• Arbeiten mit dem iPad in Schaan
    Die Schüler arbeiten mit dem iPad in der Realschule in Schaan  (Daniel Schwendener)

Digitale Schiefertafel für den Unterricht

Die Realschule Schaan hat vor rund zweieinhalb Jahren ein Pilotprojekt gestartet, indem sie zehn iPads für den Unterricht angeschafft hat. Schüler und Lehrer ziehen eine positive Bilanz, da das Lernen mit dem iPad eine hohe Motivation im Unterricht darstellt. Bisher wurden schon einige Projekte wie beispielsweise eine Liechtenstein-App realisiert.
Schaan.  Die Schüler der 2. Klasse Realschule Schaan arbeiten an ihrem gegenwärtigen Projekt «Rothenburg ob der Tauber» auf den verschiedenen iPads, welche die Schule ihren Schülern zur Verfügung stellt. Ein Junge fragt seinen Lehrer, wie man die Spracheinstellung wechselt, während zwei Schülerinnen in einem Klassenzimmer sitzen und mit ihren iPads arbeiten – ihre Aufgabe: einen Film schneiden. Im Schulzimmer nebenan arbeiten die Schülerinnen und Schüler zu zweit, zu viert oder individuell an ihren Projekten – alle mit einem iPad ausgestattet. Die Jugendlichen arbeiten motiviert, voller Tatendrang und freuen sich jetzt schon auf ihr iBook, welches sie zusammen erstellen.

Eine geniale Idee zur Lernförderung
Bevor die iPads für die Schule angeschafft wurden, hatten die Lehrer festgestellt, dass die Schüler mit dem iPod touch und Smartphones ausgestattet waren und diese während des Unterrichts verwendet wurden.  «Wir verschwenden sehr viel Energie, wenn wir ihnen ständig sagen müssen, dass sie die iPods oder Handys während des Unterrichts nicht anwenden dürfen», sagt Manlio Rizzo, Klassenlehrer an der Realschule Schaan. So wurde die Idee geboren, den Schülern für den Unterricht iPads  abzugeben. «Wir wollten die positive Nutzungsmöglichkeiten dieser Geräte und den Schulunterricht via iPad fördern wie beispielsweise mit Übersetzungsprogrammen im Sprachunterricht. So müssen sie nicht lange im Wörterbuch nachschlagen und finden den gesuchten Begriff  per iPad sofort», erklärt Christiane Piffl, die ebenfalls Klassenlehrerin ist. Oder auch zum Finden von anderen Quellen und Angaben im Internet erleichtert das iPad an der Schule den Unterricht. Ständig in den Computerraum hinuntergehen und warten, bis die Rechner hochgefahren sind – für einen einzigen Einsatz, der vielleicht nur fünf Minuten beansprucht –, entfällt dadurch. Auch wenn die digitalen Hilfsmittel nicht den ganzen Tag im Einsatz sind, sind sie trotzdem sehr effizient, wenn etwas nachgeschlagen werden muss, und auch die Handhabung der Geräte ist sehr einfach. «Besonders auf dem amerikanischen Markt sind sehr gute Apps vorhanden, die den Unterricht ergänzen, wie beispielsweise Applikationen zum Erlernen der englischen Sprache», erklärt Manlio Rizzo. Die Menüsprache der iPads in der Realschule Schaan ist in englischer Sprache eingestellt. Durch die Anwendung des iPads lernen die Schüler zudem individuelles Arbeiten.
Nachdem die Realschule Schaan bei der pädagogischen Medienstelle des Schulamts angefragt hatte, wurden der Realschule für anderthalb Jahre zehn iPads zugesprochen, die von Beginn an sehr breit eingesetzt wurden. Für welche Fächer und welchen Zweck die iPads konkret eingesetzt werden, kommt immer auf die Lehrperson an, denn nicht alle Lehrer und nicht alle Fächer werden via iPad
vermittelt.

