• Das deutsche Comedy-Trio Y-Titty
    Das deutsche Comedy-Trio Y-Titty  (pd)

Deine Karriere beginnt im Internet

YouTube-Stars gibt es viele. Oft werden sie durch ein einzelnes Video blitzlichtartig bekannt, weil das Filmchen zufällig den Nerv der Zeit trifft und sich über soziale Netzwerke rasant verbreitet. Danach hört meist keiner mehr von ihnen. Doch es gibt eben auch diese Alleinunterhalter, die ihr Geld mit regelmässigen Clips verdienen und längst Manager engagieren, da sie sich professionell vermarkten. von Rebecca Sprenger
Vaduz. 

Wie musizierende Youtube-Stars Geld verdienen, kann man sich vorstellen. Sie vermarkten ihre Songs, treten auf kleineren Bühnen auf und bekommen im besten Fall einen Plattenvertrag bei einem renomierten Label. Aber neben Videos, in denen unzählige Amateure ihre mehr oder weniger vorhandenen Gesangskünste präsentieren, gibt es auch andere Entertainer, wie zum Beispiel Führer von Beauty Blogs, Comedyeinlagen, Computerspielkommentatoren oder einfach Menschen, die frisch von der Leber weg etwas erzählen. Bei diesen Videos kann man sich nur schwer vorstellen wie damit Geld zu verdienen ist.
Nutzer, die sich bereit erklären, Werbevideos vor ihre Clips schalten zu lassen, werden über ein AdSense-Konto an den Einnahmen der verkauften Werbeflächen beteiligt. Allerdings sind die erhaltenen Zahlen über das Einkommen der YouTube-Stars wage. Sobald ein Künstler seine Videos bei YouTube für Anzeigen vermarkten lässt und damit zum sogenannten YouTube-Partner wird, muss er sich dazu verpflichten, über seine Werbeeinkünfte zu schweigen. Insidern zufolge soll man im Schnitt rund 1,50 Euro pro 1000 Klicks bekommen. Das klingt nach sehr wenig. Bedenkt man jedoch, dass einige Kanäle von mehr als einer Milliarde Usern angeklickt werden, kann man als Ausnahmetalent auch sechsstellige Beträge verdienen.

Unauffälliges Product-Placement

Teilweise platzieren die YouTube-Stars auf Anfrage eines Herstellers auch neue Produkte in ihren Videos. Product-Placement heisst das in der Fachsprache, und auch dafür fliesst Geld. Besonders bei Kosmetik- und Modeformaten ist die Grenze zur Schleichwerbung fliessend. Die Zahlen belegen, dass die Konzerne mit ihrer Reklame den Zuschauern folgen. Online-Videowerbung wuchs, laut dem Bundesamt für Statistik allein im vergangenen Jahr um 23 Prozent auf 240,2 Millionen Euro. In diesem Jahr soll sie auf etwa 280 Millionen Euro und im Jahr 2017 auf 500 Millionen Euro steigen. Das klingt erst mal nach nicht viel, wenn man den Zahlen die vier Milliarden Euro gegenüberstellt, die in Fernsehwerbung fliessen. Doch der Abstand schrumpft schnell und beschleunigt einen fundamentalen Wandel.

TV nicht mehr wichtigster Werbeträger

Fernsehen wird bald nicht mehr der wichtigste Werbeträger sein. Schon in diesem Jahr werden Onlinewerbeinvestitionen jene in TV erstmals übertreffen, denn Onlinewerbung ist zielgerichteter. In den USA schreitet diese Entwicklung schneller voran, dort soll der Online-Bewegtbildwerbemarkt laut den Marktforschern von eMarketer in den kommenden vier Jahren von 2,9 Milliarden Dollar auf 9 Milliarden Dollar wachsen. Der Suchmaschinenriese Google lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er mit seiner Konzerntochter YouTube den Löwenanteil dieses wachsenden Markts zusichern will. Zwar haben die grossen Fernsehsender hierzulande erkannt, dass sie auch im Netz präsent sein müssen, um die Jungen zu erreichen. Sie tun das mit werbefinanzierten oder kostenpflichtigen Angeboten. RTL zum Beispiel bietet mit der Platform RTLnow an, dass die meisten Sendungen bis eine Woche nach Ausstrahlung kostenlos im Internet angesehen werden können. Dieser enorme Anstieg der Internetwerbung lässt schliesslich auch die YouTube-Stars mehr verdienen und so kommt es, dass Tausende diesen Karrieren nacheifern. Es klingt einfach: Ein Video hochladen, in dem man was Witziges macht, zeigt wie man sich schminkt oder einfach nur singt – und schon ist man reich. Doch leider ist dies nicht mehr so einfach, wie es sich anhört. Um sich einen Namen in der Branche zu machen, muss man gut sein. Man muss sich von anderen abheben und Geduld haben. Nur die wirklich grossen Stars im Netz verdienen auch grosses Geld.

Newcomer-Förderung vom Konzern selbst
Seit sechs Jahren veranstaltet der Konzern regelmässig Talentwettbewerbe und lässt die Gewinner in Schnitt-, Licht- und Videotechniken schulen. So soll die Qualität der Angebote steigen – und mit ihr die Klickzahlen. In den Aufbau von 160 YouTube-Kanälen investierte der Konzern 74 Millionen Euro. Zu ihnen zählen der Krimikanal «Trigger.tv» ebenso wie ein Motorsport- und ein Fitnesskanal. Werbekunden erreichen dort leichter bestimmte Zielgruppen und investieren deshalb höhere Summen, was wiederum Scharen von neuen Usern anzieht, die ebenfalls ihr Glück mit einer YouTube-Karriere versuchen möchten und auf den grossen Durchbruch hoffen. Aber auch ohne die Hilfe der Plattform professionalisiert sich die Web-videowelt: YouTuber schliessen sich zu Netzwerken zusammen, teilen sich Produktionsräume und verweisen aufeinander.
Doch weshalb werden einige wenige Kanalbetreiber so oft angeklickt und lösen einen regelrechten Hype aus? Klar ist, dass man sich immer mit dem Betreiber dieser Clips identifizieren möchte. Gelingt dies, empfiehlt man die Videos eventuell sogar weiter, oder teilt sie in sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter. Das geschieht jedoch nur, wenn dieser Clip Gefühle in einem auslöst, seien es nun Freude, Entsetzen oder Ekel. So identifizieren sich beispielsweise mit der US-amerikanischen Jenna, einer selbsternannten Beautyexpertin, so viele junge Frauen, dass sie mittlerweile der bekannteste, weibliche YouTubeStar mit ihren Tipps für alle Lebenslagen geworden ist. Ihre Videos haben mit über einer Milliarde Klicks in etwa den selben Stellenwert wie Psy’s «Gangnamstyle» und sie selbst sagt, dass sie mehr Geld verdient, als sie je brauchen wird. Doch auch die deutsche YouTube-Community wächst rasant.
Selten werden YouTube-Stars zu richtigen Berühmtheiten. Dennoch schaffen es einige, vor allem Sänger, immer wieder, Verträge mit grossen Plattenlabels zu bekommen und so ihre eigene Musik zu vermarkten. Auf den nächsten Seiten werden die Stars, die den Sprung von YouTube nach draussen geschafft haben und auch Newcomer vorgestellt. (rsp)

01. Okt 2014 / 17:39
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