• Eisdriften in Lappland findet unter extermen Bedingungen für Fahrer und Fahrzeuge statt.  (pd)

«An Fahrtrainings entstehen lebenslange Benzinfreundschaften»

Helmuth Vogt ist aus Leidenschaft Zahnarzt und hat Benzin im Blut. In seiner Freizeit hat er ein Faible für schnelle Autos und extreme Fahrsituationen. Dazu gehört auch das Eisdriften und Fahrtrainings im hohen Norden. Nächstes Jahr wird er mit dem Subaru WRX STI beim Eisdriften in Lappland teilnehmen. Wo andere Autofahrer Angst haben, das Fahrzeug nicht mehr unter Kontrolle zu haben, beginnt für ihn erst der Fahrspass. Vogt meint, dass alle einmal an einem Fahrtraining teilnehmen sollten. Den idealen Einstieg bieten Fahrtrainings in der Schweiz, in Cazis oder Zernez, bei denen man das eigene Fahrzeug und sein Können testen kann.
Vaduz. 
Herr Vogt, wie sind Sie zum Eisdriften in Lappland gestossen?
Helmuth Vogt: Nach meinem Studium habe ich in Davos und Klosters als Zahnarzt gearbeitet. In der kalten Jahreszeit waren die Strassen oft schneebedeckt und rutschig. Ich habe Spass daran gefunden, unter diesen Bedingungen zu fahren. Dort bin ich auch zum ersten Mal auf Fahrtrainings aufmerksam geworden und habe mich sehr dafür interessiert. So habe ich meine ersten Fahrtrainings in der Schweiz absolviert. Damals in Veltheim und Gstaad. Später erfuhr ich vom Eisdriften in Lappland. Seit ein paar Jahren starte ich nun in Finnland und bin regelmässig dort als Teilnehmer dabei.
 
Wo genau in Lappland sind Sie unterwegs?
Meistens in Levi. Im finnischen Lappland. Das ist ein Ort, der sich über dem Polarkreis befindet. Oder auch in Rovanemi, Ivalo oder im schwedischen Arjeplog. Ich fliege fast jeden Winter ein paar Tage nach Lappland, um an winterlichen Fahrtrainings auf Schnee und Eis teilzunehmen. Am Anfang ist es jedoch ein sehr komisches Gefühl, auf einem zugefrorenen See mit dem Auto zu fahren. Man hofft einfach, dass das Eis hält.
 
Wie oft sind Sie in Lappland zum Eisdriften?
Ein Mal im Jahr fliege ich nach Lappland. Die Fahrevents wie Eisdriften finden in der Regel zwischen Januar und März statt. Die Tage sind kurz. Die Temperaturen tief.
 
Was ist der besondere Reiz und die grösste Herausforderung beim Eisdriften?
Die Trainings finden auf gefrorenen Seen oder im Moor statt, wo Wasser zu Eis wird. Die Seen müssen eine beachtlich dicke Eisschicht aufweisen, sodass die Trainings darauf ausgetragen werden können. Meistens herrschen Temperaturen um minus 30 Grad Celsius. Das sind extreme Bedingungen und fordert Mensch und Auto. Zudem sind im Norden die Tage im Winter deutlich kürzer als hier. Bereits um 14.30 Uhr ist im Januar wieder stockdunkle Nacht.
 
Sie sind nicht markengebunden, das heisst, Sie fahren diese Fahrtrainings mit Autos verschiedener Marken. Hand aufs Herz: Mit welcher Marke sind Sie am liebsten unterwegs?
Für die Fahrtrainings in Lappland werden die Autos in der Regel von den Herstellern gestellt. Die Reifen sind mit Spikes in verschiedenen Längen ausgestattet. Auch die Anzahl Spikes spielt eine Rolle. Aber wenn ich wählen kann, dann ist der Porsche 911 Turbo mit Allradantrieb mein absolutes Lieblingsauto auf Schnee. Ein Nachkomme des legendären VW Käfers.
 

Jeder Fahrzeughersteller bringt seine Fahrzeuge nach Lappland, um sie auf Mark und Bein zu testen.

