnte beispielsweise zur Vermeidung einer extensiven Interpretation einer neuen Formulierung weichen. Auch eine Änderung der Kündigungsklausel könnte helfen.
 
Durchlaucht, wie sollten Regierung und Landtag in der laufenden Legislaturperiode die Bedingungen für den «Lebensbaum Liechtenstein» gestalten, damit dieser weiterhin blühen und gedeihen kann und seine Äste reichlich Früchte tragen?
 
Damit der Lebensbaum Liechtenstein weiterhin blüht, sollten Regierung und Landtag vor allem die nötigen Reformen durchziehen, um den Staatshaushalt auszugleichen, unsere Sozialversicherungssysteme finanziell nachhaltig zu gestalten und unser Bildungssystem weiter zu verbessern. (Interview: güf)

 

01. Sep 2014 / 17:13
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