• Coronavirus: Aktuelle Situation
    Die beiden Regierungsräte sagten, dass bei einem rasanten Anstieg der Infektionszahlen einschneidende Massnahmen unausweichlich werden.  (ROLAND KORNER)

Regierung appelliert zu mehr Vorsicht

Die beiden Regierungsräte Dominique Hasler und Mauro Pedrazzini informierten gestern über die Coronasituation in Liechtenstein.

«Die Lage hierzulande ist nicht dramatisch», sagte Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini zu Beginn der Medieninformation. Trotzdem ist das kein Freifahrtsschein für die Bevölkerung, die Coronaregeln nicht mehr einzuhalten. Diese gelten weiterhin. Und so bat die Regierung dringend, die Massnahmen, Schutzkonzepte und vor allem auch die Distanz- und Hygieneregeln weiterhin einzuhalten. Auch unnötige Sozialkontakte sollten weiterhin vermieden werden. Die Regierung zählt auf die Eigenverantwortung der Bevölkerung. So seien laut Pedrazzini gerade auch bei Familienfeiern viele Ansteckungen passiert. Dabei sollten die Personen unnötigen Körperkontakt wie Umarmen vermeiden. Die Regierung empfiehlt aufgrund der drohenden Situation Zurückhaltung bei privaten Anlässen.

Gleiche Disziplin wie im Frühjahr gefragt

Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung wie Husten, Halsschmerzen, Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Fieber oder plötzlicher Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns sollten auf jeden Fall zu Hause bleiben und die Testhotline anrufen. Diese entscheidet dann über das weitere Vorgehen. «Eine mögliche zweite Welle stellt nicht nur eine Gefahr für das Gesundheitsweisen, sondern auch für die Wirtschaft dar», so Pedrazzini. Bei einem rasanten Anstieg der Infektionszahlen würden einschneidende Massnahmen erneut unausweichlich. Daher ruft die Regierung die Bevölkerung auf, die Herausforderungen der kommenden Monate mit der gleichen Disziplin und Rücksicht wie im Frühjahr gemeinsam zu meistern. Einen genauen Plan bei einem allfälligen Wiederanstieg der Infektionen zu machen, sei laut Pedrazzini nicht möglich. Die Lage müsse immer wieder neu beurteilt werden. 


Selbstbehalt für Tests bleibt

In Liechtenstein bezahlen Personen mit Symptomen den Coronavirus-Test selbst, bis sie ihren Selbstbehalt ausgeschöpft haben. Dies wird auch weiterhin so bestehen bleiben, wie in der gestrigen Pressekonferenz zum Ausdruck kam. 
Der Test werde aber laut Pedrazzini auch immer günstiger. Personen ohne Symptome bezahlen den Test hierzulande vollumfänglich selbst. In der Schweiz übernimmt der Bund die Kosten für sämtliche Tests. 

Die Anzahl an durchgeführten Coronatests ist in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen, auch deshalb, weil sich nun jeder testen lassen kann. So lag die letzte festgehaltene Testanzahl innerhalb einer Woche – jeweils von Montag zu Montag – bei insgesamt 678 Testungen. Das fordere die Testkapazität der Drive-Through-Anlage in der Vaduzer Marktplatzgarage. Man überlege sich gemäss 
Pedrazzini deshalb, die Testkapazitäten effektiver zu gestalten. Sprich entweder über eine Durchlauferhöhung oder länger dauernde Öffnungszeiten. Ein weiterer Schritt könnte auch darin bestehen, dass die Testanlage an einen anderen Ort übersiedelt wird.

Rückkehrer aus Risikogebiet müssen sich melden

Die Liste der Risikogebiete wird laufend angepasst. So landete erst vergangene Woche Wien darauf. Auch Vorarlberg könnte am kommenden Freitag auf der Liste landen. Für Pendler bestünden aber jetzt schon entsprechende Lösungen. Die Schweiz befindet sich zudem kurz davor, nach eigenen Massstäben zum Risikoland zu werden. Auf die Frage, ob Liechtenstein dann automatisch auch zum Risikogebiet werde, trotz geringer Fallzahlen, sagt Mauro Pedrazzini, dass die Situation sehr dynamisch sei und es schwierig sei, diesbezüglich eine Vorhersage abzugeben. Bei der Einreise von Personen aus Risikogebieten appelliert er aber an die Eigenverantwortung. «Jeder muss selbst aktiv werden, wenn er aus einem Risikogebiet einreist und dies dann auch dem Amt mitteilen.» Denn das könne nicht durch staatliche Massnahmen ersetzt werden.

