• Neueröffnung Parkhotel Sonnenhof mit dem Restaurant Marée.  (Ydo Sol)

«Ein Re-Design, das alle Gäste anspricht»

Günther Thöny: «Meine Aufgabe war es, etwas Zeitloses zu kreieren und dem Haus so einen neuen Touch zu geben. Aus dem Grund hat man auch bei der Materialisierung sehr viel Wert auf Echtheit und Qualität gelegt.»

Was war für Sie der besondere Reiz, dem Restaurant Marée ein neues Gesicht zu geben?
Günther Thöny: Der «Sonnenhof» besticht durch die ganze Kultur und Historie der Familie Real. Es war mir ein grosses Anliegen, dass diese Kultur erhalten bleibt. Die Differenzierung der bestehenden Gäste, die seit Jahren im «Sonnenhof» ein- und ausgehen auf der einen Seite; auf der anderen Seite war es nötig, ein Re-Design zu kreieren, das junge Gäste anspricht. Trotzdem wollte man dem «Sonnenhof» keinen neuen Stil aufzwingen. Da ich schon einige Michelin-Restaurants designt habe, war mir bewusst, dass man rasch dazu tendiert, etwas Verrücktes zu kreieren. Meine Aufgabe war es, etwas Zeitloses zu kreieren und dem Haus so einen neuen Touch zu geben. Aus dem Grund hat man auch bei der Materialisierung sehr viel Wert auf Echtheit und Qualität gelegt. Verarbeitet wurde edles Wurzelholz, Kernleder und Bronze, welche alles wertige Materialien sind.

Wie sind Sie beim Projekt gestartet? Was musste Ihr Konzept beinhalten?
Es gab im Vorfeld viele Sitzungen und Besprechungen. Durch die vielen Gespräche und Argumentationen hat sich die Idee langsam herauskristallisiert. Der Auftraggeber ging stark ins Detail, da ihm das Wohlbefinden seiner Gäste sehr wichtig ist. Besonders die Beleuchtung und das natürliche Licht war Hubertus Real wichtig. Der Gast soll sich am Tag und abends im Restaurant wohlfühlen, was für die Gastronomie nicht einfach umzusetzen ist. Ein Lokal wirkt in der Nacht einfach ganz anders als am Tag. Ein anderes Handicap war das Frühstücksbuffet. Wir wollten es professionell inszenieren und es sollte bei der Bar untergebracht werden. Das Frühstück, morgens frisch und freundlich inszeniert, die Bar am Abend eher dunkler gehalten – ich musste den Kompromiss finden, wie man eine Bar und ein Buffet gekonnt inszeniert. Dank der Kernlederwand haben wir es sehr raffiniert gelöst. Die gesamte Kernlederwand lässt sich elektrisch versetzen.

Wie sind Sie darauf gekommen, die Bar mit dem Frühstücksbuffet zu kombinieren?
Das ist durch Brainstorming und die Diskussion entstanden, denn das Buffet stand immer als Provisorium im Eingangsbereich. Es war ein entscheidender Prozess, das Buffet in einer Bar unterzubringen. Dazu muss erwähnt werden, dass es im «Sonnenhof» nie eine Bar als solche gegeben hat, und diese so eine Neuinterpretation ist. Auch der Zugang zum kleinen, in rot gehaltenen Restaurant wurde etwas abgetrennt. Neu ist zudem, dass die Gäste in der Bar essen können.

Welche Arbeiten haben Sie ausgeführt?
Die Räumlichkeiten wurden komplett ausgehöhlt. Durch den Qualitätsanspruch, den wir uns selbst gestellt haben, mussten wir die Kühlung und Lüftung der Räumlichkeiten komplett neu kreieren, und dies unter bestehenden Strukturen. Die gesamten Oberflächen wie Böden, Wände und Decken wurden neu inszeniert. Ein weiteres wichtiges Element war die Frontküche, die vom Personal benützt wird. Sie war immer zu klein und nicht funktional genug. Mit ein paar Tricks haben wir es geschafft, den Raum von der Grösse her nicht zu verändern. Aus diesem Grund wurde die geschwungene Lederwand kreiert, die durch den Spiegeleffekt genau gleich gross bleibt. Dem Gast fällt nicht auf, dass er jetzt einen grösseren, professionelleren Servicebereich hat. Die akustische Zelle produziert viel weniger Lärm. Heute werden immer Finales geschaffen, diese gab es früher weniger. Auf der einen Seite des Restaurants befindet sich die gebogene Lederwand als Finale und gegenüber das Bild des Steger Sees mit den Bergen, das sehr gut zu Hubertus passt, da er sehr viel in die Berge geht. Wir bekennen uns so zum Land und zur Schönheit der Berge.

Wie lange dauert die Ausarbeitung des Konzepts?
Das ganze Projekt hat rund sechs Monate gedauert. In anderen Regionen wäre es gar nicht realisierbar, ein Haus über Weihnachten und Neujahr, von Mitte Dezember bis Mitte Januar, zu schliessen und einen Komplettumbau durchzuführen. Dafür gilt auch ein grosses Lob und Dankeschön den Handwerkern, die sich in dieser Zeit dafür eingesetzt haben. Es steckte von allen Seiten sehr viel Herzblut dahinter. Es war kein einfaches Projekt, sondern ein sehr detailintensives. Ausserdem haben wir einige Möbelstücke im Vorfeld nur für das Restaurant Marée entworfen.

Welche Möbel sind das?
Wir haben Konsolen entworfen, gestepptes Kernleder und Bronze, Servicemöbel aus Bronze oder Risslack. Diese Möbel werden in zukünftigen Kollektionen anzutreffen sein, denn oft entwerfen wir Produkte, die später in einer seriellen Produktion zu finden sind.

Die grössten Herausforderungen beim Umbau eines Restaurants?
Die besondere unsichtbare Lederwand, die sich zum Frühstückbuffet umfunktionieren lässt. Es war eine technisch schwierige Herausforderung. Eine vier Meter lange Wand aus Leder lässt sich elektrisch öffnen und schliessen. Wenn die Lederwand geschlossen ist, merkt man nicht, dass es eine Wand ist, die sich öffnen lässt. Das war die grösste Herausforderung.

Wie lief die Zusammenarbeit mit dem Bauherren?
Extrem interessant und sehr inspirierend. Es ist schön, einen Bauherr zu haben, der ­genau weiss, was er will. Es war auch ein Ansporn für uns, die Details genau auszuarbeiten, damit sie seinen Wünschen entsprechen. Wir bekommen von allen Seiten sehr viele Komplimente. Und dies von verschiedenen Generationen, was ja sehr wichtig ist. Ich glaube, der Weg, den wir gegangen sind, ist sicher der richtige gewesen.

Gibt es eine zukünftige Zusammenarbeit mit Hubertus Real? Was werden Sie als Nächstes in Angriff nehmen?
Wir sind immer wieder mit Sanierungsarbeiten beschäftigt und durften bereits die Hotelzimmer auffrischen. Es wird auch in der Zukunft sicher noch weitere Projekte mit uns geben. Da im Sonnenhof internationales Klientel ein- und ausgeht, muss auch das internationale «Look and Feel» funktionieren, was es übrigens sehr gut tut. (lb)

 

04. Apr 2019 / 10:35
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