• Büne Huber von Patent Ochsner
    «Natürlich ist es schön, wenn man merkt, dass das Publikum mitmacht.»  (Daniel Schwendener)

«Zu viel Alltag tut mir nicht gut – da werde ich komisch»

Niemand kreiert so schöne Bilder wie er, niemand beflügelt die Fantasie der Zuhörer mit solch einer Leichtigkeit. Büne Huber, Frontmann von «Patent Ochsner», gehört seit über 20 Jahren zu den ganz Grossen im Schweizer Musikbusiness. Und mit 53 Jahren will er es nochmals wissen. Nach dem Tief, das er nach der Trennung von seiner Frau durchleben musste, trifft er seine neue Liebe, wird zum zweiten Mal Vater, geht mit dem Album «Finitolavoro» auf Tournee und kehrt dem Alkohol den Rücken. «Ich muss geschmeidig bleiben», sagt er. «Das bin ich meiner Familie schuldig.» Ein Mann mit grossem Herzen im Interview.
Vaduz. 

Büne Huber, Sie treten mit «Patent Ochsner» regelmässig im Alten Kino in Mels auf – so auch auf Ihrer aktuellen «Finitolavoro»-Tournee. Was verbindet Sie mit diesem kleinen Ort am Rande der Schweiz?
Büne Huber: Ich machte in jungen Jahren eine Lehre als Metallbauschlosser in Bern. Und zwei meiner Lehrlingskollegen stammten aus dieser Region – einer aus Mels, der andere aus Bad Ragaz. Zwar haben sich unsere Wege nach der Lehre getrennt, aber immer, wenn ich in Mels auftrete, kommen sie an mein Konzert und wir treffen uns anschliessend. Das hat schon Tradition.

Pflegen Sie auch eine Beziehung zu Liechtenstein?
Ich war schon oft in Liechtenstein, aber als Berner wird es mir da schnell langweilig. Was das Skifahren anbelangt, habe ich jedoch – als Büxi noch fuhr – Liechtenstein immer mehr die Daumen gedrückt als der Schweiz. Mittlerweile sind wir auch befreundet.

Sie treten auf die Bühne, beginnen zu singen und das Publikum liegt ihnen zu Füssen. Wie fühlt sich das an?
Natürlich ist es schön, wenn man merkt, dass das Publikum mitmacht. Aber es wäre falsch zu denken, dass ich mich auf der Bühne immer wahnsinnig sicher fühle. Ich muss zugeben, dass mir der Schritt auf die Bühne mit zunehmendem Alter nicht leichterfällt. Ein gutes Beispiel ist das Gurtenfestival im letzten Sommer. Ich hatte das Gefühl, in meinen ganzen 20 Jahren Musikkarriere noch nie so starkes Lampenfieber gehabt zu haben. 

Wie erklären Sie sich diese Faszination, welche Musiker auf ihre Zuhörer ausüben. Denken Sie, das hat damit zu tun, dass Musiker noch zu den letzten Rebellen gehören, die sagen dürfen, was sie denken? 
Haben Sie dieses Gefühl? Ich empfinde es gerade umgekehrt. Wenn ich all die online-Kommentarspalten zu unterschiedlichen Themen lese, scheint jeder «Füdli-Bürger» das Bedürfnis zu haben, seinen Senf abgeben zu müssen. So, als wäre seine Meinung unglaublich wichtig. Durch die Anonymität im Netz häufen sich gehässige und bösartige Kommentare – gerade auch im Hinblick auf die Wahlen in der Schweiz. Diese Plattformen werden heute zudem von den Parteien genutzt, um Meinungen zu bilden. Das finde ich sehr befremdlich.

Da haben Sie sicherlich recht. Dennoch gibt es meiner Ansicht nach einen Unterschied, ob eine Privatperson anonym seine Meinung abgibt oder ob dies ein Künstler auf der Bühne macht. 
Es stimmt natürlich, dass die Worte mehr Gewicht bekommen, sobald Büne ans Mikrofon tritt. Von verschiedenen Seiten wurde mir auch schon angeraten, gewisse Sachen an meinen Konzerten nicht zu sagen. 

Meinen Sie da zum Beispiel Worte wie «Arschloch» – welches Sie im Zusammenhang mit dem Schweizer Ex-Topmanager Daniel Vasella verwendeten.
Halt! Haben Sie gehört, wie trickreich ich das formuliert habe? Ich sagte: «Es gibt Leute, die sagen, dass Daniel Vasella ein zynisches Arschloch ist.» 

