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    In der Schweiz sind viele aufgrund der Coronakrise auf Lebensmittelhilfe angewiesen. In Liechtenstein zeichnet sich dies nicht ab, doch die Zahl jener, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können, steigt.  (ALEXANDRA WEY)

Coronakrise wird zur Schuldenfalle

Schuldner können in Liechtenstein wegen der Krise ihre offenen Rechnungen nicht mehr begleichen. Es dürfte erst der Anfang sein.

Der Andrang bei den Sozialberatungen ist nicht nur in der Schweiz stark gestiegen. Auch Liechtenstein als eines der reichsten Länder der Welt verzeichnet immer mehr Menschen, die aufgrund der Coronakrise in finanzielle Not geraten sind. Geldeinbussen durch Kurzarbeit und Kündigungen, aber auch durch fehlende Einnahmen im Stundenlohn sind die Gründe dafür, warum Martina Bocek von der Schuldenberatungsstelle «Hand in Hand» in Balzers vermehrt Anfragen erhält. Pauschal lasse sich aber nicht sagen, ob es eher vierköpfige Familien oder Alleinerziehende trifft. Das sei von Fall zu Fall verschieden.

Kredite können schnell zum Problem werden

«Sicher ist es aber so, dass Wohn­eigentümer gegenüber Mietern im Vorteil sind, da sich die Hypothekarzinsen auf niedrigem Niveau bewegen und die Mieten sowohl für Alleinstehende als auch für Familien oftmals einen grossen Teil der Ausgaben ausmachen», erklärt Bocek auf Anfrage.

Nicht nur die fehlenden Einnahmen machen sich bemerkbar. Auch Kredit-Raten können dann zum Problem werden, wenn sie nicht dem Budget angepasst sind. Die Verlockung, auf Raten zu kaufen, ist oftmals gross und wird über die diversen Anbieter mit zahlreichen Angeboten forciert. Wenn dann plötzlich weniger Einnahmen zur Verfügung stehen, kann dies zum Problem werden. Während solche Probleme bei der Beratungsstelle an der Tagesordnung sind, stellen etwa Stromrechnungen meist kein grosses Problem dar. Schulden infolge von Verbraucherkrediten wie Leasing oder Kreditkartenschulden spielen nach Berechnungen der Schuldenberatung Schweiz in beinahe der Hälfte der Schuldenfälle eine Rolle.

«Es ist wichtig, das Ausgabeverhalten den Einnahmen anzupassen. Wenn durch Aufnahme von Krediten kein Spielraum für Unvorhergesehenes bleibt, kann dies in einer Krise zu finanziellen Problemen führen», warnt Schuldenberaterin Bocek.

Die spezielle Situation seit dem Lockdown führte im Gegenzug zu Einsparungen. Die Ausgaben für Restaurantbesuche, für Urlaubsreisen, ebenso berufsbedingte Ausgaben aufgrund von Homeoffice-Lösungen sanken laut Bocek. Das war gut für die Haushalte, hat aber bei Firmen, Selbstständigen und Kunstschaffenden finanzielle Probleme verursacht. Wer die finanziellen Schwierigkeiten nicht mehr allein stemmen kann, sollte sich schnell Hilfe suchen.

Mit Gläubigern in Kontakt treten

«Sehr sinnvoll ist es, vor einer Umschuldung von Kleinkrediten eine Beratung in Anspruch zu nehmen, damit es nicht zu einer Schuldenspirale kommt, die einen noch mehr finanziell belastet», sagt Bocek. Im Grunde genommen wäre es gut, sich um Unterstützung zu bemühen, sobald man merkt, dass das Geld nicht reicht. Mit einer gezielten Budgetplanung könne hier bereits gut Hilfestellung gegeben werden.

Sobald jemand merkt, dass er eine oder sogar mehrere Rechnungen nicht fristgerecht bezahlen kann, ist es laut Bocek sinnvoll, mit den jeweiligen Gläubigern in Kontakt zu treten. Eine Teilzahlungsvereinbarung anzufragen beziehungsweise um einen Aufschub zu bitten, sind zwei Möglichkeiten, mit den Gläubigern zu verhandeln. Welche Möglichkeit besser sei, hänge von der Gesamtsituation ab.

Amt rechnet mit mehr Sozialhilfeanträgen

Nach und nach werden lang­sam erst die Auswirkungen der Coronakrise sichtbar. Gerade bei Personen in engen finanziellen Verhältnissen könnte die Zahl der Anfragen weiter steigen. «Denn wenn es bislang schon eher knapp war, wird es in Krisenzeiten eher noch schwieriger», sagt Bocek.

Auch bei den Krankenkassenprämien macht sich Corona in der Schweiz, aber auch in Liechtenstein bemerkbar, wie die Swica auf Anfrage erklärt. «In den letzten Monaten erhielten wir immer wieder telefonische und schriftliche Meldungen von Versicherten, die wegen der Situation mit Corona nicht zahlen konnten», erklärt Claudia Brüngger, Mediensprecherin der Swica.

Trotz allem bewegen sich die Sozialhilfefälle aktuell auf den Niveau der beiden Vorjahre – wenn auch mit leicht steigender Tendenz. «Die Folgen der Coronapandemie wird sich auf die Sozialhilfe erst ver­zögert auswirken, da in der ersten Phase die vorgelagerten Hilfen des Amtes für Volkswirtschaft finanzielle Unterstützungsleistungen erbringen. Wir rechnen mit einer Zunahme der Personen, die im Laufe des Jahres Sozialhilfe benötigen», sagt Andreas Hoop als Leiter «Sozialer Dienst». (dal)

07. Aug 2020 / 22:54
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