• Peter Kieber ist bereit für die Rennstrecke.  (pd)

Der «Dante» auf der Rennstrecke

Er ist ein markanter Typ, der genau weiss, was er will. Peter Kieber fällt nicht nur durch seinen eigenwilligen Look auf, sondern vor allem auch durch seine positive Ausstrahlung und seinen Ehrgeiz. Hat er sich etwas in den Kopf gesetzt, zieht er es durch. Egal, was sich ihm in den Weg stellt. Dazu gehört auch seine grösste Leidenschaft, der Autorennsport. Immer im Visier: als Erster die Ziellinie zu überqueren.

Herr Kieber, Ihre Frisur ist Ihr Markenzeichen. Ist es schwer, einen Helm zu finden, unter dem sich Ihre Haar-pracht verstauen lässt?

Peter Kieber: (lacht) Das klappt dank der feuerfesten Sturmhaube, die man unter dem Helm trägt, ganz gut. Ohne die wäre es allerdings schwer – vor allem wäre es sehr schmerzhaft, da der Helm die Haare nach unten ziehen würde.

Und stehen die Haare nach dem Rennen wieder wie in der 3-Wetter-Taft-Werbung? Oder steht dann erstmals ein Friseurtermin auf dem Plan?

Die stehen nach dem Ausziehen des Helms wie eine Eins – sogar noch etwas buschiger, weil sie dann nass sind. An Volumen mangelt es nie (lacht).

Wurden Sie schon mal mit Marc Sway verwechselt?

Das ist mir auch schon passiert – gerade am Konzert von Marc Sway letzten Sommer in Vaduz. Da wollten einige sogar Fotos mit mir machen. Auf den Rennplätzen bin ich allerdings aufgrund meiner Frisur mehr unter dem Namen «Dante» bekannt (Fussballspieler FC Bayern München, Anm. d. Red.).

Was für Rennen haben Sie für das laufende Jahr geplant?

In diesem Jahr habe ich grundsätzlich zwei Rennen im Visier. Ich würde gerne den Porsche-Sports-Cup fahren. Ob es klappt, entscheidet sich allerdings erst im Verlaufe des Jahres. Wenn ich teilnehme, dann als Gastfahrer, weil ich nicht die ganze Saison bestreiten kann. Da ich eine eigene Firma besitze und auch noch bei einem Rennteam als Mechaniker im Einsatz bin, würde das zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Das Rennfahren ist und bleibt für mich ein Hobby, das ich als Ausgleich zum Berufsalltag sehe.

Sie haben in Ihrer Tourenwagen-Rennlaufbahn schon die unterschiedlichsten Automodelle gefahren. Welches Auto sagt Ihnen am meisten zu?

Ich bin schon sehr viel gefahren – von Mini bis hin zu BMW, Alfa Romeo und Porsche. Ich kann allerdings nicht sagen, welchen Typ Auto ich am liebsten habe. Ich fände das auch falsch. Grundsätzlich fahre ich alle Modelle gerne schnell auf der Rennstrecke. Bei einem Rennanlass konzentriert man sich auf das, was einem zur Verfügung steht – und das macht in diesem Moment auch am meisten Spass. Der Adrenalinkick und die Routine sind eigentlich immer gleich, egal, ob es sich jetzt um einen Mini oder Porsche handelt.

Braucht es lange, bis man sich als Rennfahrer auf ein neues Auto einstellt?

Wenn man eine gewisse Routine und Erfahrung hat, geht es schneller. Aber es ist natürlich schon so, dass man sich auf jedes Auto neu einstellen muss, da die Unterschiede bezüglich Geschwindigkeit und Handling gross sind. Zum Beispiel ist das Fahrverhalten bei einem Porsche ganz anders als bei einem Mini, da der Mini über einen Frontantrieb verfügt, während der Porsche Heckantrieb hat. Aber diese Herausforderung zu meistern, gehört auch zum Reiz des Motorrennsports.

Und wie lange darf man ein Auto testen, bis man ins Rennen geht?

Das ist unterschiedlich. In der Regel fragt man ein Team im Vorfeld an, ob man das Auto einen Tag lang testen kann und sie organisieren das für dich. Das reicht oft. Es gibt aber auch Teams, die von den Gastfahrern drei oder mehr Testtage fordern, bevor sie am Rennen teilnehmen dürfen. Ideal ist es natürlich immer, wenn man das Auto gleich auf der Strecke fahren kann, auf der anschliessend das Rennen stattfindet.

Wenn Sie es in Worte fassen müssten: Was macht für Sie der Reiz des Rennsports aus?

