• Divertimento, Chur
    «Das eigene Leben ist die beste Inspiration.»  (Tatjana Schnalzger)

Divertimento im Interview

Seit Jahren sind sie eine feste Grösse auf den Comedy-Bühnen in der Schweiz und auch in Liechtenstein. Das Duo Divertimento begeistert mit seinen Sketchen Gross und Klein und sorgt für strahlende Gesichter und gute Stimmung. Im Interview mit «Lifestyle» gewähren Manuel Burkart und Jonny Fischer einen Einblick in ihren Alltag und plaudern aus dem Nähkästchen.
von Andreas Laternser. 

Herr Burkart und Herr Fischer, Sie haben drei Shows in Chur gespielt– von hier aus ist es nicht mehr so weit nach Liechtenstein. Wie gut kennen Sie Liechtenstein?
Jonny Fischer:
Nicht wirklich gut. Wir haben schon in Liechtenstein gespielt und auch dort übernachtet – und tolle Abende in den Bars verbracht. (lacht) Ich bin Fan von Tina Weirather, ein grosser Fan vom Büxi – er auch von uns – und mir gefällt der Dialekt sehr gut.
Manuel Burkart: Viele gehen Monate lang nach Australien und reisen umher. Ich glaube, ich gehe einfach mal ein halbes Jahr nach Liechtenstein und reise hier herum.
Jonny Fischer: … ja, du kannst beispielsweise dort einen Sprachaufenthalt machen. Ich habe das Gefühl, nach einem halben Jahr kennst du dann jeden Liechtensteiner. (beide lachen)

Zurück zu Ihrer aktuellen Show: Mit dem Programm «Sabbatical» sind Sie seit 2016 auf den Bühnen in der Schweiz unterwegs. Wie anstrengend ist für Sie das Tourleben?
Manuel Burkart:
Wir sind auch nicht mehr 25 Jahre alt. Damals waren wir ähnlich unterwegs, zwar nicht in so grossen Hallen wie jetzt. Eigentlich haben wir früher noch mehr Shows gespielt. Wir waren immer gerne unterwegs und das bedeutet für Künstler ja, dass sie gebucht sind. Aber wir haben nicht mehr die gleiche Energie. Es ist für uns ein Geschenk, so lange auf Tour zu sein und vor vollen Häusern zu spielen. Es ist anstrengend, aber geil.
Jonny Fischer: Wir haben Glück, dass wir unsere Shows über einen so langen Zeitraum spielen dürfen. Das ist ein riesiges Privileg. Aber die Kehrseite ist, dass man lange und oft unterwegs ist.
Manuel Burkart: Je älter man ist, desto länger sehnt man sich nach Beständigkeit und Konstanz.
Jonny Fischer: Und es wäre schon mal schön, Samstagabend einen Fondueplausch mit Freunden zu haben oder das Champions League-Finale im TV zu sehen und nicht immer auf der Bühne den Clown zu spielen, «gopfertuli». (lacht)

Grosse Shows oder kleines Publikum: Was liegt Ihnen mehr?
Manuel Burkart:
Das Zelt (die Location in Chur) ist von der Grösse her mein Lieblingstheater. 1000 Zuschauer, die kompakt und nah bei der Bühne sitzen, eine tolle Akustik, bei der das Lachen und Klatschen ungefiltert und direkt auf die Bühne kommen – das gefällt mir. Vor einem grösseren Publikum hat alles einen anderen Rhythmus, ist etwas träger, aber nicht weniger geil. Besonders der Schlussapplaus ist bei grossen Zuschauerzahlen eindrücklicher und verursacht bei mir Gänsehaut. In Kleintheatern zu spielen, ist auch immer ein spezielles Erlebnis, was wir aber schon lange nicht mehr gemacht haben.

Auch wenn Sie schon seit 2016 mit «Sabbatical» auf Tour sind, mussten Sie doch letzten Sommer das Programm etwas umstellen. Sie, Herr Fischer, hatten sich an der Achillessehne verletzt und waren nicht mehr so mobil. War das eine spezielle Herausforderung?
Jonny Fischer:
Das war zum einen eine unangenehme Situation. Ich habe mich in der Sommerpause verletzt und zu diesem Zeitpunkt hatten wir zwei Monate nicht mehr zusammen gespielt. Aber wir hatten die Show schon über 140 Mal aufgeführt und es bestand die Gefahr, dass Routine bei uns aufkommt. Es war also auch eine Art Geschenk, dass wir das Programm umstellen und neuschreiben konnten – daraus wurde so etwas wie eine neue Show. Jetzt können wir wieder «vierbeinig» spielen und haben das Programm wieder angepasst.

