• Gefängnis
    Die Brüder verbüssen ihre Strafen im Landesgefängnis. Die 16-Jährige sitzt in Österreich ein.  (Elma Korac)

Raub in Eschen: Täter bleiben in Haft

Im Falle des ausgearteten Drogendeals im Januar haben die 16-Jährige und zwei junge Männer Berufung eingelegt – dies ohne Erfolg.

Das Fürstliche Obergericht hatte gestern zu beurteilen, ob drei vom Jugendgericht am 22. April verhängte Strafmasse wegen des Verbrechens des schweren Raubes gerechtfertigt sind. Die Haupttäterin, eine damals 15-Jährige, erhielt erstinstanzlich eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Die Gefängnisstrafe wurde im Umfang von 20 Monaten teilbedingt nachgesehen. Ihre beiden Mittäter, beide über 18 Jahre alt aber unter 21-jährig, wurden zu Freiheitsstrafen von 36 Monaten verurteilt, von denen sie zwölf im Gefängnis absitzen müssen. Schliesslich wurde auch der Fahrer des Fluchtwagens als Beitragstäter schuldig gesprochen. Ihm wurde eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten auferlegt – davon 16 Monate teilbedingt nachgesehen. Fristgerecht hatten die Jugendliche, ihr Ex-Freund als Mittäter und dessen älterer Bruder als Beitragstäter Berufung eingereicht. Die Strafmasse der Brüder sollte herabgesetzt und jenes des Mädchens bestenfalls bedingt ganz abgesetzt werden.
Nach der gut einstündigen Verhandlung kam das Obergericht allerdings zum Schluss, dass den Berufungen nicht Folge zu leisten ist. Der Oberrichter war stattdessen der Ansicht, dass die Strafe der Brüder zu milde ausgefallen ist. Da das Urteil von der Staatsanwaltschaft jedoch nicht angefochten wurde, bleibt es vorläufig dabei. «Das Urteil ist nicht das Ende der Fahnenstange», sagte der Oberrichter. Damit meinte er, dass sich die Berufungswerber nun noch an den Obersten Gerichtshof wenden könnten. 

Drogendealer bedroht und Ware abgeknöpft
Die Vorgeschichte: Am 20. Januar dieses Jahres wollte ein 19-jähriger Dealer zirka 500 Gramm Marihuana, 20 MDMA-Pillen und elf Flaschen Makatussin an eine Jugendliche und die jungen Männer in Eschen übergeben. Wie vereinbart, kam es an diesem Abend zum Treffen. Allerdings waren die Abnehmer nicht mit der Absicht erschienen, für die Ware zu zahlen. Während zwei von ihnen den Dealer mit Messern bedrohten, drückte der Dritte dessen Begleiter zu Boden. Die Jugendliche richtete indes eine Schreckschusspistole gegen den Dealer und drohte ihm mit den Worten: «Wir regeln das jetzt so: Du gibst mir das Zeug oder du stirbst.» Als er die Übergabe trotzdem verweigerte, feuerte das Mädchen einen Schuss gegen das Gesicht des Dealers ab und schlug ihm mit dem Griff der Waffe gegen die Schläfe. Die Jugendliche entriss dem Dealer dann die Tasche. Das Treffen artete in einem Handgemenge aus, das mit erneuter Schussabgabe endete. 

Aus Liebe an der Tat beteiligt
Seit der Urteilssprechung sitzen die Brüder im Landesgefängnis  in Haft und wurden in Handschellen zur Verhandlung begleitet. Die nun 16-Jährige war unter Absprache nicht erschienen. Sie sitzt ihre Strafe in der Justizanstalt Salzburg ab. 
Zuerst hatte der Verteidiger der beiden Brüder das Wort. Als erstes führte er aus, dass sich die Strafen gesamthaft als weit überhöht erweisen würden und es einige Milderungsgründe aufzuzählen gebe. «So ist dies das Alter, da beide unter 21 Jahre alt sind. Ausserdem haben sie bis anhin einen ordentlichen Lebenswandel vollzogen und sind nicht vorbestraft.» Zudem seien die Brüder vollumfänglich geständig gewesen und die Planung der Straftat sei vom Mädchen ausgegangen. «Mein Mandant, der zu dieser Zeit mit der 16-Jährigen liiert war, hat sich aus Liebe an der Tat beteiligt. Sein älterer Bruder aufgrund eines falschen Verantwortungsbewusstseins.» Schliesslich gab der Verteidiger noch zu bedenken, dass sich die Brüder beim Drogendealer reumütig entschuldigt hätten.  