Der Adrenalinkick. Der Spass daran, ein Auto schnell bewegen können. Und der Konkurrenzkampf. Man hat immer das Ziel vor Augen, das vordere Auto zu überholen oder als erster über die Ziellinie zu fahren. Dann gilt also nicht das Motto: «Dabei sein ist alles», sondern der Ehrgeiz ist schon treibend. Es handelt sich auf jeden Fall um ein erfolgsorientiertes Hobby. Ich fahre nicht einfach im Kreis, weil es Spass macht und es mir einen Adrenalinkick gibt. Wenn ich im Auto sitze, will ich gewinnen. Ich bin ein ehrgeiziger Typ – in jeder Hinsicht.

Ich habe gehört, Ihr Vater ist schon Rennen gefahren?

In seinen jungen Jahren fuhr er Rennen. Aber diese Zeit habe ich nicht mehr miterlebt, da er mit dem Rennfahren aufhörte, als ich noch ein Baby war. Allerdings nimmt er heute noch regelmässig an Fahrtrainings teil und fährt ehrlich gesagt nicht viel langsamer als ich.

Hat Ihr Vater in Ihnen das Feuer für den Rennsport entfacht?

Ich bin zwar Papa schon früh auf den Knien gesessen und habe das Lenkrad bedient. Er nahm mich auch an Fahrtrainings mit. Aber so eine typische Rennsportjugend mit Gokartrennen und Co. habe ich nicht erlebt. Als ich 18 wurde, bin ich dem Automobil Club Liechtenstein (ACFL) beigetreten. Die Leute von der Sportgruppe haben mich dann animiert, sie doch einmal an ein Autoslalomrennen zu begleiten und selber mitzufahren. Ich habe das Angebot angenommen und dann war das Feuer entfacht. Es ist wie eine Sucht. Wenn sie einen gepackt hat, kommt man nicht mehr so leicht davon los.

Muss man körperlich sehr fit sein, um Motorsport betreiben zu können?

Man muss durchaus trainieren, da es im Cockpit auf der Rennstrecke bis zu 80 Grad Celsius heiss werden kann. Optimal ist regelmässiges Konditionstraining wie Joggen. Ausserdem sollte der Oberkörper gut durchtrainiert sein. Speziell wichtig ist eine ausgeprägte Nacken- und Rückenmuskulatur, da in den Kurven starke Kräfte auf den Körper einwirken. Sie sind auch als Mechaniker auf den Rennplätzen im Einsatz.

Das Interesse für schnelle Autos ist also nicht nur auf das Fahren beschränkt?

Zwar habe ich nie eine Mechanikerausbildung gemacht, aber mich schon immer dafür interessiert. Ich bin der Meinung, dass man sich nur wirklich gut auf ein Auto einstellen kann, wenn man weiss, wie es funktioniert. Von 2005 bis 2008 bin ich bei der Mini Challenge Deutschland als Mech im Einsatz gewesen, wobei ich auch sporadisch Renneinsätze hatte. Aktuell bin ich bei Huber Motorsport aus Albaching, Bayern, als Mechaniker für einen Cup-Porsche im Einsatz.

Und was genau sind dabei Ihre Aufgaben?

Bis jetzt war ich während des Rennverlaufs hauptsächlich für das Tanken zuständig. Klar, wenn es einen Schaden gibt, muss jeder mithelfen, das Auto so schnell wie möglich wieder zu reparieren – sofern das noch möglich ist. Ich hatte auch bei den letzten Rennen Einsätze am Kommandostand, wo man mit den Fahrern über Funk in Verbindung steht und für die Strategie des Rennens verantwortlich ist. Das ist wirklich eine sehr spannende Aufgabe.

Wie viele Wochenenden im Jahr sind Sie auf Rennplätzen unterwegs?

Insgesamt bin ich ungefähr elf Wochen-enden als Mechaniker unterwegs und dann noch etwa zwei Wochenenden als Fahrer. Ausserdem bin ich im Vorstand des Automobil Clubs tätig, wo ich für die Organisation der Fahrtrainings am Salzburgring zuständig bin. Zusammengezählt sind es sicher 15 bis 16 Wochenenden, die ich meinem Hobby widme.

Und was war Ihr grösster Erfolg auf der Rennbahn?

Das war ein dritter Platz an der Schweizer Tourenwagen-Meisterschaft (STM) in meiner Kategorie mit einem Alpha Romeo 147 Cup.

Und Ihr eindrücklichstes Erlebnis?

