«Meine Songs fallen mir beim Autofahren ein»

Lilly Martin ist eine begnadete Jazz- und Soulsängerin mit einer unverkennbaren Stimme, die ursprünglich aus New York stammt, aber schon seit über 30 Jahren in Zürich lebt. Im Januar hat sie ihre vierte Platte «Minetta» herausgegeben. Darauf erzählt sie mit viel Gefühl Geschichten aus ihrer Zeit an der Minetta Street in New York und verarbeitet Erlebnisse, die sie auf ihrem Lebensweg durchgemacht hat. Am 25. Mai spielt Lilly Martin mit ihrer Band im Blues im Madlen in Heerbrugg
Vaduz. 

Lilly Martin, vor zweieinhalb Monaten war die CD-Taufe Ihres neuen Albums namens «Minetta» im Züricher Jazz Club Moods. Wie war dieser Abend für Sie?
Lilly Martin: Super. Ich war sehr zufrieden und es war uns natürlich eine Ehre, dass wir im Moods in Zürich spielen durften. Dass es dazu auch noch ausverkauft war, hat eine tolle Stimmung gegeben, die Stimmung und Energie vom Publikum wurden zu uns hinübergetragen.

Seit über 30 Jahren wohnen Sie in der Schweiz und sagen, dass Sie sich nur an zwei Orten zu Hause gefühlt haben – an Ihrem jetzigen Wohnort in Männedorf und an der Minetta Street in New York. Was hat Sie bewegt, dieses Album einzuspielen? 
Auf der Suche nach einem Konzept für ein neues Album, wollten wir die Einflüsse des Musikstils und Genres, in denen ich mich am wohlsten fühle, auf einer Platte vereinen. Als ich jung war und in New York aufwuchs, wurde ich von so vielen unterschiedlichen Musikstilen inspiriert. Gospel, Jazz, Pop, Motown – es gab da alles, und ich muss sagen, dass ich auch alle diese Stile liebe. In meinem reiferen Alter habe ich mich auf die Stilrichtung orientiert, die mir seelisch naheliegt, nämlich Blues und Soul. Die Lieder auf dem Album Minetta erzählen aus meinem Leben wie zum Beispiel «Runway». Dies war eine Erfahrung, die mich schon lange begleitet und ich sie darum erzählen wollte. 

Aus welchem Grund trägt es den Titel «Minetta»?
Ich bin 18 Mal umgezogen, bevor ich in die Schweiz kam. Aber die Ereignisse, die Zeit an der Minetta Street, haben sich wie ein Anker in meinem Herzen festgeklammert. «Life in the City» erzählt vom Leben in New York, von der Grossstadt, der Anonymität, vom Schmutz. Nicht alles ist schön dort, aber wenn du dort lebst oder aufwächst, ist das dein Leben. Wenn ich in New York bin, habe ich die Fenster geöffnet, ich mag es, die Sirenen nachts zu hören. Der Song «So Many Ways» erzählt das Spektrum über mein Leben – «I came up hard but I’ll be going easy – ich bin mit Schwierigkeiten aufgewachsen, aber das Ende wird leicht.» Ich hatte keine einfache Kindheit, eine exzentrische Mutter – ich hingegen habe immer Ruhe und Tradition gesucht. Deshalb bin ich hier und ich mag es sehr hier. Wenn ich von Ruhe umgeben bin, habe ich eine Ruhequelle, aus der ich Inspiration schöpfe. 

«Musik hat mich mein Leben lang begleitet». Trotzdem hat sie erst im reiferen Alter entschlossen, nur noch Musik zu machen und davon zu leben.

Was macht die Minetta Street in New York für Sie zu einem besonderen Ort?
Vielleicht müssten Sie dorthin gehen, um das zu verstehen. Es ist wie eine Oase Mitten in der Stadt. Es hat etwas charmantes und ruhiges. Es fahren beinahe keine Autos auf dieser Strasse und man sieht auch selten Leute. Dies, obwohl sie mitten im Greenwich Village liegt, gleich neben 6th Avenue und Bleecker Street, und Houston, in einem geschäftigen Bezirk.

