• Dänemark-Modell
    Renteneintritt in Abhängigkeit von der Lebenserwartung? In Dänemark wird das so gehandhabt.  (monkeybusinessimages)

Dieser Vorschlag soll die Renten retten

Die OECD empfiehlt der Schweiz, das Rentenalter zu erhöhen und an die Lebenserwartung zu koppeln.
Vaduz. 

Die Frage, wie wir im Jahr 2050 leben werden, gleicht einem Blick in die Kristallkugel. Allerdings gibt es Berechnungen, wie alt die Gesellschaft bis dahin sein wird. Der Anteil der über 65-Jährigen wird in der Schweiz auf 30 Prozent der Bevölkerung und in Liechtenstein auf mindestens 28 Prozent steigen. Damit altert sie schneller als in den meisten anderen OECD-Ländern. Diese Entwicklung veranlasste die OECD dazu, eine Empfehlung hinsichtlich des Rentenalters für die Schweiz abzugeben.

OECD warnt vor weniger Wachstum
«Ohne Anpassungen wird die Alterung das Wirtschaftswachstum dämpfen und die öffentlichen Finanzen stark belasten», warnt die OECD. Sie rät der Schweiz, zunächst das Rentenalter der Frauen jenem der Männer anzugleichen, sprich auf 65 Jahre anzuheben. Danach soll das ordentliche Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre klettern und an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Für Liechtenstein gibt es keine Empfehlung vonseiten der Organisation, da das Land kein Mitglied ist. «Eine Empfehlung der OECD für Liechtenstein fiele aber garantiert anders aus als für die Schweiz», ist etwa der VU-Landtagsabgeordnete Christoph Wenaweser überzeugt. Der Unterschied liege in den Reserven, welche sich bei der Schweizer AHV «auf gerade einmal» einer Jahresausgabe belaufen.
 

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Hierzulande ist die Lage rosiger: Würde ab sofort niemand mehr in die AHV einzahlen, könnte Liechtenstein fast 11 Jahre lang seine Rentenzahlungen aus den Reserven leisten. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Druck auf die AHV steigen wird. Seit dem Jahr 2003 übersteigen die Beiträge die Ausgaben in Liechtenstein, die Reserven schwinden. In der Schweiz ist die Lage drastischer. Laut einer Studie des Forschungszentrums Generationenverträge der Universität Freiburg würde eine Schweizer AHV-Sanierung, bei der die Lasten etwa gleich auf alle Generationen verteilt wären, zu Einbussen «in der Grössenordnung von etwa 20 bis 25 Prozent der AHV-Renten führen». Kein Wunder, meiden Politiker das Thema in der Schweiz und Liechtenstein, oder sie sprechen lieber über eine Erhöhung des Rentenalters. «Über das künftige Pensionsalter müssen wir diskutieren und wir sollten dabei auch Modelle mit flexiblen Pensionsantritt oder mit einer Indexierung des Rentenalters an die Lebenserwartung zumindest anschauen», betont Christoph Wenaweser. Eine Koppelung an die Lebenserwartung, die deutlich steigen wird, ist ein Modell, das zum Beispiel Dänemark bereits eingeführt hat. Das Renteneintrittsalter wird in Dänemark 2035 auf 69 Jahre klettern. Danach wird jenes schrittweise alle fünf Jahre um ein weiteres Jahr angehoben. Wenn die 1987 geborenen Dänen in den Ruhestand treten, kommen alle fünf Jahre sechs Monate dazu. Zur Jahrhundertwende sind die Dänen durchschnittlich 77,5 Jahre alt, wenn sie in Rente gehen.  Das zeigen Berechnungen des dänischen Arbeitsministeriums. Das Ziel ist, dass jeder Däne durchschnittlich künftig nur etwa 15 Jahre seines Lebens Rentengelder bezieht.

Teils scharfe Kritik in Liechtenstein
Ein solches Modell und ein höheres Rentenalter stösst in Liechtenstein aber auch auf Kritik. Jürgen Beck, der für die Unabhängigen im Landtag sitzt, sieht in einer Erhöhung auf 67 einen entscheidenden Qualitätsverlust für die Bevölkerung. Es sei sogar ein gesellschaftspolitischer Blödsinn. Helen Konzett von der Freien Liste sieht erst gar keinen Grund dafür, eine Debatte anzustossen mit dem Ziel, das Rentenalter zu erhöhen. Herbert Elkuch (NF) findet, dass eine kleine Rentenaufbesserung fällig sei, weil es seit 2011 keinen Teuerungszuschlag gab. 

Der Liechtensteiner Arbeitnehmerverband (LANV) steht einer Erhöhung des Rentenalters ohne «Begleitmassnahmen» sehr kritisch gegenüber. «Wir sprechen uns für einen flexiblen Altersrücktritt aus», erklärt Sigi Langenbahn, der LANV-Geschäftsführer. Darunter verstehe er nicht in erster Linie die Möglichkeit eines Rentenvorbezugs, da dieser nur «besserverdienenden Arbeitnehmenden vergönnt ist», wie Langenbahn betont. Vielmehr gehe es um eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit durch schrittweise Übergänge in den Ruhestand. Der demographische Wandel sei nur ein Punkt. Zusätzlich verkürze sich die Erwerbsphase durch vermehrte Frühpensionierungen und längere Ausbildungsphasen, womit eine immer grössere Nachhaltigkeitslücke in der AHV entstehe. «Um diese zu schliessen, brauchen wir entweder mehr Zuwanderung, Produktivitätssteigerungen oder längere Arbeitszeiten», ist Langenbahn von der Gewerkschaft überzeugt. Zuerst müsse sich Liechtenstein mit der Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit befassen, «erst dann können wir über eine Erhöhung des Rentenalters durch Lebensarbeitszeit mit flexiblem Altersrücktritt diskutieren», sagt Langenbahn. (dal)

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13. Nov 2019 / 23:35
Geteilt: x
1 KOMMENTAR
Grosses Fragezeichen
Jetzt wird das alles von so schlauen Köpfen vorgeschlagen und ich wundere mich nur noch. Wie um alles in der Welt kann man auf die Idee kommen, dass eine EINZELNE Massnahme (Erhöhung Rentenalter) dieses Problem beheben könnte??? Was passiert dann zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt? Es ist jetzt schon schwierig mit nur 55+ eine Stelle zu finden und dann soll es so eine tolle Idee sein, das Rentenalter zu erhöhen?

Ja, es muss wohl etwas gemacht werden in Sachen Renten, aber wer glaubt, dass man dieser komplexen Thematik mit einer Einzelmassnahme beikommen kann, der glaubt auch noch ans Christkind.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 14.11.2019 Antworten Melden

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