• Fabienne Wohlwend ist seit ihrem 7. Lebensjahr Rennfahrerin.

«Ich mag irgendwie alles, was mit Speed zu tun hat»

Als Fabienne Wohlwend das erste Mal von ihrem Vater und Bruder zum Kartfahren mitgenommen wurde, dachte sie wohl kaum daran, dass sie einmal Rennfahrerin werden würde. Die Begeisterung für den Kartsport hat die Weichen gestellt. Viel Fleiss, Ehrgeiz und Enthusiasmus haben sich gelohnt. Die 19-jährige Liechtensteinerin liebt Rennenfahren über alles und möchte einmal als Werksfahrerin angestellt werden.
Vaduz. 

Fabienne Wohlwend, die Rennsaison ist für dieses Jahr zwar bereits beendet und die nächste steht bald an. Wie und wo bereiten Sie sich auf die Rennen vor?
Fabienne Wohlwend: Im Gegensatz zum Kart ist das Training im Auto sehr limitiert, meinen Audi TT darf ich nur an den Rennwochenenden fahren. Trainings auf der Rennstrecke mache ich auf einem TCR-Auto, von einem befreundeten Team. Dieser Rennwagen kommt dem Audi TT vom Fahrverhalten und der Leistung her sehr nahe. Aus Kostengründen sind solche Tests auf der Rennstrecke jedoch sehr begrenzt. Hauptsächlich trainiere ich im Rennsimulator. Ich habe die Möglichkeit, auf einen professionellen Rennsimulator zu trainieren, auf dem ich täglich fahre. Die Simulationsprogramme kommen der Realität sehr nahe, so fahre ich mit meinem Audi TT bis auf wenige Zehntel die identischen Zeiten wie auf der realen Rennstrecke. 

Als kleines Mädchen wurden Sie von Ihrem Vater und Bruder mit zum Kartfahren genommen. Wie war das Erlebnis, dass Sie Rennfahrerin wurden?
Anfangs wollte ich nicht fahren, weil ich dachte, dass das eh nichts für Mädchen ist. Nachdem ich dann doch ein paar Runden gefahren bin, überredete ich meinen Papa, mir auch so einen Gokart zu kaufen. Zwei Wochen später, zu meinem 7. Geburtstag, habe ich meinen ersten Gokart bekommen.

Wo sind Sie mit Ihrem Gokart gefahren?
Wir sind oft im Tessin auf der Kartbahn in Biasca gefahren oder samstags nach Trübbach. Dort gab es früher eine kleine Kartbahn. Über den Winter durften wir mit den Mini-Karts in Bonaduz auf der Indoor-Kartbahn unsere Runden drehen. 

Wie ist Ihre Rennkarriere ins Rollen gekommen, als Sie sich stolze Besitzerin eines Karts nennen durften?
Bevor ich mein erstes Rennen fuhr, habe ich fleissig trainiert, denn ich wollte konkurrenzfähig sein. Schliesslich habe ich an der Liechtensteiner Kartmeisterschaft teilgenommen, wo ich im ersten Jahr den Vizemeistertitel und im Folgejahr den Meistertitel holte. In den folgenden Jahren habe ich die Schweizermeisterschaft bestritten, einen Schweizermeistertitel und mehrere Vizemeistertitel eingefahren. Auch habe ich erfolgreich internationale Kartrennen in Italien sowie in der Deutschen Kartmeisterschaft gefahren. 

Mit 17 Jahren sind Sie vom Kart ins Auto umgestiegen. Erzählen Sie uns mehr davon: Wie ist Ihnen der Einstieg gelungen?
Mit 17 habe ich vom Kartsport in den Formelsport gewechselt. Mein Plan war, schon ein Jahr früher umzusteigen, ich war aber damals noch mitten in meiner Lehre. Daher bin ich ein weiteres Jahr Schaltkart gefahren. Der Wechsel in die Formel 4 war im Nachhinein eine gute Entscheidung. Ich konnte mich von Rennen zu Rennen steigern. Für mich war von vornherein klar, dass die Formel 4 eine Rennfahrschule ist. 

Aus welchem Grund nur eine Rennfahrschule?
Die Formel 4 eignet sich ideal als Rennfahrerschule, um die Beherrschung des Fahrzeugs zu erlernen. Diese Autos haben absolut keine Helfer, wie ABS, ESP … nicht mal ein Bremskraftverstärker ist verbaut. So braucht es einen Druck von 110 kg, um die volle Bremskraft zu erreichen. Und das alle paar Sekunden, punktgenau. 

