• Policemen or cop stop car holding a sign that says halt
    Was kostet eine Verkehrsübertretung in Liechtenstein und den Nachbarländern?  (pd)

Wo kostet das «Knöllchen» am meisten?

Ob es sich nun um eine Spritztour, Ferien- oder Geschäftsreise handelt: Einen Strafzettel hat niemand gern auf seiner Windschutzscheibe. Der Verlauf der Landesgrenzen nimmt dabei erheblichen Einfluss auf die Kontobelastung. Über einen Führerscheinentzug entscheiden die Behörden in der Heimat, gestützt auf die eigene Gesetzgebung.

Ist man zum ersten Mal mit dem Auto in Grossstädten wie Zürich, München oder Wien unterwegs, gilt es, erst einmal den Weg zu finden und unzählige Gefahrenherde zu berücksichtigen. Auf unbekannten Strassen passiert es schnell einmal, dass man unterwegs den Tacho ausblendet oder das Fahrzeug am falschen Ort abstellt – insbesondere, wenn man hauptsächlich in ländlichen Regionen unterwegs ist. «Neben Parksünden zählen alkoholisiertes und zu schnelles Fahren zu den häufigsten Verkehrsübertretungen», schreibt der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touring-Club (ÖAMTC) auf seiner Homepage. 
Ein paar Kilometer weiter entfernt, in die eine oder andere Himmelsrichtung, können dabei einen erheblichen Unterschied ausmachen. Wie eine Übersicht des «Autofrühlings» verrät, kostet einen – nur schon im deutschsprachigen Raum – dieselbe Verkehrssünde je nach Staat drei- bis fünfmal mehr; in Extremfällen sogar darüber hinaus. Was Deutschland, Liechtenstein, Österreich und die Schweiz gemeinsam haben: Sie alle verfügen über einen Bussgeldkatalog, der für ihr Hoheitsgebiet einheitlich gilt.

Raser zahlen zwischen 10 Euro und 5000 Franken
Vor allem Fahrzeughalter aus Deutschland und Österreich erleben ihr blaues Wunder, sobald sie in Liechtenstein respektive der Schweiz wegen einer Geschwindigkeitsübertretung zur Kasse gebeten werden. Wofür Einwohnern hierzulande einen Monat lang den Führerschein abgeben müssen (25 km/h über der Geschwindigkeitsbegrenzung), verlangen Polizisten von Vorarlberg bis nach Wien stattdessen 50 bis 72 Euro. Im Fürstentum wird zudem ein Strafverfahren eröffnet, wobei das Landgericht eine Busse von bis zu 5000 Franken aussprechen kann. In schwerwiegenden Fällen, zum Beispiel, wenn Personen verletzt wurden, erhöht sich dieser Wert auf maximal 20 000 Franken.
Die Strassenverkehrsgesetzgebung in Liechtenstein ist an die Schweiz angelehnt. Die Limite, ab der österreichische Fahrzeughalter den «Scheck» temporär abgeben müssen, lautet 40 km/h innerhalb respektive 50 km/h ausserhalb des Ortsgebiets. Hierbei wird eine Geldstrafe von bis zu 726 Euro fällig. Deutschen wird der Führerschein schon vorher entzogen. Bei zwei Geschwindigkeitsübertretungen zwischen 25 km/h und 40 km/h innerhalb eines Jahres wird der Führerschein für einen Monat entzogen. Ab 41 km/h erfolgt eine direkte Abnahme. Eine Rolle spielen auch die Punkte in Flensurg, wo das Kraftfahrt-Bundesamt sitzt. Wer acht davon ansammelt, muss den Führerschein mindestens für ein halbes Jahr abgegeben. Ausserdem ist eine medizinisch-psychologische Untersuchung zu absolvieren, um die Fahrfähigkeit zu prüfen. Um die Strenge der Massnahmen in Relation zu setzen: Eine Übertretung von 70 km/h über der erlaubten Geschwindigkeit innerorts wird mit zwei Punkten bestraft, kostet 600 Euro und führt von sich aus bereits zu einem dreimonatigen Entzug der Fahrerlaubnis.

Eine wesentlich schmälere Spannbreite findet sich bei Parksünden im öffentlichen Raum. Hierbei weist Österreich die flexibelste Rechtsprechung aus. Im Falle einer Verwaltungsstrafe können Beträge bis 726 Euro fällig werden. Gemäss ÖAMTC erfolge «meist» aber im einfacheren Verfahren ein sogenanntes Organmandat zwischen 21 bis 36 Euro – umgangssprachlich besser bekannt als «Knöllchen», das Beamte unter der Windschutzscheibe einklemmen. Auch bei den Parksündern sind die Bussen in der Schweiz und Liechtenstein im Vergleich zu Deutschland oder Österreich zwei- bis fünfmal teurer, wie die Gegenüberstellung verrät. Am teuersten sind sie in der Schweiz.

Zu Hause droht mehr als eine Busse
Unabhängig davon, welche Summe die Behörden für eine Ordnungsbusse verlangen: Man muss sich auch im Ausland an das geltende Strassenverkehrsgesetz halten und Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Bei Geschwindigkeitsübertretungen, die in den Ferien oder während einer Geschäftsreise passiert sind, können den Fahrzeuglenker zu Hause weitere Konsequenzen erwarten. «Als Ausländer hat man keinen Passierschein», betont Otto C. Frommelt, Amtsleiter des Amts für Strassenverkehr (ASV) in Liechtenstein. Ein Fahrverbot für das jeweilige Land infolge einer Geschwindigkeitsübertretung können die Behörden vor Ort aussprechen, der Entzug des Führerscheins ist hingegen nicht rechtens. Denn diese Befugnis hat nur der ausstellende Staat. Eine Ausnahme besteht innerhalb des EWR-Raums, wo dieses Recht auch jenem Staat zugestanden wird, in dem der Fahrzeughalter seinen Wohnsitz hat.

Das richtige Vorgehen sieht stattdessen so aus: Das Amt für Strassenverkehr müsste über sämtliche Vorfälle von Liechtensteiner Fahrzeughaltern im Ausland informiert werden, die einen Führerscheinentzug nach sich ziehen. Dieses prüfe dann weitere Massnahmen, wobei als Massstab die Gesetzgebung in Liechtenstein gilt. In der Praxis erhalte man, abgesehen von den Schweizern Kollegen, jedoch nur vereinzelt Kenntnis, wie Frommelt weiss: «Es obliegt der Entscheidungsbefugnis der ausländischen Behörden, ob sie eine Meldung erstatten oder nicht.» Wünschenswert wäre dies seiner Meinung nach besonders bei Fällen mit Verdacht auf Suchtabhängigkeit oder bei Zweifel an der charakterlichen Eignung zum Führen eines Fahrzeugs: «Hierbei steht sowohl die eigene als auch die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer im Vordergrund.» (gk)

17. Mär 2020 / 05:00
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