So machen der Regierung die anstehenden Herbstferien Sorgen. Einerseits weil sich die Länderliste schnell verändert und sich nach den Ferien eventuell viele Personen in Quarantäne befinden. Andererseits weil die 29 Ansteckungen, die Liechtenstein seit Juli verzeichnete, hauptsächlich auf Reiserückkehrer zurückzuführen waren. 

Maskenpflicht bei Häufung der Fälle 

In Liechtenstein wird weiterhin von einer Maskenpflicht abgesehen. Dies auch wegen der niedrigen Anzahl an positiven Fällen. Verschlechtert sich die Situation wieder, sodass sich das Coronavirus in der Bevölkerung verbreitet, dann helfe laut Mauro Mauro Pedrazzini eine «umfassende Maskentragepflicht». Denn das Virus werde, wie man im vergangenen halben Jahr gelernt habe, hauptsächlich über Aerosole übertragen. «Eine Maske kann diese Art der Ansteckung vermindern.» Zudem, so vermute man, spiele die «initiale Virenlast» bei der Ansteckung eine grosse Rolle für den Krankheitsverlauf. Auch das könne mit Hilfe einer Maske vermindert werden. Eine Maske sei für manche Personen vielleicht eine Lästigkeit, doch wenn man ansonsten viele Dinge des täglichen Lebens weiterhin erledigen könne, dann wären die negativen Konsequenzen durch die Maske verkraftbar.

Pandemielager ist aufgefüllt

Das Amt für Bevölkerungsschutz habe laut Regierungsrätin Dominique Hasler in den vergangenen Wochen das Pandemielager aufgestockt. Es bewirtschafte es auch aktiv. Nun habe es genügend Schutzmaterial für vier Monate. Auf das Lager sollen vor allem Gesundheitsorganisationen bei Bedarf zurückgreifen können.

Die Lage bei der Landespolizei ist derzeit ruhig

Laut Dominique Hasler ist die Lage bei der Landespolizei ruhig. Einsätze im Bezug auf Personen, die die Quarantänepflicht gebrochen haben, habe es keine gegeben. Trotzdem tage seit Ende August der Polizeistab Corona wieder regelmässig. Damit die Sicherheitsorganisationen für den Fall, dass die Infektionszahlen wieder zunehmen, vorbereitet sind. «Die Landespolizei ist gut aufgestellt», sagt sie und ergänzt, dass für die Polizei auch genügend Schutzmaterial zur Verfügung stehe. Daneben habe es keine positiven Tests bei den Mitarbeitern der Landespolizei gegeben.

«Fasnacht nicht in gewohntem Rahmen» 

Auch wenn Grossveranstaltungen bis 1000 Personen wieder erlaubt sind, müssen Schutzkonzepte eingehalten werden. So müssen die Gäste sitzen und den notwendigen Abstand von 1,5 Metern wahren. Zudem sollten sie Masken tragen. Aufgrund dieser Massnahmen wird es wohl kaum möglich sein, dass die Fasnacht in gewohntem Rahmen stattfinden kann. Das bestätigte gestern auch Mauro Pedrazzini. Denn gerade von Veranstaltungen gingen grosse Gefahren aus. Hier werde man bei steigenden Infektionszahlen auch schnell wieder Einschränkungen erlassen.

Quarantänezeit könnte reduziert werden

Derzeit beträgt die Quarantänezeit zehn Tage. Diskussionen über eine Reduktion auf fünf Tage seien gemäss dem Gesundheitsminister vorhanden. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sei eine Verkürzung der Zeit sinnvoll. «Die Quarantäne ist eine Verschwendung an Arbeitskräften, wenn die Betroffenen nicht im Homeoffice arbeiten können», so Pedrazzini. Aus medizinischer Sicht hingegen sei die Beibehaltung von zehn Tagen sinnvoller. Denn die meisten Personen entwickeln innerhalb von zehn Tagen Symptome. So könnte eine Entlassung nach fünf Tagen allenfalls zu früh sein. (qus)

17. Sep 2020 / 00:27
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