Entwickeln Sie auch sonst ihre Shows während den Aufführungen immer weiter?
Manuel Burkart:
Für uns ist es wichtig, dass wir einen Grundstock haben, ein Programm das wir kennen. Das gibt uns Sicherheit und Vertrauen. Je nach Abend und geistiger Fitness bauen wir das Programm aber aus und improvisieren. Das kann aber auch dazu führen, dass wir etwas «verschlimmbessern». Bei unserem aktuellen Programm haben wir zwei, drei Situationen, da weiss ich genau, dass sie im ersten Jahr besser angekommen sind. Ich weiss nicht wieso – wahrscheinlich liegt es am Timing.
Jonny Fischer: «Sabbatical» haben wir uns auch mehrere Male zusammen auf der Couch angeschaut, sind das Programm durchgegangen und haben Dinge gestrichen oder verändert. Dabei überlegen wir uns teilweise neue Pointen und schauen, was nicht funktioniert. Das machen wir bei jedem Programm. Das letzte haben wir 270 Mal aufgeführt und vor der letzten Show kam Manuel auf mich zu und meinte: «Kannst du in der einen Situation etwas früher reagieren, das kommt sicher gut an» und er hatte recht.
Manuel Burkart: Sagen wir, wie es ist: Wir werden immer besser.
Jonny Fischer: Genau, so ist es. (lacht) Und natürlich reflektieren wir nach jeder Show, was gut war und was nicht so gut lief.

Auf der Bühne können Sie sich teilweise selbst das Lachen nicht verkneifen. Sie improvisieren und fordern einander heraus. Macht Ihnen das besonderen Spass?
Manuel Burkart:
Das macht die Shows für uns abwechslungsreicher. Aber ehrlicherweise muss man dazu sagen: Nicht alles, was spontan wirkt, ist auch spontan. Die scheinbare Spontanität ist ein Stilmittel, das viele Komiker einsetzten und wir natürlich auch. Aber an jedem Abend gibt es einen grossen Anteil an spontanen Geschichten. Diese gelingen aber nicht immer gleich gut. Es kann auch passieren, dass etwas nicht ankommt und das Publikum nicht darauf anspringt. Aber wir bringen gerne etwas, mit dem die Zuschauer nicht rechnen.
Jonny Fischer: So bleibt die Show für uns lebendig und frisch.
Manuel Burkart: Wir wollen uns diese Freiheit lassen. Gestern habe ich einen Spruch gebracht, der nicht funktioniert hat, obwohl wir es selbst lustig fanden. Früher waren wir da sehr streng, heute sind wir toleranter mit uns selbst und machen es das nächste Mal einfach anders.

Ihnen als Profis passiert es also auch manchmal, dass nicht alles glatt läuft?
Manuel Burkart:
Klar. Ab und zu habe ich schon mal einen Texthänger und brauche einige Sekunden, bis ich wieder weitermachen kann. Aber er (Jonny) lässt mir da kaum etwas durchgehen.
Jonny Fischer: Ich sage dann halt immer laut: «Ach hast du deinen Text vergessen».
Manuel Burkart: Dem Publikum wäre es vielleicht gar nicht aufgefallen, wir merken das sofort. Das sorgt zwar für Lacher, ist aber fies von Jonny.
Jonny Fischer: So macht es uns auch selbst Spass. Und das wichtigste ist schliesslich, dass wir Freude haben – nur so kann es auch den Zuschauern Spass machen.

Sie spielen in Ihren Shows oft mit unterschiedlichen Dialekten. Lernen Sie das für die einzelnen Programme oder sind Sie einfach Multitalente?
Manuel Burkart:
Wir haben sicher ein Sprachentalent, aber wir können nicht alles auf Anhieb. Wir wollen in jeder Show etwas Neues zeigen.
Jonny Fischer: Es ist eine Challenge. Ich wollte mal einen Sketch im Walliser Dialekt machen. Ich kann üben, so viel ich will, aber ich schaffe es einfach nicht, dass es funktioniert. Manuel liegt das besser. Wir haben noch viele Dialekte, die wir ausprobieren wollen: der Obwalder, Urner, Glarner oder Rheintaler Dialekt – vielleicht wäre auch mal was in Liechtensteiner Dialekt cool, das müssen wir mal ausprobieren.
Manuel Burkart: Ich würde mal gerne etwas auf Wienerisch machen – aber ich tue mich dabei sehr schwer. Wir müssen daran arbeiten und viel üben.