Gewisse Milderungsgründe wurden nicht beachtet
Der Verteidiger der 16-Jährigen betonte, dass sie ein umfassendes Geständnis abgelegt und sich reumütig gezeigt habe. «Damit hat sie einen wesentlichen Beitrag zur Wahrheitsfindung geleistet», sagte er. In der erstinstanzlichen Verhandlung sei allerdings nur das Geständnis berücksichtigt und somit seien nicht alle Milderungsgründe beachtet worden. «Das erste Gericht ist fälschlicherweise davon ausgegangen, dass der zweite Mittäter ein umfassendes Geständnis abgelegt hat. Der Milderungsgrund ist ihm zugute gekommen.» Ebenfalls berücksichtigt werden müsse die lange Krankheitsgeschichte seiner Mandantin. So sei das Mädchen von Heim zu Heim und von Institution zu Institution gereicht worden, habe eine Zeit lang auf der Strasse gelebt und sei zwei-mal vergewaltigt worden. «Mehrere Unterbringungsverfahren wurden geführt, ohne dass eine geeignete Institution gefunden werden konnte.» Schliesslich sprach der Verteidiger ein psychologisches Gutachten an, woraus ersichtlich sei, dass die 16-Jährige unter einer schweren dissoziativen Störung leide. Deshalb wäre statt der Justizanstalt eine geeignete Struktur mit Therapiemöglichkeit der richtige Unterbringungsort. 

Der Staatsanwalt gab den Berufungen nicht statt und verwies auf die erhebliche kriminelle Energie, die hinter der Tat steckte. «Auch möchte ich klarstellen, dass die Behauptung, die 16-Jährige sei von Anfang an reumütig und geständig gewesen, nicht den Tatsachen entspricht.» Viel eher hätte sie die Tat zuerst geleugnet und sich uneinsichtig gezeigt. 

Selten derartige kriminelle Energie erlebt
Vor der Urteilsverkündung erhielten die beiden Brüder das letzte Wort. Der Ältere sagte, dass er sich noch einmal entschuldigen möchte: «Während der Zeit im Landesgefängnis habe ich viel dazugelernt und ich weiss nun, wie ich mein Leben weiterzuführen habe.» Der Jüngere sagte, dass es ihm leid tue und die Tat ein riesiger Fehler gewesen sei. 
Nach der Urteilsverkündung sagte der Oberrichter: «Ein bewaffneter Raubüberfall ist ein Kapitalverbrechen». Schwerer Raub ist mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zu fünfzehn Jahren zu bestrafen. Im Falle des älteren Bruders wurde mit den 24 Monaten lediglich 14 Prozent des Strafrahmens ausgeschöpft – beim Jüngeren sind das 21 Prozent. «Das Erstgericht ist mit dem Strafmass also tief geblieben», verdeutlichte der Oberrichter und fügte an, dass beide sehr gut weggekommen seien. 

Auch bei der 16-Jährigen kam das Obergericht zum Schluss, dass die Strafe angemessen ist. Maximal wäre die 16-Jährige mit einer Gefängnisstrafe von siebeneinhalb Jahren zu bestrafen gewesen. Mit den 30 Monaten wurden 33 Prozent des Strafrahmens ausgeschöpft. «Die Schuld wiegt sehr schwer.» Das Mädchen sei wesentlich am Plan beteiligt gewesen, hätte den Dealer auf den Platz gelockt, zweimal auf ihn geschossen und ihm die Waffe ins Gesicht geschlagen. «In meiner langjährigen Tätigkeit als Richter habe ich eine derartige kriminelle Energie nur selten gesehen.» In der Justizanstalt erhält das Mädchen nun eine Therapie, mit der laut dem Oberrichter bisher Erfolge erzielt wurden. (jka)

12. Aug 2020 / 21:44
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
19. September 2020 / 12:35
19. September 2020 / 15:46
18. September 2020 / 21:54
19. September 2020 / 11:00
Meistkommentiert
16. September 2020 / 08:28
10. September 2020 / 10:08
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Citytrain
Zu gewinnen 2 x 1 Familientickets
02.09.2020
Facebook
Top