Das war ein Zwei-Stunden-Kartrennen, an dem zwölf Teams teilgenommen haben und ich am Steuer sass. Wir gingen auf Startplatz 4 ins Rennen und haben uns nach etwa zwei Runden auf Platz 2 vorgearbeitet, als plötzlich vorne die Achse abbrach und das Rad wegfiel. Wir mussten in die Box, wo wir ein neues, kaltes Kart erhielten. Man braucht zirka vier bis fünf Runden, bis die Reifen warm sind. Wir fielen dadurch auf Platz 12 zurück, konnten uns aber wieder auf den 4. Platz vorarbeiten. Dann brach das Rad vorne rechts weg und wir mussten erneut in die Box, um das Kart zu tauschen. Mit diesem fuhren wir auf dem 9. Platz wieder in das Rennen und am Ende sind wir sogar noch auf das Podest gefahren und holten uns den 3. Rang. Es war beeindruckend zu sehen, was man erreichen kann, wenn man nicht aufgibt. Nach jedem Rückschlag haben wir uns wieder aufgerappelt und weitergekämpft.

In den vergangenen Jahren sind Sie ja auch ein paarmal an der Mini Trophy auf dem Hockenheimring mitgefahren, die 2013 zum letzten Mal durchgeführt wurde. Wie ich gelesen habe, feierten Sie auch hier Erfolge.

Vergangenes Jahr bin ich beim Qualifying bis drei Minuten vor Schluss als Gastfahrer auf der Pole-Position gefahren, um dann am Ende doch noch auf den 5. Startplatz zurückzufallen. Auch wenn mich das geärgert hat, war es trotzdem ein super Ergebnis – gerade als Gastfahrer. Teilnehmer, welche die ganze Saison mit dem Mini fahren – und das zum Teil schon jahrelang –, lagen im Feld hinter mir.

Die Mini Trophy war doch immer auch ein Promi-Anlass, oder?

Das stimmt. Ich bin schon gegen Cora Schumacher gefahren und auch gegen Doreen Seidel, das Explaymate. Letztere fährt zwar zügig, aber für die Spitze reicht es nicht. Cora Schumacher hingegen ist die schnellste Lady im Feld. Es fuhren auch schon Promis wie Max Mutzke, Mola Abdesi, Götz Otto, Ex-DTM-Fahrer Alex Burgstaller oder Smudo von den «Fantastischen Vier» mit.

Fahren grundsätzlich viele Frauen mit?

Es gibt immer wieder Frauen, aber sie befinden sich klar in der Unterzahl. Die eine oder andere kann dabei durchaus mit uns Männern mithalten. Wie ist denn der Zusammenhalt unter den Fahrern auf dem Renngelände? Man trifft immer wieder die gleichen Leute und kennt sich mittlerweile. Ich würde sagen, wir Fahrer sind untereinander wie eine grosse Familie – auch wenn es natürlich immer welche gibt, die man mehr oder weniger mag. Es ist wirklich eine ganz coole, entspannte Atmosphäre.

Motorrennsport ist kein ungefährlicher Sport. Schon mal in eine richtig brenzlige Situation geraten?

Einen Totalschaden habe ich zum Glück noch nie fabriziert. Da muss ich auf Holz klopfen. Aber einmal bin ich in einem Qualifikationsrennen in eine sehr gefährliche Situation geraten, als ich mit 180 km/h ins Schleudern geriet und erst kurz vor der Leitplanke zum Stehen kam. Zum Glück war nur etwas Kies im Unterboden. Sonst ist nichts passiert.

Beeinflusst so ein Erlebnis den Fahrstil im nächsten Rennen? Beziehungsweise schleicht sich da auch Angst ein?

So etwas darf im Rennsport nie Auswirkungen auf den Fahrstil haben. Es gilt das Motto: Weitermachen und nicht weiter darüber nachdenken. Künftig muss man es einfach besser machen.

Was fahren Sie privat für ein Auto?

Zum Arbeiten fahre ich einen Landrover, mit dem ich auch meistens unterwegs bin. Privat einen Alfa Romeo Kombi.

Juckt auch privat manchmal der Fuss am Gaspedal?

Es wäre gelogen wenn ich jetzt Nein sagen würde, aber man sollte sich auf öffentlichen Strassen korrekt verhalten, da es sonst zu schrecklichen Unfällen führen kann. Aus diesem Grund würde ich auch jedem ans Herz legen, mal so ein Fahrtraining auf der Rennstrecke des ACFL zu besuchen, denn das bringt sehr viel für das Fahrverhalten mit dem eigenen Auto auch im Strassenverkehr.

Gibt es noch einen grossen Traum, den Sie sich erfüllen möchten?

Ich denke, Träume hat man immer und sollte man auch immer haben. Mein grösster Traum ist es, gesund zu bleiben, keine Unfälle zu haben, und immer meinem Hobby nachgehen zu können! (ne)

03. Sep 2014 / 09:25
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