• Grossraumbüro
    Grossraumbüro hat das Einzelbüro abgelöst  (tinataubert)

Grossraumbüro versus Einzelzimmer

Wer kennt sie noch? Die langen Flure der Old-School-Gebäude, von denen links und rechts die Bürozimmer abgehen. Wer genau hinter den Türen sitzt, weiss man aufgrund eines Namensschilds oder schlicht aus Erfahrung. Was genau die Leute da hinter der Tür machen, bleibt den meisten verschlossen. Das moderne Bürodesign hat den Eigenbrötlern den Kampf angesagt. Offen, transparent und kommunikativ soll die Bürowelt von heute sein – oder anders gesagt: Dem Grossraumbüro gehört die Zukunft. Doch ist das wirklich die beste Lösung?
Vaduz. 

Auch wenn Grossraumbüros auf dem Vormarsch sind, sie scheiden die Geister der Mitarbeiter. So äussern Gegner Argumente wie «zu laut», «zu einheitlich ». Es werde zusammengeworfen, was nicht zusammengehört. Konflikte zwischen Dauerfröstlern und Frischluftfanatikern sind vorprogrammiert. Während der eine das Fenster an kalten Tagen am liebsten zutackern würde, reisst es der andere bei jeder Gelegenheit auf. Ebenso stehen Reibereien zwischen den extrovertierten «Ins-Telefon-Schrei»-Typen und den Ruhe suchenden Konzentrationsmenschen auf dem Tagesplan. Auch starke Parfümnoten können bei empfindlichen Nasen einen wahren Niesanfall hervorrufen. Irgendwie kommt es einem vor, dass genau die, welche die Grossraumbüros so toll finden, immer selbst in einem Einzelzimmer mit schönem Fensterpanorama sitzen. Geht es beim Grossraumbüro nur um das Geld, weil es einrichtungstechnisch schlicht die günstigste Variante ist?

Alles nur schlecht?

Eine australische Studie hat mehrere internationale Untersuchungen über Büroformen analysiert. Das Urteil ist vernichtend: 90 Prozent bewerten das Grossraumbüro negativ für Psyche und Gesundheit. Die Beschäftigten sind dort schneller gestresst, häufiger erkältet und insgesamt weniger produktiv als in kleineren Arbeitseinheiten. Durch die Reizüberflutung, den Verlust von Privat-sphäre und dem Gefühl der ständigen Überwachung würde weniger geleistet. Ausserdem entstehe durch ständige Störung eine gereizte Atmosphäre und Unzufriedenheit. Die viel gelobten, kurzen Kommunikationswege, die spontane Einbindung der Kollegen in Arbeitsabläufe, ein ständiger Ideen- und Erfahrungsaustausch würden im Alltag kaum stattfinden. Zu ebenso ernüchternden Ergebnissen kam eine Studie in der Schweiz im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft. Kann man also pauschal festhalten, dass das Grossraumbüro leistungsfeindlich ist? Nein, ganz so einfach ist es nicht.

Es hängt von der Arbeit ab

Arbeitspsychologen haben herausgefunden, dass es von der Art der Arbeit abhängt, wie die Bürogrösse sich auswirkt: Ohne Zweifel werden Konzentrations- und Entscheidungsaufgaben durch die Unruhe in einem grossen Büro eher behindert. Dann bedeutet die lebhafte Umgebung und die Reizüberflutung Stress für das Gehirn. Und Stress hat über einen längeren Zeitraum negative Auswirkungen auf die Gesundheit, Psyche und Motivation der Belegschaft. Bei Routinetätigkeiten steigt jedoch die Produktivität, wenn viele Menschen in einem Raum arbeiten. Vorteilhaft ist das Grossraumbüro auch dann, wenn die Mitarbeiter beispielsweise am gleichen Projekt arbeiten oder einen ähnlichen Aufgabenbereich haben und dadurch ein intensiver Austausch erforderlich ist. Kreative Prozesse können durch den ständigen Input richtig angekurbelt werden. In diesen Fällen bietet das Grossraumbüro den Vorteil der kürzeren Kommunikationswege und erleichtert die Kooperation und Kommunikation untereinander.

Wenn schon, dann richtig

Soll ein Grossraumbüro die Produktivität der Mitarbeiter fördern, gilt es einige Regeln zu beachten. So sagen Fachexperten, dass – egal, ob es sich um ein Einzelzimmer oder ein Grossraumbüro handelt – jedem Arbeitnehmer rund zehn Quadratmeter Raum zustehen sollte. Auch der Lärmpegel dürfe eine bestimmte Dezibelzahl nicht überschreiten, sondern sollte etwa derjenigen eines normalen Gesprächs entsprechen.
Grosse Fenster, Tageslicht und helle Räume sind in vielen Büroräumen keine Selbstverständlichkeit. Meist ist Kunstlicht auch im Sommer ein Muss, um den Arbeitsplatz ausreichend zu beleuchten. Dabei fördert Tageslicht die Leistungsfähigkeit. Hauptvorteil: Es entwickelt mehr Helligkeit als Kunstlicht und variiert im Lauf des Tages. Dieser Unterschied wirkt stimulierend auf den Geist. Sehr wichtig ist auch, dass der Arbeitgeber Ausweichräume schafft – Orte, wo sich die Mitarbeiter temporär aus dem Grossraumbüro zurückziehen können, um bei Bedarf konzentriert und ohne Ablenkung arbeiten zu können. Auch interne Vereinbarungen sind hilfreich. So sollte es ein für alle sichtbares Zeichen geben, wenn ein Mitarbeiter nicht gestört werden darf – zum Beispiel ein Schild mit der Aufschrift «Bitte nicht stören!». In dieser Zeit macht auch die Umleitung des Telefons an den Kollegen Sinn.

Gleitzeiten und Homeoffice

Eine gute Möglichkeit als Kombination zur Arbeit in Grossraumbüros bietet die Gleitzeit. Also entweder früher ins Büro oder länger bleiben als die meisten Kollegen, da sich an Randzeiten wesentlich ungestörter arbeiten lässt. Immer mehr praktiziert wird auch das Homeoffice – was bedeutet, dass ein Teil der Arbeit zu Hause erledigt wird. Um dies zu ermöglichen, sollte das Unternehmen allerdings über eine sichere Cloud-Lösung verfügen. Denn wie oft vergisst man ein Dokument im Büro, welches dann für einen bestimmten Arbeitsschritt unbedingt benötigt wird. Nur wenn die gesamte Datenablage von jedem Ort aus abgerufen werden kann, ist effizientes Arbeiten wirklich möglich. (ne)

01. Okt 2014 / 17:26
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