• Schöb AG in Gams
    Elementbau – Aus einem Stück Holz wird ein Haus.  (Daniel Schwendener)

Aus einem Baumstamm wird ein Haus

Ein Haus wie aus Bausteinen – so in etwa lässt sich ein Elementbau aus Holz beschreiben. Auf der Baustelle werden die vorgefertigten Teile in Kürze zusammengesetzt und das fertige Haus steht. So schnell aber die Errichtung vonstattengeht, so anspruchsvoll sind die Planung und die Produktion im Unternehmen. Aber dies ist gut investierte Zeit. Wie aus einem Baumstamm schliesslich ein Holzhaus wird, ist ein spannender Prozess. «Bauen+Wohnen» war bei den Betrieben Schöb AG in Gams und der Frommelt Zimmerei in Schaan vor Ort und konnte einen Einblick in die Produktion bekommen.

Natürlich, nachhaltig, langlebig und regional – das sind nur einige der Vorteile von Holz als Baustoff. Holz ist Tradition und zugleich modern. Wer sich beim Hausbau für ein Holzhaus entscheidet, kann genau von diesen Qualitäten profitieren – und noch von etlichen weiteren. Wenn beispielsweise regionales Material verwendet wird, ist die verursachte «graue Energie» geringer und die Wertschöpfung bleibt in der Region.

Eine spannende Möglichkeit des Holzhausbaus ist der Elementbau. Dabei werden die einzelnen Bauteile in den Produktionshallen eines Unternehmens genau nach Plan vorgefertigt, sodass sie anschliessend auf der eigentlichen Baustelle «nur» noch zusammengesetzt werden müssen – ähnlich wie bei einem Bausatz. Bevor aber mit der Produktion begonnen werden kann, muss zuerst der Plan am Computer stehen.

Wer ausführlich plant, vermeidet Fehler

Beim Holzelementbau bieten die Unternehmen ihren Kunden eine umfassende Beratung, von der Idee über die Planung bis hin zur Produktion und dem Errichten der Häuser, alles aus einer Hand. Ein wichtiger und zentraler erster Schritt ist die Erstellung der Produktionspläne. Diese werden am Computer in 3-D an die jeweiligen Produktionsmaschinen ausgegeben und beinhalten alle notwendigen Informationen für die späteren Arbeiten: Alle vorgängig zugeschnitten Holzteile, die Aussparungen für Lichter und Spots, Schalter, Leitungen, Fenster und Türen sind im Plan vermerkt und können in der Produktion verarbeitet werden. «Alle Daten sind digital vorhanden und können bei jedem Produktionsschritt von den Maschinen abgefragt werden», erläutert Christoph Frommelt von der Zimmerei Frommelt in Schaan.

Das Material stammt aus der Region

Das Holz für die Produktion wird den beiden Unternehmen, der Zimmerei Frommelt in Schaan und der Schöb AG in Gams von Zulieferern bereitgestellt. «Wir arbeiten mit einem Sägewerk hier in Gams zusammen, das unsere Vorstellungen und Wünsche kennt und berücksichtigt», erklärt Christine Egger-Schöb von der Schöb AG. Im Sägewerk werden die aus den Holzstämmen geschnittenen Lamellen in speziellen Trocknungsanlagen getrocknet.

Für den Elementbau wird in der Regel Fichtenholz verwendet. Dessen Eigenschaften sind ideal für die Bauweise und die Verfügbarkeit in der Region ist hoch, womit die Regionalität der Rohstoffe sichergestellt ist. Hin und wieder werden auch andere Holzarten verwendet, wenn es für die Statik erforderlich ist, oder wenn sich eine spezielle Möglichkeit bietet, wie der Zimmerei Frommelt vor einiger Zeit. «Durch das Eschensterben in der Region gibt es momentan viel Eschenholz, dass wir verarbeiten können. So können wir aus der Not einen Nutzen ziehen und müssen nicht die Eschen als minderwertiges Energieholz verwenden», erklärt Christoph Frommelt.

Fotostrecke: Elementbau
Schöb AG in Gams
Frommelt Zimmerei und Holzbau AG in Schaan
Frommelt Zimmerei und Holzbau AG in Schaan
Frommelt Zimmerei und Holzbau AG in Schaan
Frommelt Zimmerei und Holzbau AG in Schaan
Frommelt Zimmerei und Holzbau AG in Schaan
Frommelt Zimmerei und Holzbau AG in Schaan
Frommelt Zimmerei und Holzbau AG in Schaan
Frommelt Zimmerei und Holzbau AG in Schaan
Frommelt Zimmerei und Holzbau AG in Schaan