 
Die Plätze für eine Teilnahme in Lappland sind sehr früh ausgebucht. Wie viele Teilnehmer können bei einem Fahrtraining dabei sein und bis wann muss man sich angemeldet haben?
Gebucht wird das Training oft schon ein Jahr im Voraus. Man fährt in der Regel zusammen mit Leuten an das Fahrtraining, die man kennt. Im letzten Jahr bin ich mit acht Personen aus der Region nach Lappland geflogen. Das Training wurde organisiert von Armin Schwarz. Silvan Ackermann von der SA Performance in Balzers hat diese Gruppe zusammengestellt. Die Teilnehmer sind bunt gemischt und jeder übt einen anderen Beruf aus. Bei diesen Fahrtrainings entstehen Benzinfreundschaften, die anhalten.
 
Welche Aufgaben übernehmen Sie als Fahrinstruktor?
In Lappland bin ich Teilnehmer und kein Fahrinstruktor. Ab und zu kommt mir jedoch die Ehre zu, einem Teilnehmer den nächsten Schritt zu zeigen. Dabei versuche ich, die Angst vom Fahren auf glattem Untergrund zu nehmen. Ausserdem zeige ich gerne, wie eine Vollbremsung oder ein Ausweichen auf Schnee funktionieren kann. Die Blicktechnik ist das A und O des Autofahrens. Wenn man plötzlich einem Hindernis ausweichen muss, muss das Auge den Ausweg anpeilen. Nie das Hindernis. Das führt dann zum Misserfolg. 
 
Es gibt auch Fahrtrainings in Graubünden. Wie unterscheiden sich die Fahrtrainings von Lappland und Graubünden im Generellen?
Ein Fahrtraining in Graubünden ist sicherlich um einiges günstiger als die Teilnahme beim Eisdriften in Lappland. Die Übungsflächen sind viel kleiner. Das Fahrtraining in unserer Region eignet sich für Männer und Frauen, die Freude am Fahren haben und etwas dazulernen möchten. Zudem bietet es den perfekten Einstieg ins Eisdriften. Man lernt, mit dem eigenen Auto umzugehen und wie es sich auf Schnee und Eis verhält. Man lernt auch die eigenen Grenzen kennen. Die Teilnehmer sind altersdurchmischt. Was mir auffällt ist, dass die älteren Teilnehmer oft die vorsichtigeren Fahrer sind. Erfahrung zahlt sich also aus. 
 
An welche Menschen richtet sich ein solches Fahrtraining?
Wie gesagt, an alle Automobilisten, die Freude am Autofahren haben und etwas dazulernen möchten. Somit erreichen sie mehr Sicherheit im Strassenverkehr.
 
Bremsen, Beschleunigen, Kurvenfahren, was wird bei diesen Trainings noch geübt?
Man lernt, was auf Schnee möglich ist. Beschleunigen, bremsen, ausweichen, Spass haben und driften. Driften bedeutet nichts anderes als kontrolliertes Fahren, wenn die hinteren Räder rutschen und das Auto ausschwenkt. Dann haben die meisten schon Angst, die Kontrolle über das Auto verloren zu haben. Bei uns in den Trainings fängt der Spass des Fahrens aber genau dort an. Man lernt, das Fahrzeug besser zu beherrschen.
 
Wie ist es möglich, das Auto auf Eis so rasch und sicher zu bremsen und zum Stillstand zu bringen wie auf einer nassen asphaltierten Strasse?
Mit Spikes. Das Auto auf Eis so schnell zum Stillstand zu bringen, als ob es auf nassem Asphalt passieren würde, kann nur gelingen, wenn das Auto mit schmalen Winterpneus ausgerüstet ist und die Pneus mit langen Spikes versehen sind. 
 
Welche Tipps können Sie den Verkehrsteilnehmern weitergeben?
Im winterlichen Verkehr immer vorausschauend fahren. Abrupte Manöver vermeiden. Immer den Ausweg fixieren. Das Fahrzeug sollte auch gut auf den Winter vorbereitet sein: Winterreifen maximal 2 Winter fahren. Im 1. Winter sind sie top. Im 2. Winter nur noch mittelmässig. Das wirkt sich positiv auf den Bremsweg aus. Er wird kürzer. (lb)
23. Okt 2018 / 06:11
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
12. November 2018 / 11:08
28. Oktober 2014 / 10:03
24. Oktober 2016 / 10:16
17. März 2015 / 06:00
Aktuell
12. November 2018 / 11:37
12. November 2018 / 11:08
09. Oktober 2018 / 06:21
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Lova Center
Zu gewinnen einen Lova Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken.
25.10.2018
Facebook
Top