Geschichte, Biologie, Geografie und Deutsch
Das iPad ist ein Gerät, das sehr gut fächerübergreifend eingesetzt werden kann. Für ein Projekt im Fach Geschichte stellten die Lehrer zum Beispiel einen Film zum Ersten Weltkrieg bereit, welche die Schüler auf ihre iPads herunterluden. Jeder Schüler hat ein anderes Subthema innerhalb dieses Themas gewählt und konnte individuell auf den Film zurückgreifen. Das war eines der ersten Projekte mit dem iPad an der Realschule Schaan.
Im Fach Biologie wird beispielsweise das «Body-App» verwendet, auf dem der menschliche Körper und die Organe dargestellt sind. Die Abbildungen der Organe können gedreht, vergrössert oder verkleinert und in 3D-Optik betrachtet werden. Beim Herz sehen die Schüler, wie der Herzschlag dargestellt ist und das Blut durch die Herzkammern fliesst. In der «Body-App» bleiben die Schüler in der App.
Grundsätzlich werden aber die Inhalte einer App von den Lehrern erklärt und die Jugendlichen müssen dann versuchen, anhand verschiedener Apps, die ihnen zur Verfügung stehen, die Aufgabe zu lösen. «So wird ihre Kreativität und Produktivität gefördert», erklärt Piffl. Die Lehrer ihrerseits schauen regelmässig in den App-Store, um interessante Applikationen herauszufiltern. Diese werden dann ausprobiert und im Unterricht präsentiert.
Für den Unterricht via iPad wird sehr oft die Lernplattform Educanet 2 angewendet – eine virtuelle Schule des schweizerischen Bildungsservices, bei dem Liechtenstein auch Mitglied ist. Die Plattform bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, mit dem Computer zu arbeiten und ermöglicht das «blended learning».

Projekt «300 Jahre Oberland»
Als das Projekt «Liechtenstein-App» lanciert wurde, kamen die Geräte voll zum Zug. Liechtenstein hatte bis dahin noch kein App und die Schüler fragten aus eigener Initiative, ob sie nicht eins in der Gruppe erstellen sollten. So entstand ein App über Liechtenstein, indem die Realschüler die Hymne gesungen, gespielt und aufgenommen haben. Das Schloss Vaduz wurde anschaulich mit Spielfiguren erklärt. «Es ist ganz klar ihre Welt, mit den iPads zu arbeiten und sie mit dem Smartphone zu verknüpfen», freut sich Piffl.
Wenn die Schüler eine neue App für den Unterricht von einer Lehrperson zur Verfügung gestellt bekommen, können sie sich erst einmal spielerisch austoben und sich mit der Applikation vertraut machen. «Dann ist der Spieltrieb erst einmal befriedigt und sie können beginnen, damit zu arbeiten», so Rizzo. Dann kennen sie auch die Apps und wissen, was sie nutzen können. Die Schüler brauchen das Entdecken und Erfahren mit der App. So kommen auch Inputs seitens der Schüler, die ihre Lehrer auf gewisse Anwendungen innerhalb einer Applikation aufmerksam machen.
Die Marke Apple hat in der Realschule das Rennen gemacht, weil Apple sehr viele Apps zur Verfügung stellt und das Angebot sehr viel grösser ist als von anderen Anbietern. Seit Beginn des Projekts mit den iPads konnten bislang nur positive Erfahrungen gemacht werden. «Die Schüler gehen sehr sorgfältig mit den Geräten um und sie werden auch nicht zweckentfremdet», freut sich Manlio Rizzo. Und für die Lehrer ist es sehr praktisch, die iPads zu sperren. «Die Schüler können keine Apps selbst herunterladen und installieren. Und das war auch nie ein Thema», ergänzt Christiane Piffl. Es war für sie von vornherein klar, dass es ein Schulgerät ist. Das iPad an der Realschule Schaan ist ein Arbeitsgerät, das sich mittlerweile perfekt in den traditionellen Unterricht eingliedert hat. «Das iPad ist eine grosse Unterstützung für uns im Unterricht», formuliert es eine Realschülerin. Daher ist es wohl schon schwierig geworden, die digitale Schiefertafel aus dem heutigen Unterricht wegzudenken. (lb)
01. Sep 2014 / 18:02
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