Die Verwendung des Holzes spielt eine wesentliche Rolle

In den Produktionshallen duftet es nach frischem Holz und Sägespänen, die Lautstärke ist je nach Fertigungsschritt sehr hoch, weshalb die Mitarbeiter mit Gehörschutz arbeiten. Hier werden die getrockneten Holzlamellen angeliefert. «Vor der Verarbeitung lagern wir das Holz idealerweise 24 Stunden, damit es sich akklimatisiert», weiss Christine Egger-Schöb. In einem ersten Schritt werden dann die Balken auf ihre Qualität überprüft. Auf Grundlage der Produktionspläne können die Balken entsprechend der Kommissionierung einem Projekt zugeteilt werden. Eine sogenannte Keilzinkanlage kann aus Brettern Endlosbalken fertigen. Dazu fräst sie stirnseitig Keilzinkenprofile in die Balken, um sie miteinander zu verleimen. Auf diese Weise entstehen Balken von bis zu 20 Metern Länge. Für dickere Bauteile, beispielsweise Trägerbalken, werden mehrere Holzbretter aufeinander geklebt. Bevor die Lamellen in die hydraulische Presse gefördert werden, werden sie von einer Lamellenhobelmaschine allseitig plan bearbeitet. Die anfallenden Späne gelangen in Gams in eine Fernwärmeanlage, mit der benachbarte Gebäude der Schöb AG beheizt werden.

Sichtqualität oder verstecktes Bauteil

Bei der Verarbeitung wird schnell klar: Holz ist nicht gleich Holz. Während einige Teile in den Wänden als nichtsichtbare Tragkonstruktion verwendet werden, bleiben andere im Vordergrund und sind im fertigen Haus unter anderem als Holzdecke sichtbar. Solche Holzelemente mit «Sichtqualität» werden gehobelt und besonders vorsichtig behandelt. Ausserdem können sie zusätzlich mit einer speziellen UV-Stopp-Behandlung vor dem Vergilben geschützt werden, sodass sie das Aussehen auch nach einigen Jahren nicht verändern.

Die vorgefertigten Holzelemente werden in der Abbundanlage für die weitere Verarbeitung vorbereitet. Anhand der Pläne werden hier die einzelnen Aussparungen vorgenommen und zugleich für eine Nachverfolgbarkeit von der Maschine beschriftet. Ausserdem werden auch die Verbindungen und Stecksysteme gefertigt, sodass die einzelnen Bauteile später optimal ineinander fassen und passen. Das Optimierungsprogramm der Abbundanlage sorgt für möglichst geringen Verschnitt. Die Maschine überwacht die verschiedenen Kommissionen und errechnet die idealen Kombinationen der einzelnen Bauteile, sodass weniger Restholz entsteht.

Produktion unter gleichbleibenden klimatischen Bedingungen

In einem nächsten Schritt werden die beschrifteten Holzteile zu einer Holzständerwand zusammengeschraubt. Jedes Teil verfügt über eine genaue Beschriftung, damit auch jede Aussparung am richtigen Ort sitzt. «Die Holzraumkonstruktion wird nun auf einer vollautomatischen CNC-Anlage mit Platten beschickt, abgenagelt und zum Schluss werden alle Ausschnitte für Türen, Fenster, Elektro ausgeschnitten», so Christine Egger-Schöb. In einem weiteren Schritt werden sie mit dem notwendigen Dämmmaterial gefüllt. Zellulosedämmung ist beim Holzelementbau das gängige Mittel, welches eingeblasen wird. Während bei anderen Hausbauformen die einzelnen Handwerker ihre Arbeiten vorwiegend auf der Baustelle verrichten, können beim Holzsystembau viele Schritte im Werk vorgenommen werden. So werden Spots, Fenster, Türen, Elektroleerrohre, Beplankungen und in speziellen Fällen auch die Fassaden bereits in der Produktion angebracht. Für die Handwerker ist das ein Vorteil, denn in der geschützten Halle sind weder Regen, Wind oder im Sommer die starke Hitze ein Problem.

In der Zimmerei Frommelt werden während der Produktion fixe Produktionsteams gebildet, die für einen Auftrag zuständig sind. «Der Vorteil dabei ist, dass die einzelnen Teile nicht bei jedem Arbeitsschritt von einem Mitarbeiter zu einem anderen übergeben werden müssen und sich ein Neuer wieder einarbeiten muss. Ein Vorarbeiter ist für die Produktion eines Auftrags zuständig und auch die Ansprechperson bei allfälligen Fragen», weiss Christoph Frommelt.

Die vorgefertigten Wände und Decken verlassen die Produktion

Nachdem alle Handwerker ihre Arbeit verrichtet haben, sind die Bauteile schliesslich bereit für den Abtransport. Ein wesentlicher Punkt nimmt dabei die Logistik ein. Grosse Lager nehmen viel Platz ein – Platz, den es aufgrund der Dimensionen der einzelnen Bauteile in den Unternehmen schlicht nicht gibt. Aus diesem Grund müssen die Bauteile ausgelagert oder bei anderen Unternehmen zwischengelagert werden. «Je mehr wir vorfertigen können, desto einfacher und schneller geht die Arbeit auf der Baustelle. Die Logistik ist dabei jedoch entscheidend. Schliesslich müssen die nötigen Bauteile der Reihe nach verfügbar sein, so wie sie gebraucht werden», weiss Christine Egger-Schöb. Auf der Baustelle werden die vorgefertigten Wände und Decken den Plänen entsprechend von den Mitarbeitern montiert – innerhalb weniger Stunden steht der Rohbau des Hauses. (lat)

Wir haben uns informiert bei der Schöb AG in Gams und der Zimmerei Frommelt in Schaan.

02. Mär 2020 / 20:48
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