• Closeup of a happy business people
    Frauen im Team steigern den Erfolg eines Unternehmens  (iStockphoto)

Gemischte Teams sind gut fürs Betriebsklima

«Gender Diversity» ist ein Schlagwort, das die Unternehmenswelt beherrscht. Wer sich diese Vielfalt in der Teamzusammensetzung nicht ausdrücklich auf die Fahne schreibt, hat den Trend eigentlich schon verpasst. Denn wissenschaftliche Studien belegen eindeutig: Gemischte Teams sind erfolgreicher. Und ganz nebenbei wirken sie sich positiv auf das Betriebsklima aus. Denn Frauen in «Männer-Teams» entspannen die Gesprächskultur.
Vaduz. 

Es werden immer mehr wissenschaftliche Studien zu dem Thema durchgeführt und die Ergebnisse decken sich zum Grossteil: Gemischte Teams arbeiten schlichtweg besser als homogone. Werden Frauen in ein Männerteam aufgenommen, bringt dies zahlreiche Vorteile – für die Mitarbeiter selbst und für das Unternehmen. Und die Wissenschaft legt jetzt nochmals eins drauf. So gilt diese Aussage nämlich auch für Online-Teams, in welchen ausschliesslich nonverbal und ohne Blickkontakt kommuniziert wird. Da stellen sich doch Fragen wie: Was genau macht Frauen denn zu solch perfekten Teamworkern? Woran lässt sich der Erfolg gemischter Teams festmachen? Und werden die Teams der Zukunft vielleicht bald immer weiblicher?

Stellenwert der emotionalen Intelligenz
Steht man als Unternehmer vor der heiklen Aufgabe, ein Team bilden zu wollen, können ihm einige Einsichten aus der Psychologie durchaus helfen. Denn es ist wichtig, sich darüber bewusst zu sein, was ein gutes Team überhaupt ausmacht. Und dazu gehören folgende Punkte: Ganz grundsätzlich wirkt sich die Zusammenstellung der Mitarbeiter enorm auf deren Leistungen und Ergebnisse aus. Es ist nicht sinnvoll, einfach die klügsten Köpfe des Hauses gemeinsam in eine Gruppe zu stecken – in der Hoffnung, dass diese Bündelung die besten Resultate ausspucken wird. Die individuellen Stärken der einzelnen Teammitglieder lassen sich nicht einfach addieren. Das belegen Studien, in denen Teams mit einem niedrigeren Durchschnitts-IQ bessere Ergebnisse lieferten als jene mit einem höheren. Einfach formuliert: Ein Haufen Genies ergibt keine Super-Mannschaft. Viel wichtiger ist, dass die Mitglieder zusammenpassen.
Die emotionale und soziale Intelligenz spielt hierbei eine überragende Rolle. Denn sie ist für eine fruchtbare Teamarbeit unerlässlich. Gemessen wird diese emotionale Intelligenz an dem sogenannten «Reading the Mind in the Eyes»-Test. Hierbei ermitteln Wissenschaftlicher, wie umfassend Menschen einem Gesicht, von dem einzig die Augen sichtbar sind, Emotionen zuordnen können. Bei diesen Untersuchungen schneiden Frauen im Schnitt bedeutend besser ab als Männer, was aus ihnen perfekte Teamplayer macht. Sie können Emotionen ihres Gegenübers besser lesen und sich besser in ihre Kollegen hineinversetzen. Das ist auch der Grund, warum Frauen massgeblich zu einem besseren Betriebsklima in einem Unternehmen beitragen.
Sollten als Folgeschluss eventuell sogar alle Männer aus dem Team hinausgeworfen werden? Das wäre ein fataler Fehler. Denn wenn ein Team nur aus Frauen besteht, droht der positive Effekt ins Gegenteil umzuschlagen. Männer in Frauen-Teams und umgekehrt entspannen gewisse Konflikte. So nehmen die «Catfights», welche es häufig unter Frauen gibt, in gemischten Teams ab und der knallharte Wettbewerb, der Männer oft gegenseitig anstachelt, reduziert sich. Dies sollte ein Unternehmer bei der Zusammensetzung seiner Abteilungen im Hinterkopf behalten.

Sogar ohne Augenkontakt besser
Wissenschaftler des Institute of Technology (M.I.T.) sind nun einen Schritt weiter gegangen und haben sich mit der Frage beschäftigt, ob gemischte Teams nur besser sind, wenn die weiblichen Mitglieder in den Augen ihrer Kollegen lesen können, oder ob sich diese Ergebnisse auch decken, wenn gar keine Face-to-face-Kontakte stattfinden. Das erstaunliche Ergebnis: Das tun sie. So wirkte sich die emotionale Intelligenz der Frauen auch bei modernen Kollaborations-Tools wie E-Mail, Skype, Google und Ähnlichem positiv aus. Frauen haben nicht nur die Fähigkeit, Emotionen aus Gesichtern abzulesen, sondern scheinen grundsätzlich intuitiv zu erkennen, was andere Menschen gerade denken, wissen und glauben – selbst wenn sie von diesen nur ein paar getippte Worte zu sehen bekommen. Und das ist es, was ein gutes Team auszeichnet, denn so kann es auch den Erwartungen der Kunden besser gerecht werden.

Gesteigerte Innovationskraft
Dass gemischte Teams einen positiven Effekt auf die Unternehmensleistung haben, beruht allerdings nicht nur auf der emotionalen Intelligenz der Frauen. Die Forschung zeigt, dass diese Teams – sofern sie gut gemanagt werden – mehr innovative Entwicklungen hervorbringen als homogene. Denn jedes Geschlecht besitzt spezifische Stärken im Bereich der Kreativität, welche in eine Diskussion eingebracht werden können. Auch auf der fachlichen und Wissensebene steht somit fest: Gemischte Teams sind besser als reine Frauen- und Männerteams.
All diese Studien sollten Unternehmen aufrütteln: Obwohl Frauen in Teams massgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen, sind sie in Führungspositionen immer noch deutlich untervertreten. Es gilt, entsprechende Rahmenbedingungen für gemischte Teams zu schaffen, denn es wäre fatal, das Potenzial der talentierten, gut ausgebildeten Frauen nicht genügend auszuschöpfen. Flexible Arbeitsbedingungen und eine Unternehmenskultur, in der Diskriminierung keinen Platz hat, sind Elemente, die Arbeitnehmende nachweislich immer stärker gewichten. (ne)

Wie Brigitte Haas, stellvertretende Geschäftsführerin der Liechtensteinischen Industrie- und Handelskammer (LIHK), die Situation der Frauen in Liechtenstein beurteilt, lesen Sie im «pece»-Magazin.

 

02. Jun 2015 / 06:00
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