• Weinbau Hoop, Eschen
    Reportage: Weinbau Hoop, Eschen, FOTO©RIGHT: TATJANA SCHNALZGER  (Tatjana Schnalzger)

Alte Weinkunst, neu interpretiert

Weinkunst und auch Weinkultur werden nicht nur in den umliegenden Ländern im grossen Stil betrieben, sondern auch in Liechtenstein, obwohl der Weinbau hierzulande ein Stiefmütterchen-Dasein fristet. Trotzdem muss man nicht weit gehen, um fündig zu werden. Ein gutes Beispiel für regionale Weinbaukultur findet man in Eschen und insbesondere am Eschnerberg. Winzer Uwe Hoop produziert Weissweine, Rotweine, Cuvées und neu auch einen besonderen Biowein. Obwohl es manch einer kaum glauben mag, weist das Weinanbaugebiet Liechtenstein technisch gesehen die gleichen Bedingungen wie die Bündner Herrschaft auf, wenngleich das Fürstentum nicht als Weinland bekannt ist.
Eschen. 

Mitten im Eschner Dorfzentrum befindet sich das Weingut Hoop. Eingebettet zwischen dem geschichtsträchtigen Pfrundhaus, der Pfarrkirche und dem LAK, befindet sich eine der etabliertesten Weinkeltereien in Liechtenstein samt einem kleinen Anbaugebiet. Neben den Weinreben, die gleich neben der Kelterei an bester Sonnenlage gedeihen, baut das Weingut auch am Eschnerberg seinen Wein an. «Der Eschnerberg ist der perfekte Ort, um in unserem Land überhaupt Wein anzubauen», erklärt Weinbauer Uwe Hoop. Durch die südliche Lage des Eschnerbergs reifen die Trauben dank der vielen Sonnenstunden optimal und erfüllen somit die gehobenen Ansprüche der Weinkenner. Mehr noch: Der Weinbau am Eschnerberg geniesst eine lange Tradition. Vor vier Jahren konnte Hoop das Weinbaugeschäft von seinem Vater übernehmen und kontinuierlich ausbauen. «Mein Vater hat 1988 als leidenschaftlicher Hobbyweinbauer begonnen. 2016 haben wir den Betrieb auf die professionelle Weinproduktion umgestellt. Anstatt die paar Weinstöcke, die wir damals besassen, retour zu bauen, habe ich mich entschieden, voll auf den Weinanbau und Weinherstellung zu setzen». Das war eine gut gefällte Entscheidung von Hoop. Insgesamt bewirtschaftet der Winzer mittlerweile auf drei Hektaren Weinstöcke. Hinzu kommen drei Hektaren Lohnkelterungen. Bei diesen handelt es sich um Kelterungen anderer Weinbauern, die selber keine Möglichkeit haben, ihre Weine zu keltern, oder die so geringe Erträge haben, dass es sich nicht lohnt, selbst zu keltern. Das ist auch die Philosophie hinter der Lohnkelterei im Weingut Hoop: Jeder soll, so klein der Ertrag auch sein mag, seinen Wein in Eschen keltern lassen können.

Biowein aus dem Lutzengütli-Krug
Nachdem die Trauben abgelesen worden sind, werden sie im Weingut gesammelt und weiterverarbeitet. Hoop stellt seine Weissweine überwiegend im Barrique her. Rotwein wird entweder klassisch angebaut, also im Stahltank, oder im Barrique. Weiters werden hier auch Cuvées gekeltert und Süssweine – ein besonders feiner Dessertwein. Seit vergangenem Jahr wird im Weingut in Eschen auch naturtrüber Biowein hergestellt, ein Orange-Wein. Ein Naturwein, der in einer Amphore gereift ist. Als Amphore dient dem Winzer Hoop die Nachbildung des bekannten Lutzengüetle-Krugs. Der berühmte Henkelkrug mit seinen Verzierungen wurde nur 300 Meter vom Eschner Weinbaugebiet entfernt bei Ausgrabungen in den 40er-Jahren gefunden.

Wein reift in der Kühle
Interessant ist die Tatsache, dass Wein, egal ob es sich um Rotwein, Weiss- oder Roséwein handelt, bei relativ tiefen Temperaturen gekeltert wird, bei etwa vier Grad Celsius. «Je besser der Weinbauer die Kelter-Temperatur im Griff hat, umso besser wird der Wein gekeltert, und umso besser ist sein Aroma». Grosse und kleine Stahltanks sorgen für den klassischen Ausbau der verschiedenen Weine. Gleich nebenan befindet sich der Weinkeller mit den stattlichen Barrique-Fässern. Wenn Winzer Hoop seine Weine im Barrique ausbaut, setzt er hauptsächlich auf französische Eichenfässer, da sie von der Verarbeitung, aber auch von der Qualität des Weins her, sich für ihn bestens bewährt haben. Sobald der Wein seine Reife erreicht hat, wird er in Flaschen abgefüllt, mit Kork verschlossen und etikettiert. Dann ist der edle Tropfen aus Liechtenstein für den Genuss bereit. Entweder als Begleiter zum Aperitif, zu einem feinen Essen oder einfach als Feierabend-Drink. (lb)

23. Jun 2020 / 06:05
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