• Fussball Super-League: FC Vaduz - FC Luzern
    FC Vaduz Präsidentin Ruth Ospelt, Mitte, lud Flüchtlinge vom Flüchtlingszentrum in Vaduz zum Spiel gegen Luzern ein.  (Eddy Risch)

Wenn die Gesichter vom Leid erzählen

Sie ist eine Powerfrau im wortwörtlichen Sinn. Ruth Ospelt, die Präsidentin des FC Vaduz, sprüht vor Energie und Schaffenskraft. Dabei schlägt ihr Herz nicht nur für den Fussball, sondern vor allem auch für Flüchtlinge. Für sie steht fest: Wer einmal in die Augen eines traumatisierten Kindes geblickt hat, muss einfach helfen.
Vaduz. 

Wenn sie den Raum betritt, zieht sie die Blicke auf sich. So zierlich sie gebaut ist, so kraftvoll ist ihr Auftreten. Sie strahlt Selbstbewusstsein und Stärke aus – und unglaubliche Power. Anders könnte sie sich in der Männerdomäne Fussball nicht behaupten: Ruth Ospelt, die erneut gewählte Präsidentin des FC Vaduz. Was viele nicht wissen: Mindestens so viel Kraft und Energie, wie sie in den Sport steckt, investiert sie in ihr soziales Engagement. Gerade vor Kurzem verband sie ihre Ferien in Kos mit der Gelegenheit, sich vor Ort ein eigenes Bild von der Flüchtlingssituation zu machen. Gereist ist sie mit einem vollen Koffer an Kleidern für diese Menschen und Geld, um einer gemeinnützige Organisation vor Ort Unterstützung zu bieten. «Die Eindrücke waren heftig», hält sie fest. «Täglich kommen 200 bis 400 Flüchtlinge an der Küste an. Ohne die Hilfe von engagierten Privatpersonen, die sich um die Erstversorgung und die Unterbringung dieser Menschen kümmern, wäre die Situation nicht zu meistern.» Prägende Erfahrungen, mit denen Ruth Ospelt zurückkehrte und die sie erneut in ihrem Einsatz für Menschen auf der Flucht bestärkten. Seit mittlerweile 24 Jahren besucht sie – wann immer sie die Zeit dazu findet – das Flüchtlings- und Asylzentrum in Vaduz, fährt mit den Bewohnern zum Arzt, redet mit dem Heimleiter über die aktuelle Situation und hilft, wo sie kann. Speziell an Festtagen wie Weihnachten oder Ostern ist es ihr wichtig, Anteilnahme zu zeigen. «Aufgrund der Sprachbarrieren kann ich mich zwar nicht mit jedem Einzelnen unterhalten», sagt Ruth Ospelt, «aber Worte sind oft gar nicht nötig. Man liest die Geschichten und Emotionen dieser Menschen in ihren Gesichtern, im Ausdruck ihrer Augen. Den Schock, das Leid, die Erleichterung und auch die Dankbarkeit, dass man ihnen Zeit schenkt.»

Für Ruth Ospelt ist die direkte Hilfe für Flüchtlinge eine Herzensangelegenheit.

Im Einsatz für die Schwachen
Die soziale Ader hat Ruth Ospelt von ihren Eltern geerbt. Sowohl ihr Vater wie auch ihre Mutter hatten ein Herz für die Schwachen, setzten sich für eine gerechtere Verteilung ein – im grossen wie im kleinen Rahmen. «Ab und zu steckte mein Vater Menschen, denen es finanziell nicht so gut ging, eine Zehnernote zu, damit sie sich etwas zu essen kaufen konnten», erinnert sie sich. «Eine kleine Geste, für ihn aber ganz selbstverständlich.» Diese sozialen Strömungen ihrer Eltern beeinflussten sie stark, und so setzte sie sich schon in jungen Jahren für Benachteiligte ein – egal ob auf dem Spielplatz oder in der Schule. Als sie volljährig wurde, zog es Ruth Ospelt in die Ferne. Sie wollte die Welt kennenlernen, andere Kulturen erleben. So machte sie einen Sprachaufenthalt in Frankreich, arbeitete ein paar Monate erst als Babysitterin in den USA, dann in einem Ferienlager in Kanada, besuchte Gambia und reiste ein Jahr mit dem Rucksack quer durch Zentralamerika. «Vor allem mein Ruck- sackjahr war eine sehr intensive Zeit, die mich geprägt hat», weiss die Vaduzerin. «Ich habe die Armut mit eigenen Augen gesehen. Und besonders beeindruckt hat mich dabei, dass gerade diejenigen, die am wenigsten hatten, die Grosszügigsten waren und ihr Weniges noch mit mir geteilt haben.» Zurück in Liechtenstein, wusste die damals 32-Jährige, dass sie sich noch stärker für einen sozialen Zweck engagieren wolle. Ein Vorhaben, für das sie bald die Ge- legenheit erhielt. 1991 kam es zum Bruch Jugoslawiens und die verheerende Flüchtlingssituation führte zur Gründung des heutigen Aufnahmezentrums in Vaduz. «Ich meldete mich sofort und bot meine Hilfe an», sagt Ruth Ospelt. (ne)

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02. Dez 2015 / 06:00
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