Was haben Sie in der Formel 4 alles gelernt und wovon haben Sie am meisten profitiert?
Profitiert habe ich hauptsächlich vom Rennen fahren. Zudem habe ich das richtige Handling des Autos und der Geschwindigkeit gelernt. Mit dem Kart war ich zwar schnell unterwegs, aber in der Formel 4 ist das Tempo noch höher. In Monza habe ich locker 240 bis 250 km/h erreicht. Beim Kartrennen waren es hingegen höchstens 150 km/h.

Was war der Grund, warum Sie der Formel 4 den Rücken gekehrt haben?
Der Formelsport wie Formel 4 ist so intensiv, dass dies eine Vollzeitbeschäftigung ist. Da ich eine Banklehre absolviert habe und nach wie vor Vollzeit auf der VP Bank arbeite, war dies für mich keine Option. Erst hatte ich mir überlegt noch ein zweites Jahr in der Formel 4 zu fahren, aber dann fragte ich mich, was danach kommen soll. Zudem war für mich von vornherein klar, dass ich in den GT Sport wechseln möchte. Ich bekam die Möglichkeit mit Audi im TT Cup im Rahmen der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM) zu fahren und somit war für mich der nächste Schritt klar.

Ab welchem Alter bekommt man in der Regel eine Rennlizenz?
Das Mindestalter für Formel und GT Autos ist 16 Jahre. Wer Kart gefahren ist, muss seine Resultate vorweisen, dass eine bestimmte Anzahl an Rennen gefahren wurden. Ansonsten muss für die Rennlizenz ein Lizenzkurs absolviert werden. Das ist ähnlich wie eine Autoprüfung ablegen, eben nur auf der Rennstrecke. 

Wer sind Ihre Unterstützer?
Motorsport ist mit Kosten verbunden und wäre für mich ohne meine Sponsoren nicht möglich. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei meinen Unterstützern Malbuner Spezialitäten, thyssenkrupp Presta, Audi Schweiz, Octane 126 und einigen privaten Gönnern bedanken. 

Wie unterscheidet sich der Audi TT Cup grundsätzlich von den Rennen in der Formel 4?
Die Fahrzeuge sind komplett verschieden in ihrem Aufbau und Handling. Der Formel-4-Wagen wiegt 570kg auf 160PS hingegen der Audi TT 1125 kg auf 310PS. Der Top-Speed liegt bei beiden bei etwa 250 km/h, das heckgetriebene Formel-4-Auto zeichnet sich durch sehr gute Aerodynamik und hohe Kurvengeschwindigkeiten aus. Der Audi TT ist im Gegensatz frontangetrieben, was ein komplett anderes Fahrverhalten zur Folge hat. 

Schlummern in Ihnen Ambitionen, in der Formel 3 zu fahren oder welche konkreten und zukünftigen Ziele verfolgen Sie?
Obwohl ich sehr gerne ein Formelauto fahren würde, ist der Formelsport für mich nicht wirklich eine Option. Da es nicht sehr viele schnelle Frauen im Motorsport gibt, besteht für mich die Chance, bei einem Werk unterzukommen oder von einem Team angestellt zu werden. Dieses Jahr konnte ich auf Einladung des Schweizer Teams Octane 126 Gaststarts in der europäischen Ferrari Challenge bestreiten. 

Wie ist es, als Frau im Rennsport ein ganzes Land zu vertreten? Wie ist es, als Einzige Liechtenstein zu vertreten?
Ich mache Kart- und Motorsport seit ich sieben Jahre alt bin und bin mir deshalb auch gewohnt gegen «Jungs» zu fahren. Da ich die meisten meiner Kontrahenten bereits seit Jahren aus dem Kartsport oder von der Formel 4 kenne, war es für mich nie ein Problem, als Frau den Respekt zu erhalten. 

Der Rennsport ist eine Männerdomäne. Wie gut sind Sie in dieser Domäne integriert? 
Sehr gut. Für mich gelten die gleichen Regeln wie für die Männer. Bei der Ferrari-Challenge gibt es einen Ladies-Cup, bei dem die Frauen eine separate Wertung bekommen. In der Gesamtwertung wurde ich 5. und bei den Frauen erreichte ich den 1. Platz.

Was ist für Sie das Beste beim Fahren?
Das ist klar die Geschwindigkeit und das Fahren am Limit. Ich fahre Autorennen seit ich 7 Jahre alt bin. Es war immer mein Traum und ich bin froh, dass ich Rennen bestreiten darf. Wenn auch noch nicht hauptberuflich, so bin ich doch sehr zufrieden. (lb)

Lesen Sie das vollständige Interview in der aktuellen Ausgabe Autowinter 2017.

24. Okt 2017 / 06:00
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