• Worker bullying his work colleague
    Mobbing  (iStockphoto)

Mobbing-Opfer müssen sich wehren

Gezielte Schikanen, abschätzige Gesten, fiese Machenschaften aller Art – Mobbing hat viele Gesichter. Allen gemeinsam ist, dass die angegriffene Person in eine unterlegene Position gerät und sich ausgestossen fühlt. Ein Gefühl, das sich auf Dauer auf die Gesundheit der Seele niederschlägt. Doch Mobbing-Opfer sind ihren Widersachern nicht hilflos ausgeliefert.
Vaduz. 

Mobbing ist heutzutage fast zu einer Art Modebegriff geworden. Ziemlich schnell und leichtfertig wird er in den Mund genommen, sobald sich jemand ungerecht behandelt fühlt oder in einen Streit gerät. Doch Vorsicht! Bei Mobbing handelt es sich um einen eindeutig definierten Begriff, der klar von demjenigen des Konflikts unterschieden werden muss. Von Mobbing im Arbeitsleben spricht man erst, wenn eine Person oder Gruppe wiederholt und über eine längere Zeitspanne die Würde eines anderen Menschen verletzt. Dies geschieht, indem der oder die Betroffene schi-kaniert, abgewertet, beleidigt oder schlicht ignoriert wird – mit dem Ziel, die Person aus dem Arbeitsverhältnis auszustossen. Konflikte hingegen entstehen überall dort, wo Menschen miteinander zu tun haben. Sie sind unvermeidlich und alltäglich. Und nur, wenn ernsthafte und andauernde Konflikte nicht gelöst werden, können sie sich im Ernstfall zu Mobbing entwickeln.

Negative Folgen für alle
Wie die erste gesamtschweizerische Mobbing-Studie der Seco aufzeigt, ist das Mobbing-Vorkommen in der Schweiz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eher hoch. Die Ergebnisse belegen, dass ein enger Zusammenhang zwischen der Grösse der Belastung und den gesundheitlichen Folgen bei den Betroffenen besteht. Das bedeutet: Ist die Arbeitsbelastung zu hoch, beginnt sie, die Mitarbeiter psychisch zu belasten und Mobbing tritt vermehrt auf. Die Auswirkungen auf die Gesundheit der betroffenen Person sind dabei beträchtlich. Gemobbte Mitarbeiter machen oft einen niedergeschlagenen, hoffnungslosen und depressiven Eindruck. Sie fühlen sich schwach, erschöpft, energielos und von einer inneren Unruhe und Angst getrieben. Dass dieser Zustand Auswirkungen auf ihre Produktivität hat, liegt auf der Hand. Folglich haben diese Symptome natürlich auch eine betriebs- und volkswirtschaftliche Bedeutung, denn die gesundheitlichen Beschwerden führen vermehrt zu Stellenwechseln sowie einer erhöhten Ausfallzeit, was für den Arbeitgeber ziemlich kostspielig werden kann. Auch der Anspruch auf medizinische Leistungen darf nicht unterschätzt werden. Fachleute gehen davon aus, dass ein Mobbing-Fall etwa ein Jahressalär kostet. So sollte sich gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten kein Betrieb Mobbing erlauben können.

Mobbing-Opfer sind nicht rechtlos
Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, die Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter zu respektieren und zu schützen sowie auf deren Gesundheit gebührend Rücksicht zu nehmen. Kurzum: Sie dürfen Mobbing nicht dulden. Wenn sie das tun, verletzen sie ihre Fürsorgepflicht und es können der geschädigten Person Schadensersatzforderungen zugesprochen werden. Mobbing-Opfer sind also nicht rechtlos.
Doch Achtung! Wer den Arbeitgeber zur Rechenschaft ziehen will, muss aktiv werden. Das heisst, von Mobbing betroffene Mitarbeiter müssen dies dem Arbeitgeber mitteilen und ihn an seine Fürsorgepflicht erinnern. Wer die Missstände nicht zur Sprache bringt, kann später keine Forderungen mehr stellen. Es gilt also, das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen. Wird dieses Gespräch verweigert,  sollte man dem Arbeitgeber einen Brief schreiben, ihn darin an seine Fürsorgepflicht erinnern und ihn auffordern, Abhilfe zu schaffen. Ist der Chef selbst der Übeltäter, gelangt man an die nächsthöhere Stelle oder die Personalbteilung.
Doch was genau sollte in dem Gespräch überhaupt angesprochen werden? Gute Vorbereitung ist hier alles. Es ist ratsam, eine Art Tagebuch zu führen und Beweise zu den unfairen Attacken zu sammeln. Man sollte alles auf den Tisch legen, was einem zu schaffen macht, und deutlich machen, dass man ernsthaft gewillt ist, eine Lösung zu finden. Ganz wichtig: Nicht emotional werden, sachlich bleiben und mit Ich-Botschaften anstatt Vorwürfen arbeiten – im Sinne von: «Ich erlebe dies als belastend, weil ...»
Sich gegen Mobbing zu wehren, braucht Kraft und Durchsetzungsvermögen. Wer allein nicht weiterkommt, sollte besser früher als später professionelle Hilfe holen. Hat man bereits gekündigt oder ist gesundheitlich so angeschlagen, dass man nicht mehr an den Arbeitsplatz zurückkehren kann, hat man seine Chancen im Unternehmen bereits verspielt.

Das können Vorgesetzte tun
Eine spezifische Weiterbildung von Führungskräften im Bereich Mobbing-Prävention sollte integraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie sein. Denn Vorgesetzte meinen es häufig gut, sind aber kommunikations- und führungsmässig zu wenig geschult für solch schwerwiegende Situationen. Als Vorgesetzter ist es ratsam, jeglicher Art von sozialen Spannungen im Betrieb die erforderliche Aufmerksamkeit zu schenken. Es ist ganz wichtig, Spannungen nicht zu verdrängen oder zu unterdrücken, sondern mit den Beteiligten eine einvernehmliche Lösung zu suchen. Vor allem sollten dabei auch jene Arbeitsbedingungen verbessert werden, welche als Auslöser für Konflikte erkannt werden. Eine frühzeitige Intervention kann Mobbing in vielen Fällen verhindern und bringt nicht nur mehr Mitarbeiterzufriedenheit, sondern auch Einsparungen für das Unternehmen.

Wo in Liechtenstein die Anlaufstellen sind und  weitere Tipps, wie man sich gegen Mobbing wehren kann, gibt es im «pece»-Magazin.

 

06. Okt 2015 / 06:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
vodoo
2 x 2 Karten für Freitag, 7. Juli zu gewinnen
Facebook
Top