Fotostrecke: Interview mit Divertimento
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Musik spielt bei Ihren Shows ebenfalls eine wichtige Rolle. Ist das auch privat so?
Manuel Burkart:
Bevor wir uns kennengelernt haben, war Musik für uns beide schon ein wichtiger Part im Leben. Und deshalb war es naheliegend, dass wir diese Leidenschaft auch in unser Programm aufnehmen.
Jonny Fischer: Wir würden auch gerne noch mehr Musik in die Stücke einbauen. Aber wir merken auch, dass nicht alle den gleichen Zugang zur Musik haben wie wir und deshalb halten wir uns zurück. Trotzdem versuchen wir uns gerne an unterschiedlichen Instrumenten und bauen diese ein.

Was inspiriert Sie zu Ihren Programmen, woher bekommen Sie die Ideen dafür?
Manuel Burkart:
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das eigene Leben die beste Inspiration ist. Wir schauen uns ebenfalls in der Gesellschaft und den Medien nach Inputs um. Solche alltäglichen Dinge versuchen wir dann zu adaptieren, persiflieren und zu klischieren.
Jonny Fischer: Wichtig ist bei allem immer die Frage: Kennt das Publikum das? Themen, die zu weit weg sind oder mit denen man sich in der Regel nicht beschäftigt, lassen wir aus. Manu war beispielsweise mit seiner Frau in einem Tanzkurs – das haben wir dann als Anlass genommen, einen Sketch darüber zu machen.
Manuel Burkart: Wir sammeln beide Eindrücke und Ideen für uns selbst. Eine grosse Kunst ist dann natürlich das Zusammenführen der einzelnen Fragmente. Und da muss ich sagen ist Jonny der Federführende. Er kann aus dem Wirrwarr von Ideen eine Struktur und ein Konzept erarbeiten. Zudem haben wir einen Koautor, der uns bei diesem Prozess hilft.

Auf der Bühne sind Sie die besten Freunde – braucht man abseits der Shows auch mal Zeit für sich selbst?
Jonny Fischer:
Als ich Manu kennengelernt habe, war ich ein grosser Fan von ihm und wir haben alles zusammen unternommen: Ferien, Sport, Freizeit und gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Nach einigen Jahren entdeckt man auch Seiten am anderen, die einem nicht so passen – und irgendwann sieht man nur noch die schlechten Seiten. (Manuel lacht) Man kommt an einen Punkt, wo man die Begeisterung füreinander wiederfinden muss. Es ist wie in einer Beziehung: Man muss den Partner akzeptieren und das haben wir gelernt.
Manuel Burkart: Man geht Kompromisse ein. Aber ich denke schon, dass wir uns gegenseitig in den vergangenen Jahren sehr geformt und beeinflusst haben. Meine Frau sieht bei mir Verhaltensweisen und Aus­drucksformen, in denen sie Jonny entdeckt.
Jonny Fischer: Und das ist natürlich auch umgekehrt so.
Manuel Burkart: Alles, was mir an Jonny gefällt, sein Talent und seine Stärken, davon konnte ich mir einiges abschauen und profitieren.
Jonny Fischer: Aber man übernimmt auch teilweise die Schwächen.
Manuel Burkart: Seit er mich kennt, trinkt er sehr viel Alkohol und hat in der ganzen Welt Kinder verteilt. Nein, im Ernst: Es ist eine Art Symbiose.
Jonny Fischer: Wir hatten zwei oder drei ganz grosse Krisen miteinander und kamen an einen Punkt, wo wir uns entscheiden mussten, ob wir das weiterführen oder nicht. Aber schliesslich kamen wir gestärkt da heraus. Heute verstehen wir einander und lassen uns so, wie wir sind. Worauf ich allerdings besonders stolz bin, ist, dass wir unsere Bewunderung für einander bewahren konnten. Das hält uns zusammen.
Manuel Burkart: Privat lebt jeder sein eigenes Leben. Das ist der perfekte Ausgleich für die Bühnenshows. So haben wir das ideale Gleichgewicht gefunden. Wir haben heute beide auch Solojobs und das ist gesund für uns. Man freut sich wieder aufeinander. Solche Breaks tun uns gut. Eigentlich wünschte ich mir das auch mit meiner Frau. (lacht)
Jonny Fischer: Lustig, das sagt sie auch über dich.