Dann achten Sie also darauf, dass man Sie nicht festnageln kann?
Ich versuche zumindest, juristisch nicht angreifbar zu sein. Aber man kann es drehen oder wenden, wie man will: Ich finde es zynisch und dreckig, was Daniel Vasella macht. Er kassiert hier Millionen und haut am Ende aus steuertechnischen Gründen nach Monaco ab, um in einer 24-Millionen-Villa zu hausen. Offenbar fühlt er sich in keinster Weise verantwortlich für die Gesellschaft, aus der er herausgewachsen ist. Ich will, dass die Menschen das zumindest hören. 

Sie wollen die Menschen aufrütteln?
Ich weiss nicht, ob Aufrütteln das richtige Wort ist. Es geht mir nicht darum, die Menschen von meiner Meinung zu überzeugen. Ich halte es aus, wenn Leute anders denken und andere Werte haben als ich. Da bin ich mit den Jahren versöhnlicher geworden. Aber warum geben wir uns immer mit der erstbesten, blöden Antwort zufrieden, die uns irgendjemand gibt – nur weil sie uns gerade in den Kram passt? Die aktuelle Flüchtlingstragödie ist das beste Beispiel. Ich finde es sehr beunruhigend, dass reaktionäres Gedankengut – ich würde sogar so weit gehen, es rechtsextremes Gedankengut zu nennen – Mainstream wird. Wenn ich auf der Bühne Position beziehe, will ich meinem Publikum eigentlich nur eines sagen: Ich wünschte mir, in einer Gesellschaft zu leben, in welcher die Menschen freundlich, herzlich und klug sind und etwas sensibler mit sich, ihrem Gegenüber und mit gesellschaftlichen Fragen umgehen. 

Liest man Interviews von Ihnen, stösst man immer wieder auf Aussagen wie, dass es Sie zum Exzess zieht ...
Nein, nein. Das mit den Exzessen ist vorbei. Es gab eine Zeit, da kamen sie häufig vor, aber ich musste mich bremsen. Schliesslich bin ich mit 53 Jahren nochmals Vater geworden. Mein Bub ist Anfang September geboren und deshalb war ich auf der letzten Tournee absolut alkoholfrei. 

Macht die Verantwortung, noch einmal die Vaterrolle übernehmen zu müssen, auch etwas Angst?
Ich habe nicht mehr Angst, als ich sie bei der Geburt meiner ersten Tochter Hannah verspürte. Verantwortung übernehmen bedeutet ja nichts anderes, als dass man sorgfältig mit sich umgehen muss, um einer bestimmten Rolle entsprechen zu können. Aber natürlich mache ich mir meine Gedanken, weil ich ja doch ein alter Vater bin. Ich muss darauf achten, geschmeidig und gesund zu bleiben. Das bin ich meinem Bub schuldig – und auch meiner Frau. Fest steht: Mein Privatleben beglückt mich wahnsinnig. 

Sie sind nochmals Vater geworden, Ihr Album «Finitolavoro» ist abgeschlossen und sie trinken nicht mehr. Das hört sich nach einem Neubeginn an.
Das ist es. Es hat eine Zäsur in meinem Leben stattgefunden. Nach der Trennung von meiner Frau bin ich tief getaucht. Die Phase der Ablösung war lang, aber als ich sie überwunden hatte, trat eine neue Liebe in mein Leben. Durch sie kam eine wahnsinnig starke Kraft in mein Leben, welche auch die Kinderfrage mit sich brachte. 

War es für Sie schwer, nach der Enttäuschung Ihrer ersten Ehe nochmals Vertrauen in eine Beziehung zu fassen?
Das war in den sechs Jahren schwierig, in welchen ich mich noch nicht wirklich von meiner vorherigen Beziehung loslösen konnte. Als ich diesen Schritt dann vollzogen hatte, war es plötzlich ganz leicht. Es gibt sie, diese Märchenmomente. Wenn die Tür aufgeht, jemand reinkommt und blitzschnell klar ist: Wenn diese Frau mit mir zusammen sein will, dann werden wir ein Paar. Genau so ist es mir mit meiner jetzigen Frau passiert. Noch am selben Tag, als ich sie das erste Mal getroffen habe, habe ich meiner Tochter erzählt: Ich habe mich verliebt. Und dabei wusste ich noch nicht mal, ob die Frau überhaupt an mir interessiert war. (ne)

Lesen  Sie das vollständige Interview in der aktuelle «lifestyle»-Ausgabe.

04. Apr 2016 / 08:34
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