Wie sind Sie auf den Titel für dieses Album gestossen?
Als ich einen Namen für dieses Album gesucht habe, dachte ich  – Minetta. Der einzige Ort, an dem ich mich Daheim gefühlt habe. Verglichen mit all den anderen Orten, an denen ich gewohnt habe, hat es etwas Spezielles. Ich habe im Internet gesucht, ob schon andere Alben den Titel Minetta tragen und bin dabei auf Minetta Street Lyrics von Mascha Kaléko gestossen, die auch an der Minetta Street gewohnt hatte. Sie musste Österreich verlassen und ist über Holland in die USA gekommen. Meine Mutter war Künstlerin, zweimal verheiratet, und hat einfach ihr Leben gelebt. Unsere Nachbarin war eine Opernsängerin, sie schmiss Partys bei uns zu Hause, und es war cool. The Fat Black Pussycat war ein Club nebenan. Der versteckte Eingang war an der Minetta Street und der Haupteingang an der Bleecker Street. Und hier, so sagt man, habe Bob Dylan seinen Song «Blowing in the Wind» geschrieben. 

«Minetta» ist Ihr 4. Studioalbum. Darauf erzählen Sie Geschichten und Erlebnisse aus der Vergangenheit. «Runway» und «So Many Ways» sind Ihnen emotional nahestehende Songs. War es ein Leichtes für Sie, diese Songs auf Papier zu bringen?
«Runway» habe ich zuerst als Gedicht geschrieben. Dadurch, dass wir Texte gesucht haben für Songs, die mein Mann und ich komponiert hatten, habe ich dieses Gedicht auf den Song gesetzt und es hat einfach gepasst. Es war wie Magie. Ich habe das Bedürfnis manchmal etwas aufzuschreiben. Es muss nicht immer ein Song sein, manchmal schreibe ich einfach für mich. Es gibt so viele begonnene Songs, die unbeendet in einer Schublade liegen. Ich glaube es wird, je älter ich werde,  immer einfacher. Ich habe keine Geheimnisse und möchte alles zum Ausdruck bringen. Ich glaube, wir leben heute in einer Welt von Perfektion. Entweder man ist perfekt oder führt ein perfektes Leben. Aber das stimmt für die meisten von uns nicht. «So many ways to break» zu schreiben, war für mich ein Leichtes, denn ich wollte erklären, was ich fühlte.

Video

Lilly Martin gibt eine kleine Kostprobe aus ihrem neuen Album «Minetta».
Lilly Martin gibt eine kleine Kostprobe aus ihrem neuen Album «Minetta».

Was möchten Sie mit Ihren Songs dem Publikum vermitteln?
So wie es sich für mich nach einem Kinobesuch anfühlt. Ich gehe sehr gern ins Kino. Allein die Magie, die ein Kino ausstrahlt, diese Atmosphäre. Es geht aber nicht darum, dass man in 90 Minuten den Film absorbiert, sondern die Gedanken, die dir danach durch den Kopf gehen – die Bilder, die Empfindungen. Ich bin mir bewusst, dass die Leute nicht immer alles verstehen, über was ich singe, aber ich möchte, dass unsere Konzertbesucher mit dem gleichen Gefühl nach Hause gehen, wie ich, nachdem ich einen guten Film gesehen habe. Denn wenn ich wirklich bewegt bin, bedeutet das, dass ich es immer noch verarbeite.

Am 25. Mai werden Sie in Heerbrugg im Kinotheater Madlen auf der Bühne stehen. Welche Songs werden wir da zu hören bekommen?
Ganz genau kann ich das jetzt noch nicht sagen, aber es wird ganz bestimmt Songs aus dem neuen Album zu hören geben. Auch Songs von den drei vorherigen Alben werden wir performen. Es gibt auch Repertoiresongs, die wir nicht aufgenommen haben und nur live singen. Die Songs stimmen wir ein bisschen nach Grösse der Location, dem Publikum und so weiter ab – auf jeden Fall gute Musik (lacht). (lb)

Lesen Sie das vollständige Interview in der aktuellen Ausgabe des «Lifestyle»-Magazins.

03. Apr 2018 / 06:01
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