Humor spielt bei Ihnen sicherlich permanent eine grosse Rolle oder?
Jonny Fischer:
Megafest. Wenn ich sehe, wie Manu zu Hause mit den Kindern umgeht, dann ist Lachen ein wichtiger Bestandteil. Wir verarschen uns gerne gegenseitig, nicht nur auf der Bühne. Bei uns ist dieses Verhalten wahrscheinlich etwas mehr ausgeprägt als bei andern. Wir haben durch unseren Beruf den Hang, im täglichen Leben das Schräge zu finden und überall lustige Situationen zu erkennen. Oft auch an der Grenze zum guten Geschmack. Wir haben halt ein gutes Timing und machen im richtigen Moment das Richtige.
Manuel Burkart: … oder Falsche. Privat haben sich bei uns beiden in den letzten Jahren besonders der schwarze Humor und Spässe unter der Gürtellinie weiterent­wickelt. Wir stehen vollkommen hinter dem, was wir auf der Bühne machen, aber den schwarzen Humor lassen wir weg, damit es familientauglich bleibt. Vielleicht hat sich auch deswegen diese Art von Humor im Privaten so stark entwickelt.

Haben Sie sich mit ihrem Humor auch schon Probleme eingehandelt?
Jonny Fischer:
Wir haben früher schon viel rumgeblödelt. Beispielsweise haben wir in Zug an einem Bankomaten einen Überfall gespielt. Niemand sollte merken, dass es inszeniert ist. Ich stand an und wollte Geld abheben und Manu kam mit einer Spielzeugwaffe und Sturmmaske und hat mich überfallen. Bis jemand die Polizei gerufen hat.
Manuel Burkart: Wir haben schon viel Blödsinn gemacht und fanden es auch immer sehr lustig.

Was für ein Gefühl ist es für Sie, wenn das Publikum nach der Show applaudiert?
Manuel Burkart:
Es ist einfach schön. Klar freut man sich über jeden Lacher während der Show. Aber der Schlussapplaus ist schon etwas anderes. Man ist ausgepowert und kann ihn richtig geniessen. Dann entlädt sich die geballte Spannung des Publikums.
Jonny Fischer: Lachen ist eine so starke Emotion. Und für uns ist es ein grosses Privileg, beruflich Menschen zum Lachen zu bringen.

Sie sind beide auch sozial sehr engagiert und unterstützen wohltätige Projekte. Wieso ist Ihnen das wichtig?
Manuel Burkart:
Wir haben beide eine Empathie für andere Menschen und sehen die Probleme auf der Welt. Wenn man die Kraft und Möglichkeit hat, sich neben Beruf und dem Privatleben für etwas einzusetzen, finde ich das gut, ich helfe gerne.
Jonny Fischer: Wenn man gesund ist und es einem gut geht, ist es toll, etwas zurückgeben zu können.

Hat einer von Ihnen eine Lieblingsrolle?
Manuel Burkart:
Ich spiele den Thomas, den esoterischen Jazzmusiker, sehr gerne. Der liegt mir und ich weiss, da erwische ich Jonny am ehesten auf seinem falschen Bein. Er findet die Rolle so doof, er hat eine richtig grosse Antipathie gegen diesen Charakter.
Jonny Fischer: Der (Thomas) ist so ein Arschloch – er hat kein Gespür für sein Gegenüber, denkt, er sei ein Wohltäter und ist hinterrücks so blöd.
Manuel Burkart: Deshalb gefällt mir die Rolle auch besonders.
Jonny Fischer: Es ändert sich aber immer wieder, in welche Rolle man gerne schlüpft. Es gibt immer Nummern, auf die wir uns richtig freuen. Es gibt Charaktere, die liegen einem einfach. Eine schöne Figur, die so fertig und stimmig ist – und bei der alles passt. Die Sprache und Gestik.
Manuel Burkart: Uns gefallen auch die feinen Rollen und nicht immer nur das Laute und Übertriebene.

Was macht für Sie guter Humor aus?
Manuel Burkart:
Schlagfertigen und spontanen Humor finde ich besonders interessant.
Jonny Fischer: Gut getimt und im richtigen Moment das richtige zu sagen, das gefällt mir besonders. Ich bin schadenfroh und lache, wenn jemandem ein Missgeschick passiert.
Manuel Burkart: Schadenfroh sind wir beide – bei anderen genau so wie bei uns selbst. Bei uns selbst lachen wir am lautesten.

09. Apr 2019 / 05:00
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